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Traktor mit GPS rammt Hochspannungsmast

Landwirtschaft

Netzbetreiber arbeiten an Sicherheitsmaßnahmen für autonome Traktoren

Solche Meldungen landen in der Regel auf der Seite „Panorama“: Pkw-Fahrer landet in Kanal, weil das GPS-System noch eine alte Brücke anzeigte. Doch selbst nachts müsste das Ende einer Straße durch die Windschutzscheibe zu erkennen sein. Ebenfalls ein auf den ersten Blick „amüsantes“ Ereignis geschah Ende Februar auf einem Rapsfeld in Wulfen in Sachsen-Anhalt.

GPS-Fehler

Ein großer Traktor mit Güllefass zog mit Hilfe der GPS-Steuerung seine morgendlichen Bahnen. Der Fahrer des tätigen Lohnunternehmers war mit an Bord. Dennoch rammte das schwere Fahrzeug einen der vier Standbeine des mitten auf dem freien Feld stehenden Hochspannungsmastes und scherte ihn oberhalb des Fundaments ab. Die Metallstreben verkeilten sich zwischen Antriebswelle und Querlenker. Der Trecker musste erst „geborgen“ werden.

Dem Fahrer ist nichts passiert. Er informierte den Netzbetreiber „Mitnetz Strom“, der daraufhin seinen Mast durch Anbringen von Stabilisierungsseilen in 20 Meter Höhe absicherte. Die Hochspannungsleitung blieb die ganze Zeit in Betrieb. Allerdings muss der Mast ersetzt werden. Der bereits bestellte Leitungsträger wird in vier Monaten installiert. Nach Angaben des Netzbetreibers beträgt der Schaden 100.000 Euro, die von der Kfz-Versicherung des Schleppers überweisen werden muss.

Lebensgefahr

So weit, erst einmal so gut. Der Traktorfahrer hat richtig viel Glück gehabt, denn es kann zu Überschlägen kommen, die lebensgefährlich sind. Mitnetz Strom verteilt vielseitige Informationen wie Pressemitteilungen, Flyer, Infos auf der Webseite und auf Veranstaltungen an Landwirte, Strommasten und Freileitungen bei der Feldarbeit stets im Auge zu behalten. Zwischen Traktor, Erntemaschinen sowie insbesondere ihren Anbauten und Auslegern muss der notwendige minimale Sicherheitsabstand eingehalten werden. Dieser beträgt bei einer Niederspannungsleitung 1 Meter, bei einer Mittelspannungsleitung 3 Meter und einer Hochspannungsleitung 5 Meter, teilt der Netzbetreiber Herd-und-Hof.de mit. Überschläge entstehen durch Berührungen von Freileitungen durch Traktoren. Selbst schon bei einer „unzulässigen Näherung.“

Zumindest wusste der Traktorfahrer, wer zu informieren ist. Selbst die Notrufnummer 112 hilft weiter. Dadurch wurde Schlimmeres, wie das drohende Umkippen des Mastes, vermieden.

Autonom und ohne Fahrer

Vorbeugung hilft Leben retten. Der Netzbetreiber erteilt Auskunft über die Höhe der Spannung der Leitungen und deren Schutzbereiche. Das Unternehmen steht Landwirten ebenfalls bei der Aufstellung von Sperrschranken, Schutzgerüsten oder Warnposten zur Seite.

Doch die Zukunft birgt neue Risiken. Im Zuge der Digitalisierung sollen bald kleine oder große autonome Feldfahrzeuge über die Äcker fahren. Im Idealfall können sie nachts tätig sein, ohne dass ein Beobachter dabei ist. Bis dahin ist noch Zeit. Die Realität hat die Vision noch nicht eingeholt. Und das ist gut, denn die Netzbetreiber sind noch nicht soweit. Mitnetz Strom arbeitet bezüglich des autonomen Fahrens an Lösungen zur Sicherheit der Leitungen und Masten. Dazu teilt das Unternehmen folgendes mit:

„Beispielsweise soll es über ein Geodatenportal möglich sein, Koordinatenpunkte zum Freileitungsnetz und zu Maststandorte der Mitnetz Strom abzufragen. Unabhängig davon, werden die Daten im Rahmen der Dienstbarkeitsvereinbarung dem Grundstückseigentümer/-nutzer zur Verfügung gestellt. Diese Koordinaten können dann in das Navigationsgerät eines landwirtschaftlichen Fahrzeugs (Mähdrescher, Traktor) übertragen werden. Der Fahrzeugführer erhält dann eine Warnmeldung, sobald er den Näherungsbereich einer Netzanlage erreicht. Durch Einsatz geeigneter Routingsoftware wäre es möglich, Unfälle weitestgehend zu vermeiden.“

Roland Krieg

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