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"Tierische" Ansprüche im Bio-Milchmarkt

Landwirtschaft

Zwischen Verbraucheransprüchen und Praxiszwängen

Die Teilnehmer an der Milchviehtagung des Verbandes Bioland e.V., die Ende Februar in Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen in Kleve stattfand, hatten sich eine Menge vorgenommen. Von den Neuerungen der EG-Ökoverordnung über die Weidehaltungsverfahren der Bio-Milchviehhalter, Besonderheiten in der Haltungstechnik bis zum Medikamenteneinsatz im Spannungsfeld zwischen Tier- und Verbraucherschutz war die Themenvielfalt riesig. Damit neben der Theorie auch die Praxis nicht zu kurz kam, führten Exkursionen auf Bio-Betriebe in die Niederlande. Tagungsleiter Dr. Ulrich Schumacher von Bioland sah in der Veranstaltung auch "ein Signal an viele Umstellungsinteressenten", denn Bio-Milch ist zur Zeit gesucht. Und tatsächlich waren diverse konventionelle Landwirte unter den 60 Teilnehmern. Nicht zuletzt bot das Landwirtschaftszentrum Haus Riswick den idealen Rahmen für diese Veranstaltung. Immerhin wird hier bereits seit dem Jahr 2000 erfolgreich eine ökologische Milchkuhherde gehalten. So konnten die Besucher auch von den Erfahrungen und Ergebnissen der Praxisversuche dort profitieren.
Zu Beginn hatte Privatdozent Dr. Guido Haas, Bad Honnef, auf eine besonders empfindliche Stelle des Bio-Landbaus hingewiesen: das ökologische Profil und die Möglichkeit, sich weiterhin gegenüber einem konventionellen Betrieb mit positiver Bilanz abzuheben. Zwar sei der Bio-Landbau in fast allen Bereichen der Öko-Bilanzierung noch mehr oder weniger weit überlegen, der konventionelle Landbau sei aber teilweise dichter an den Öko-Landbau herangerückt. Haas wies darauf hin, dass bestimmte Grundprinzipien des Bio-Landbaus weiterhin Bestand haben müssten, um "das ökologische Profil zu schärfen". Dazu zählte er vor allem den Weidegang im Sommer, die starke Begrenzung der Zufütterung von Kraftfutter und des Futterzukaufs, die Stallhaltung auf eingestreuten Liegeflächen, langlebige Tiere und den Verzicht auf die Enthornung der Tiere. Dies seien wesentliche Merkmale des Bio-Landbaus, die der Verbraucher erwarte, wenn er sich zum Kauf von Bio-Produkten entscheide. Auch wenn die meisten Bio-Milcherzeuger vorbildlich wirtschafteten, setzten diese Anforderungen sie stark unter Druck. Berichte über die Schwierigkeiten mit behornten Kühen, der Verzicht auf Weidegang bei einzelnen Betrieben mit schwieriger Ortslage sowie Probleme mit der Tiergesundheit zeigten dies. Hier einen praktikablen Weg zwischen Bio-Prinzipien, Tierschutz und Ansprüchen des Verbrauchers zu finden bleibt eine anspruchsvolle Aufgabe.
Der Bioland-Verband versucht, mit einem neuen "Managementhandbuch Tiergesundheit" Abhilfe zu schaffen. Mit Hilfe von Prüfpunkten sollen Schwachstellen auf den Betrieben systematisch ermittelt und abgestellt werden.

Britta Klein, aid infodienst

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