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Stickstoff an der Weser sparen

Landwirtschaft

vTI sieht großen Handlungsbedarf an der Weser

Mit der Wasserrahmenrichtlinie hat die Europäische Union ein Instrument geschaffen, um die Qualität von Grund- und Oberflächenwasser im Einzugsbereich von Flüssen europaweit zu verbessern. Welche Anstrengungen seitens der Landwirtschaft nötig sind, damit die Wasserqualität der Weser den Vorgaben der EU-Richtlinie genügt, zeigt eine aktuelle Studie des Johann Heinrich von Thünen-Instituts (vTI) in Braunschweig.

Der Wesereinzugsbereich
Die Struktur der landwirtschaftlichen Landnutzung und der Tierhaltung determiniert die Höhe der Nährstoffbilanzüberschüsse, die potenziell in die Gewässer eingetragen werden können. In der Regel gehen hohe Viehbesatzdichten mit hohen Nährstoffbilanzüberschüssen einher, da der Großteil der im Wirtschaftsdünger enthaltenen Nährstoffe nicht sofort pflanzenverfügbar ist.
Im Einzugsgebiet ist der Anteil der Landwirtschaft mit 55 Prozent über und der Anteil des Waldes mit 28 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt. Die Ackerfläche wird nicht wesentlich anders genutzt, aber entlang der Weser sehr verschieden. Die Hildesheimer Börde beispielsweise hat einen Anteil von über 90 Prozent Ackerbau. Ober- und Unterlauf der Weser weisen mit mehr als 45 Prozent Anteil einen sehr hohen Anteil Grünland auf.
Große Unterschiede gibt es im Bereich der Viehhaltung. So werden im Einzugsbereich 1,1 Großvieheinheiten je Hektar gehalten. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 0,9. Zwar sind 53 Prozent der Tiere Rauhfutterfresser, wie große und kleine Wiederkäuer, doch ist der Anteil gegenüber dem Bundesdurchschnitt unterdurchschnittlich. Der Wesereinzugsbereich ist deutlich durch die flächenunabhängige Tiehaltung von Schweinen und Geflügel geprägt.

Die Bundestagsfraktion Bündnis90/Die Grünen haben in einem Antrag noch vor der Sommerpause gefordert, die Klimasituation im Ackerbau zu verbessern. Dazu zählt unter anderem die Vermeidung der Überdüngung: „Je höher der flächenbezogene Stickstoffsaldo durch die Düngung mit Stickstoffdüngern ist desto mehr Lachgas wird emittiert.“ Die Grünen betrachten auf die Herstellung des mineralischen Stickstoff. Für eine Tonne Stickstoffdünger wird auch eine Tonne Erdöl verbraucht und nach Ergebnissen des europäischen Forschungsprojekts CarboEurope weise Deutschland mit die höchsten Lachgasemissionen und den höchsten Düngemitteverbrauch auf.

Die Stickstoffsituation
Zwischen 1990 und 2002 sank in Deutschland der Bilanzüberschuss bei Stickstoff von 130 auf 80 Kilogramm je Hektar. Zum einen haben steigend Erträge den Entzug erhöht, zum anderen ist der Anteil des organischen Düngers durch die rückläufige Tierhaltung gesunken.
Die Hildesheimer Börde weist die höchste Mineraldüngergabe auf. In den Viehregionen liegen die N-Lieferungen durch Rinder, Schweine und Geflügel bei 100 kg N je ha.
Die Bilanzüberschüsse liegen in den viehstarken Regionen nach der Erhebung bei bis zu 150 kg/ha und Jahr. In den Ackerbauregionen sind sie deutlich geringer.
Nach Vorgaben der Wasserrahmenrichtlinie liegt der Minderungsbedarf in vielen Regionen des Wesereinzugsgebietes bei 75 kg N je Hektar.
Für die Gesamtregion rechnet das Institut einen Minderungsbedarf in Höhe von 32.000 t Stickstoff im Jahr aus, was aber wohl nicht durch Agrarumweltmaßnahmen erzielt werden kann, „ohne signifikante wirtschaftliche Einbußen der Landwirte in Kauf zu nehmen.“

Gegenmaßnahmen
Das vTI hat aus der Literatur eine Vielzahl von Möglichkeiten zur Reduzierung des N-Eintrags zusammengetragen:
Zwischenfruchtanbau, Untersaaten, Maisengsaat, Mulch- und Direktsaat, extensive Weidewirtschaft, Zeitpunkt der Mineraldüngung, verbesserte Ausbringungstechnik, teilflächenspezifische Düngung, stickstoffredzuzierte Fütterung bei Schweinen und Geflügel, Baumaßnahmen an Gewässer zur Reduzierung des Rückflusses, Wiedervernässung von Mooren und Auen, ökologischer Landbau oder Düngerplanung.
Um die Vorgaben der Wasserrahmenrichtlinie bis 2015 zu erfüllen, schlagen die vTI-Wissenschaftler in der Studie eine erste Maßnahmenkombination für die Landwirtschaft vor, die sich auf rund 1,3 Millionen Hektar bezieht und insgesamt über 100 Millionen Euro pro Jahr kosten würde. Allerdings: In rund 7 Prozent der Regionen konnte jedoch auch mit diesen Maßnahmen die Zielsetzung nicht erreicht werden, sodass weitere landwirtschaftliche oder wasserwirtschaftliche Maßnahmen notwendig sind.

Lesestoff:
www.vti.bund.de/de/institute/lr/publikationen/default.htm

roRo

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