Tierwohllabel für das Fernsehen

Landwirtschaft

Ein Kommentar zum staatlichen Tierwohllabel

Doppelte Presseregistrierung und Überprüfung von Kamera, Laptop und Jacket. So wünschen sich Verbraucher strenge Betriebsprüfungen auf zertifizierten Tierhaltungsbetrieben. Es ging aber nur um den Zugang innerhalb des Berliner Messegeländes zur Vorstellung des staatlichen Tierwohllabels, das Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt vor Monaten angekündigte hatte. Die beiden größten Mitbewerber am Markt, das zweistufige Label des Detschen Tierschutzbundes und die Brancheninitiative Tierwohl (ITW) buhlen seitdem um Mitwirkmöglichkeiten, weil sie Angst haben, staatlich verdrängt zu werden. Auch die Bauern fieberten dem Termin entgegen, weil sie Klarheit über neue Regeln und Entlohung des Mehraufwandes brauchen. Alle müssen weiter warten.

Vor der Show lief ein Ministeriumssprecher die drei Stationen des kleinen Rundgangs mit Mikrofon in der Hand ab und verkündete über Hallenlautsprecher den Fotografen und Fernsehanstalten, wo genau sich der Ressortchef hinstellen wird, wo der Punkt für die Fotografen ist und der beste Platz für den Kameraaufbau. Medial darf nichts schief gehen. Nach der Siegelenthüllung bekamen ausschließlich Vertreter reichweiter TV- und Radiostationen ein Nachfragerecht. So wurden Detailfragen vermieden.

Präsentation Tierwohllabel
Joachim Rukwied (DBV), Klaus Müller (vzbv), Christian Schmidt (BMEL), Thomas Schröder (DTB); v.l.

Das enthüllte helle Tierwohllabel erinnert stark an das staatliche Biosiegel, das Schmidt sich als „Erfahrungsschwester“ wünscht, weil dort bereits mehr als 75.000 Produkte gelabelt sind. Das staatliche Tierwohllabel ist aber auch zur Grünen Woche noch weit davon entfernt und wird erst „nächstes oder übernächstes Jahr“ an der Ladentheke erhältlich sein. Während das Siegel des ITW aktuell rund 85 Millionen Euro pro Jahr von der Branche selbst finanziert in die Kassen der Landwirte spült, steht beim Staats-Label lediglich der steuerfinanzierte Werbeetat von 70 Millionen Euro fest. Einen Kriterienkatalog gibt es nicht vor Ostern 2017 und außer mit dem Schweinesektor haben Gespräche mit anderen Nutztierbranchen zu keiner Einigung geführt.

Schmidt hat das Siegel zusammen mit Bauernpräsident Joachim Rukwied, Vorstand Klaus Müller von der Verbraucherzentrale und Thomas Schröder vom Tierschutzbund enthüllt. Sie bekamen kein gemeinsames „Wording“ hin. Während Müller und Schröder wie im Vorfeld angekündigt weiterhin von einem zweistufigen Label sprachen, brachte Schmidt plötzlich und offenbar nicht abgesprochen eine optionale dritte Stufe ins Gespräch. Rukwied appellierte an Schmidt, auf die Erfahrungen des ITW zu bauen, Müller plädierte für die Orientierung am zweistufigen Label des Tierschutzbundes. Nicht nur keine Kriterien, es gibt auch immer noch keine inhaltliche Ausrichtung, wie hoch die höheren Standards sein sollen.

Den Satz des Tages präsentierte Thomas Schröder: „Das Label ist wichtig für die Gesetzgebung und für den Minister.“

Kein Wort über die Bauern, wer den Mehrwert finanziert, welche Stallhaltungen für das Label geeignet sind, wann welche anderen Nutztieresektoren einbezogen werden. Seit der Ankündigung eines staatlichen Tierwohllabels steht bislang nur der Werbeetat.

Roland Krieg; Fotos: roRo

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