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Thüringen verdoppelt Ausstellungsfläche

Landwirtschaft

Thüringen auf der BioFach

Mit 140 Quadratmeter Ausstellungsfläche und 14 Ausstellern ist Thüringen auf der aktuellen BioFach doppelt so präsent wie in den Vorjahren. „Thüringen steht für hervorragende Qualität bei Lebensmitteln. Das gilt erst recht für den Wachstumsmarkt der Bio-Produkte“, sagt Landwirtschaftsminister Jürgen Reinholz.
Am Thüringenstand ergänzt der Minister gegenüber Herd-und-Hof.de, dass der Biomarkt auch in schwierigen Zeiten wachse. Der Ökomarkt sei noch eine Nische, aber „eine lohnende Nische“, so Jürgen Reinholz. Agrarmarketing und Direktvermarktung komme dem Verbraucher bei seinem Wunsch, mehr auf Qualität denn auf Quantität zu setzen, entgegen. Das gelte vor allem für die starke thüringische Fleischwirtschaft.
In den letzten zehn Jahren hat sich der Ökolandbau positiv entwickelt. Gab es 1993 lediglich 63 Betriebe, so ist die Zahl heute auf 250 angestiegen.
Als vorteilhaft erweise sich die enge Bindung zwischen Forschung und Praxis. Nicht nur die Landesanstalt für Landwirtschaft gehört dazu, sondern auch die Ernährungswissenschaft an der Universität Jena.

Fast schon 20 Jahre Ökoherz
Gerold Schmidt gehört zu den Gründern des „Thüringer Ökoherz e.V.“, der verbandsübergreifende und einheitlichen Interessensvertretung. Am 13.04.1991 gründete der Verband sich in Erfurt. Vier Jahre später wurde das Verbandssiegel vom Agrarministerium anerkannt und stellte sich ein Jahr später erstmals auf der BioFach dem internationalen Publikum vor. Beim Thüringer Bauernverband wurde im Jahr 2000 ein Arbeitskreis eingerichtet. Gerold Schmidt vertritt heute die Marktgemeinschaft„Thüringer Ökoflur – Naturfrucht“, die im letzten Jahr der Initiative Deutscher Bundesverband Ökologischer Landbau beigetreten ist. Mit dem „Ökoherz Forum“ haben die Thüringer eine informative Kundenzeitschrift aufgelegt, die den Konsumenten die Hintergründe offen legt.
Für die künftige Agrarpolitik wünscht sich Gerold Schmidt eine starke zweite Säule. Aber, so warnt der Pragmatiker, das dürfe nicht auf Kosten der ersten Säule gehen. Man brauche keine Ökobetriebe, auf dem konventionellen Markt funktionieren und sich „in den Ökolandbau retten wollen“.
Einen weiteren großen Schwung in Richtung Ökolandbau erwartet Schmidt in fünf bis zehn Jahren. Dan steht der nächste Generationenwechsel in der thüringischen Landwirtschaft an. Man muss so eine Umstellung mit ganzen Herzen wollen, sagte er zu Herd-und-Hof.de. Denn gerade die Milchviehbetriebe haben es nicht so leicht. Gegenüber den Ackerbaubetrieben müssen die richtig viel investieren. Wer einen Stall mit Vollspaltenboden und keinen Auslauf hat, der muss gleich ganz neu bauen.

Klassische Produkte jetzt in Ökoqualität
Einer der unkompliziert das Thema Ökoproduktion angeht ist die Wurst- und Feinkosthersteller Reimüller aus dem Eichsfeld. Die Region gehörte einmal zum Bistum Mainz und hat sich auf traditionelle Wurstherstellung spezialisiert, erklärt Bernd Müller am Stand. „Die Schweine feiern bei uns sogar Geburtstag“, so Müller zu Herd-und-Hof.de. Erst nach 13 bis 14 Monaten kommen sie zum Schlachter, der ganz in der Nähe ist. Durch die kurzen Transportwege erleiden die Tiere keinen Stress, was für die Warmfleischverarbeitung besonders wichtig ist. Jede Störung beeinträchtigt die Wurstqualität. Warmfleisch heißt, dass die Rohwurst bei 28 bis 30° Celsius in den Naturdarm gefüllt wird und dann anschließend bis zu sechs Monate bei 14 Grad Celsius reifen kann. Reimüller verarbeitet das komplette Schwein und fügt lediglich Salz, Pfeffer und Knoblauch hinzu. Da war die Umstellung auf Bio recht leicht, so Müller. „Wir waren eigentlich schon vorher Bio! “ Zwischen dem Schlachten des Schweins und dem Einfüllen in den Naturdarm vergehen keine zwei Stunden. Die Mastbetriebe liegen alle in einem Radius von 30 Kilometer. 16 Millionen Umsatz erzielt Reimüller im Jahr – zehn Prozent der Ware wird ökologisch produziert. Werde mehr nachgefragt, könne mehr geliefert werden.

Roland Krieg (Text und Foto)

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