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Symposium Energiepflanzen Teil II

Landwirtschaft

EVAs erste Ergebnisse

Das zentrale bundesweite Forschungsvorhaben im Bereich der Energiepflanzen ist die „Entwicklung und Vergleich von optimierten Anbausystemen für die Produktion von Energiepflanzen“ (EVA). Das hatte sich gestern auf dem Symposium Energiepflanzen herausgestellt. Auch wenn noch en Anbaujahr fehlt und die Ergebnisse erst nach und nach ausgewertet vorliegen, konnte Dr. Armin Vetter von der Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft TLL etliche Trends und Aussagen treffen.

Energiepflanzen folgen dem guten Standort
Energiepflanzen haben neben ihren Ertragsmöglichkeiten das Potenzial Fruchtfolgen aufzulockern. Das derzeit hauptsächlich noch Mais angebaut wird, liege daran, dass dieser sehr früh und intensiv züchterisch bearbeitet wurde. Mais wird demnach auch in den ausprobierten Fruchtfolgen noch den Hauptertrag stellen, wird aber auch an seine naturwissenschaftlichen Grenzen stoßen. Je Tonne Trockenmasse braucht er 220 Liter Wasser. Für Mais und Getreide hält Dr. Vetter die Ertragsvolumina ausgereizt. An sieben Standorten werden verschiedene Fruchtfolgen ausprobiert. Der Vergleich bei einer Fruchtfolge an allen Standorten zeigte bereits, dass die Ertragsunterschiede sehr groß sein können.
Auf Trockenstandorten kommt das Sudangras dem Mais sehr nahe. Topinambur KnollenAuch die Zuckerhirse bringt gute Erträge, wenn es sehr trocken ist, weist aber von Sorte von Sorte sehr große Ertragsschwankungen auf. Dabei kommt es in dem Projekt nicht nur auf den Ertrag an. Die Sorte Goliath musste am 07. Oktober 40 mm Niederschlag und starke Sturmböen hinnehmen: Auf 62 Hektar Zuckerhirse lagen die Pflanzen flach. Aber: Derzeit richten sie sich wieder auf und werden geerntet werden können. Auch solche Ergebnisse fallen bei den Versuchen an und zeigen, dass weitere Parameter für den Anbau beachtet werden müssen. Zuckerhirse und Sudangras haben sich auch als verträglicher auf eine späte Aussaat gezeigt als Mais.
Interessant wird es, wenn Vielfalt in Gemengen umgesetzt wurde. Verschiedene Sorten einer Pflanze konnten bei vorliegenden Versuchen Erfolge erzielen. In der DDR wurden nach Angaben Dr. Vetters verschiedene Gerstensorten zusammen angebaut, was den Effekt nach sich zog, weniger Pflanzenschutzmittel verwenden zu müssen. Solche Stabilitäten lassen sich wohl nicht unendlich weiterspinnen. Bayern und Mecklenburg-Vorpommern konnten bei Gemengen von unterschiedlichen Pflanzen „nur deprimierende Ergebnisse“ erzielen und es wird dazu keine weiteren Versuche mehr geben. Nicht umsonst, so Vetter, hat sich seit Jahrzehnten nur das „Landsberger Gemenge“ überhaupt etabliert. Hier werden Zottelwicke, Inkarnatklee und Welsches Weidegras zusammen als Winterzwischenfrucht angebaut.
Ein lohnendes Ergebnis hat an den Standorten Braunschweig und Müncheberg auch die Bewässerung erzielt. In Niedersachsen wurde der Ertrag um 35, in Brandenburg um 85 Prozent gesteigert.
Hirse hat bisher gezeigt, dass sie in dichteren Reihen ausgesät werden kann und durch diese frühere Bodendeckung weniger Herbizide braucht.
Bei allen bisherigen Fruchtfolgen stallte die Humusbilanz kein Problem beim Anbau von Energiepflanzen dar. Vor allem wenn der Gärrest aus der Biogasanlage wieder zurück auf das Feld gebracht wird. Vor zwei Ausnahmen warnte Dr. Vetter: Wird das Stroh für die Ethanolgewinnung abgefahren oder verschwindet bei der BtL-Produktion die ganze Pflanze restlos in der Raffinerie, dann geht Humus im Boden verloren. Darauf müsse geachtet werden.
Der zusammenfassende Blick bisher skizzierter Ergebnisse zeigt, dass Energiepflanzen bei einem ökonomischen Einsatz den gleichen Zwängen unterliegen, wie andere Pflanzen auch: Es zieht sie an den besseren Standort. Ohne Wasser, Nährstoffe und guten Boden bildet die Pflanze keine Biomasse. Sollen die Pflanzen ihr Potenzial tatsächlich ausspielen können, dann kann das nicht im extensiven Anbau auf Grenzertragsstandorten geschehen.

