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Sustainable China

Landwirtschaft

Nachhaltigkeit: China on the move

China steht derzeit nicht gerade im Fokus der Nachhaltigkeit. Das Image ist seit Jahren schlecht: Melamin in der Milch und Noroviren in TK-Erdbeeren. Doch ein genauer Blick zeigt den Wandel. Nach Christine Brunel-Ligneau vom Food Chain Management der Bayer CropScience AG misstrauen 86 Prozent der Chinesen ihren eigenen Produkten und kaufen lieber teurere Importware. Die Politik erhöht den Druck auf Erzeuger und Händler, mehr für die Lebensmittelsicherheit zu tun. Für europäische Unternehmen ist das ein großes Geschäftsfeld, so Brunel-Ligneau auf dem 3. Europäischen Obst und Gemüseforum der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft AMI in Berlin [1].

Sicherheit für alle

China als Partner im Welthandel steht unter Beobachtung. 51 Prozent der Betriebe fallen derzeit noch bei den staatlichen Lebensmittelkontrollen durch. Wer aber sichere Lebensmittel produziert, bietet seinen Kunden höhere Sicherheit, erzielt ein höheres Einkommen und kann bei internationalen Wertschöpfungsketten partizipieren. Lebensmittelsicherheit ist im Agrarbereich zu einem der wichtigsten Punkte auf der Zukunftsagenda geworden. Seit einigen Jahren entstehen jährlich rund zehn neue Gartenstädte, in denen die Bauern keine Massenware, sondern Qualitätsware produzieren und ihre ersten nachhaltigen Schritte unternehmen.
Die Erwartungen entlang der Produktionskette sind seht unterschiedlich. Die Bauern wollen einen hohen Ertrag, die Händler eine hohe Marge, die Einzelhändler vertrauenswürdige Produkte und die Regierung Reputation für neue Investoren. Und das ganze beobachten die ausländischen Handelspartner. Um den Wandel von der lokalen Versorgung zu Produkten mit globalen Handelsnormen zu bewerkstelligen hat Bayer die Food Chain Partnership aus der Taufe gehoben. Aus einem Werkzeugkasten werden Technik, Direktvermarktung, Datenbanken und Systemmanagement für den Weg vom Feld bis zum Teller eingesetzt.
Im Fokus steht der Binnenmarkt. Sukzessive sollen die Qualitätsparameter aber auch auf die Exportbetriebe ausgeweitet werden, erläutert Brunel-Ligneau. Sie berichtet wie die Hilfe in einem Projekt zur Erzeugung von Eierfrüchten die Erträge mit besserem Saatgut um 66 Prozent hat ansteigen lassen. Die Verluste an Tomaten sind von 38 Prozent auf chinesisches Durchschnittsniveau gesunken und die Bauern haben 137 Prozent mehr verdient als vorher. Alle Rückstandswerte sind mittlerweile unterhalb der Höchstgrenze. Langfristig mache sich eine gute fachliche Praxis breit.
Notwendige Investitionen werden durch die lokalen Regierungen getätigt, weil ihnen auch das Land gehört, erläutert Christine Brunel-Ligneau gegenüber Herd-und-Hof.de. Für die Ausbildung müssen die Bauern aber selbst bezahlen, damit sie diese auch wertschätzen. Bayer erreicht nicht nur die einzelnen Bauern, sondern über die Kooperative gleich bis zu 4.000 Genossenschaftsmitglieder.

Mit China muss man rechnen

Der Schweizer Hans Peter Reust ist für die Metro in China unterwegs und Direktor für das Projekt Star Farm. Nach Reust muss die Welt mit schon China rechnen. Ein Händler allein kontrolliert bereits 140.000 Proben im Jahr. 99,8 Prozent der Befunde liegen im grünen Bereich. Die Produkte aus den Projekten gehen hauptsächlich nach Japan und in den Mittleren Osten. Es folgen Europa, die USA und Südkorea. Die Ware ist mit einem QR-Code ausgestattet und Kunden können sich über die Produkte informieren und sehen ein Foto des Bauern. Das ist für diesen der Ansporn, nicht sein Gesicht zu verlieren und ist bemüht, die nötigen Anforderungen zu erfüllen.
Die Anfänge sind jedoch noch bescheiden. In China gibt es etwa 600 Millionen Bauern, die durchschnittlich drei Mu, rund 2.000 Quadratmeter Land, bewirtschaften. Der größte Teil der Bauern ist noch nicht organisiert.

Lesestoff:

www.foodchainpartnership.com

www.starfarm.com.cn

[1] Auslandstechnik soll chinesische Milch sicherer machen

In China reift der Bio-Mensch. „I garden“

Roland Krieg

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