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TSE-Resistenzzüchtung bei Schafen

Landwirtschaft

EFSA hält Resistenzzüchtung für wirkungsvoll

Trotz rückläufiger BSE-Erkrankungen bei deutschen Rindern wollen die Wissenschaftler die „Akte BSE“ nicht schließen. Das verkündeten vor zwei Monaten Experten auf einer Tagung in Greifswald über BSE und vergleichbarer Hirnerkrankungen. Es gebe noch viele Fragen über BSE, Creutzfeldt-Jakob beim Menschen, Scrapie bei Schafen und vergleichbaren übertragbaren Erkrankungen (TSE) sagte Prionen-Forscher Detlev Riesner.

Resistenzzüchtung bei Schafen
Im Jahr 2003 hatte die Europäische Union mit der Direktive 2003/100/EC ein Zuchtprogramm für Schafe aufgelegt, Übertragungskrankheiten auszumerzen. Dazu sollte das Allel ARR in allen wichtigen nationalen Zuchtherden ab dem 01. April 2005 vorhanden sein. Auf der anderen Seite soll das Allel VRQ eliminiert sein. Daher müssen die entsprechenden Tiere für die Zucht identifiziert und der Handel mit „ungünstigen“ Tieren verboten werden.
Die Erbfaktoren werden als Gene bezeichnet, wobei ein Allel die Zustandsform des Gens bezeichnet und die tatsächliche Ausführung des Erbfaktors bestimmt. Es hatte sich nämlich gezeigt, dass Tiere mit der Homozygotie ARR/ARR wenig oder keine Empfänglichkeit für TSE aufweisen, während erkrankte Tiere VRQ und vergleichbare Allele besaßen. Die Züchtung erschien als Mittel der Wahl, denn die Wissenschaftliche Steuerungskommission der EU stellte 1999 fest: „Es gibt starke Hinweise darauf, dass Scrapie, die einmal in einer Region eingeführt ist, dort auch verbleiben kann und das eine mütterliche oder horizontale Weitergabe des Erregers, diesen an empfängliche Schafe übermittelt.“

Atypische Scrapiefälle
Es gab aber schnell einige warnende Stimmen, die den Verdacht äußerten, dass die Resistenzzucht auf TSE die Anfälligkeit gegenüber anderer Krankheiten erhöhen würde. Zudem würde diese Selektion über einen längeren Zeitraum zur Inzucht führen. Seit 2003 gibt es mittlerweile 294 Fälle aus 13 EU-Ländern, die eine atypische Scrapie-Erkrankung belegen. So gibt es natürliche TSE-Fälle in Schafherden, die bereits ARR/ARR – Allele aufweisen. Schafe mit diesen gewünschten Merkmalen konnten auch künstlich mit BSE-Erregern infiziert werden und es gab unbestätigte TSE-Fälle in „resistenten“ Schafen in England.
Deshalb bat die EU die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA ein Gutachten über die TSE-Resistenzforschung zu verfassen, inwieweit die Ziele noch erreichbar sind.

Polymorphe Gene
Aktuell sind 26 Hauptformen des entsprechenden PrP-Gen identifiziert, welches das ARR-Allel bestimmt. Die Variationen ergeben sich aus verschiedenen Aminosäuren an verschiedenen Stellen. Diese Polymorphie zwingt die Züchter bei einer Gendurchsicht, jetzt auf viel mehr Details zu achten.
So kann ein Gen mehr als nur ein einziges Merkmale ausbilden und auf verschiedene Arten in Erscheinung treten. Genetiker bezeichnen das als Pleiotropie. So könnte die Bildung des ARR-Allels direkte negative Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit und die Körpergestalt haben. Solche Effekte sind in der Regel in einer Population äußerst hartnäckig.
Die EFSA kommt einmal zu dem Ergebnis, dass atypische Scrapiefälle auch bereits vor der Einführung des Zuchtprogramms aufgefallen sind. Die Analyse der vorhandenen Datenbasis zeige jetzt, dass es keine direkten negativen Auswirkungen des PrP-Gens auf Fruchtbarkeit und Gesundheit gebe. Nur zwei Fälle zeigten eine pleiotrope Wirkung.
Die Daten zeigen aber auch, dass ein ARR/ARR – Schaf nicht vollständig resistent gegen BSE-Erkrankungen ist. Würden aber durch das Zuchtprogramm die negative Wirkungen einer klinischen Scrapie bei Jungtieren, wie höhere Sterblichkeit oder geringere Produktionszahlen bei Milch, Wolle oder Fleisch verringert, dann hätten die Tierhalter trotzdem einen direkten ökonomischen Nutzen.

Folgerungen
Die Forscher haben mit AFRQ und AHQ weitere Genotypen identifiziert, die augenscheinlich anfälliger für atypische Scrapie machen. Daher kann und soll das aufgelegte Zuchtprogramm weiter geführt werden, wenn auch die Genuntersuchungen nun erweitert werden müssten, um möglichst viele verdächtige Allel-Kombinationen auszuschließen.

Lesestoff:
Die Studie der EFSA finden Sie unter www.efsa.europa.eu. „Opinion of the scientific Panel on Biological Hazard on „the breeding programme for TSE resisitance in sheep”, The EFSA Journal (2006), 382, 1-46

roRo

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