Züchtung muss neue Ziele definieren
Zwei Pflanzenzüchter waren sich gestern einig: Dr. Heinrich Wortmann von der Saatenunion und Dr. Hinrich Harting von der KWS Saat müssen neue Ziele definieren. Wurde in der konventionellen Züchtung Wert auf ein bestimmtes Merkmal gelegt, ging meist der Masseertrag verloren. Die Energiepflanzen der Zukunft fordern diesen jedoch gerade zu heraus. KWS hatte sich zum Ziel gesetzt, den Trockenmasseertrag von Mais innerhalb von zehn Jahren von 18 auf 36 Tonnen je ha zu steigern. Die aktuellen Prototypen hätten nach fünf Jahren die Ertragsmarke von 25 T erzielt.
Mais ist nicht nur die Pflanze mit langer Züchtungstradition. Können die Zuchtfirmen mit der gängigen Anbaupflanze Erfolge aufweisen, gelingt ihnen damit der Markteintritt, in dessen Verlauf die anderen ProdukteEinzelknolle wie Raps, Rübsen, Sorghum und Roggen angeboten werden können. Wie kleinteilig das geht, beschrieb Dr. Harting: Im Gegensatz zur Kuh ist der Fermenter der Biogasanlage nicht auf Stärke angewiesen und kann auch Cellulose verarbeiten. So wurde eine spätreife Sorte aus Deutschland Ausgangspunkt für die Kreuzungen. Mit einer italienischen und südamerikanischen Sorte wurden Kältetoleranz und Kurztagseigenschaften der Tropen eingekreuzt. Das Ergebnis: Eine spätreife Maispflanze, die während der Photosynthese ein Blatt nach dem anderen bildet, also Biomasse, und bei uns nicht blüht. Damit bildet sie keinen Kolben aus, der einen großen Teil der Energie wieder verbrauchen würde. Die hohen Erträge wurden jedoch auf sehr guten Ackerböden erzielt, wobei die Züchter durchaus auch ihre Grenzen kennen. Würde sich Wasserinsuffizienz allerdings durch gentechnische Veränderung überwinden lassen, dann käme sie auch zum Einsatz.
Zucht ist jedoch nicht alles. Dr. Wortmann sieht in Fruchtfolgen den Ertrag stabilisierende Elemente. Damit die Forschung auch in der Praxis angewandt werden kann, müssen den Landwirten ausreichend Berater zur Verfügung stehen.

Die neuen Feldfrüchte – Helianthus tuberosus L.
Topinambur ist eine alte aus Nord- und Mittelamerika stammende Nahrungspflanze, die in Deutschland als Erdapfel, Erdbirne oder Erdartischocke bekannt ist. Die Knollen werden als rohes oder Blüte Topinamburgekochtes Gemüse verzehrt oder zu Schnaps gebrannt. Für die Energieindustrie ist die Pflanze, die aus der Gattung der Sonnenblumen kommt, interessant, weil sie mehrjährig ist und bis zu fünf Meter hoch werden kann. Bis zu 20 t Trockenmasse aus dem Kraut und bis zu 13 Tonnen aus den Knollen sind möglich. Die frostharte Pflanze kann auch auf kühleren Standorten angebaut werden, erzielt jedoch an wärmeren die besten Erträge. Allerdings braucht sie Wasser. Mindestens 450 mm sollten es schon sein. Besser sind 600 mm, so dass einige Standorte in Ostdeutschland gar nicht infrage kommen.
Will man die Knollen jährlich ernten, dann muss im darauffolgenden Jahr wieder gepflanzt werden. Kraut kann mehrere Jahre hintereinander geerntet werden, bevor es dann zu licht wird. Möglich ist es, dass Kraut nur im ersten Jahr zu ernten und in den beiden Folgejahren, die Knollen nur auszudünnen.
Die Knollen bringen pro kg organische Trockensubstanz bei schneller und guter Vergärung 393 Liter Methan. Sie sind aber nach der ernte nur bis zu vier Wochen ohne Kühlung lagerfähig. Ein Problem für die Bauern: Topinambur gilt als invasive Pflanze. Sie kann aus geringsten auf dem Feld verbliebenen Ernteresten in den Folgekulturen wieder austreiben.

Der erste Teil beschrieb die Risiken und Potenziale des Energiepflanzenanbaus. Teil III

Roland Krieg; Topinambur und Fotos: FNR

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