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Türkischer Aufwand für die EU

Landwirtschaft

Reform und Ausbildung im Ernährungsbereich notwendig

>Die niederländische Universität in Wageningen ermittelte den Reformbedarf der türkischen Ernährungsindustrie, sofern die Türkei Mitglied der EU wird.

Die Ergebnisse
Ein Beitritt der Türkei zöge große und sehr spezialisierte Programme nach sich, die türkische Ernährungsindustrie und die Landbevölkerung für den europäischen Markt fit zu machen. Das ist das Ergebnis der Untersuchung im Auftrag des niederländischen Ministeriums für Landwirtschaft, Umwelt und Ernährungssicherheit. Sie wurde von Simon Vink durchgeführt, um Informationen für den Start möglicher Beitrittsverhandlungen mit der Türkei durchzuführen.
Einige Ergebnisse, die für notwendige Programme herausgearbeitet wurden, sind:
- Ein türkischer Beitritt erfordert einige Anstrengungen, seine Institutionen auf eine effiziente Marktökonomie wie sie in der EU umgesetzt ist, anzupassen.
- Für eine wettbewerbsfähige Ernährungsindustrie muss der landwirtschaftliche Sektor umstrukturiert werden und Qualitätskontrollen müssen auf jeder einzelnen Verarbeitungsstufe höhere Priorität erhalten.
- Der Agrarsektor, der einen hohen Schutz genießt, trüge die schwersten Lasten bei einem EU-Beitritt.
- Eine ländliche Entwicklungsstrategie muss auf Ausbildung und Erweiterung der Arbeitsmöglichkeiten im nicht-landwirtschaftlichen Bereich zielen, um die Anpassungseffekte aufzufangen.
- Trotz erzielter Erfolge, die meisten tierischen Seuchen, die in er Türkei noch endemisch sind, zu bekämpfen, dauert es noch Jahre bis es für tierische Produkte einen gemeinsamen Markt ohne Grenzkontrollen geben wird.
- Gleichzeitig ist die Türkei ein interessanter Markt für europäische Handelsfirmen und Verarbeiter. Das gilt sowohl für den Export als auch für Direktinvestitionen.

Institutionelle Reform
Der Report bestätigt die Anstrengungen der Regierung, die Institutionen auf breiter Basis, Behörden und Körperschaften den europäischen Erfordernissen anzupassen. Im Agrar- und Ernährungsbereich gibt es allerdings die typischen Hindernisse zu überwinden, um Gesetzgebung und formelle Regeln aufzustellen. Beispielsweise sind Regeln über Landarbeiter und Arbeitsverträge, Wassernutzungsrechte, Landkäufe und Pacht sowie umweltrelevante Richtlinien noch sehr schwach entwickelt. Am schwächsten sei dabei die Implementierung und Kontrollmöglichkeit für komplizierte Agrarpolitiken entwickelt, wie cross compliance, als Voraussetzung für direkte Zahlungen.
Die Türkei müsste die Gemeinsame Agrarpolitik übernehmen und hat durchaus Fortschritte erzielt, Anforderungen der Weltbank bereits umzusetzen. Trotzdem liegen die Preisstufen im stark protektionistischen Agrarbereich noch deutlich höher als die Exportpreise der EU. So ist die Handelsharmonisierung zwischen der EU und der Türkei bis 2015 die bedeutendste Preissenkung kleinasiatischen Staates. Im Tierbereich wird der größte Preisverfall erwartet.
Die größte Herausforderung für die Türkei wird allerdings die Entwicklung der Infrastruktur, administrativer Stellen und Vereinbarungen sein, die Grenzen zu den dann neuen Nicht-EU-Ländern zu reglementieren. Eine strenge Kontrolle zur Einhaltung von Qualitäts-Mindeststandards im Nahrungsmittelhandel sei zwingend erforderlich. Vor allem unkontrollierte Wanderungen von Tieren seien veterinärmedizinisch bedenklich.

Statistik
Die ländliche Bevölkerung liegt vor allem in den Bereichen des durchschnittlichen Einkommens, Gesundheitsversorgung und Gesundheitsstatus sowie im Ausbildungsbereich deutlich hinter der Stadtbevölkerung zurück. Zwei von fünf Türken leben auf dem Land, jeder Dritte arbeitet in der Landwirtschaft und fast jeder fünfte Landarbeiter ist Analphabet. Die landwirtschaftliche Produktivität ist geringer als in der EU und wird bei der Anpassung große Lasten für die Menschen im ländlichen Raum mit sich bringen.
Ein Beitritt der Türkei im Jahr 2015 würde für den Bereich der Markt und Preispolitik rund 0,2 Milliarden, im Bereich der direkten Zahlungen rund 3,4 Milliarden EUR kosten. Die Entwicklung des ländlichen Raumes im Rahmen der gemeinsamen Agrarpolitik wird mit weiteren 1,6 Milliarden € veranschlagt.
Für die anderen nicht-agrarischen Bereiche werden die Strukturkosten auf 9,5 bis 16,6 Milliarden geschätzt. Simon Vink vermutet, dass rund 20 Regionen innerhalb der EU ihre Vorzugsbehandlung verlieren, sobald ein so großes Land mit einem so niedrigeren Pro-Kopf-Einkommen beitritt. Immerhin liegen die Nettozahlungen an die Türkei mit 11 bis 18 Milliarden EUR niedriger, als von der EU bisher geschätzt.
Programme zu entwickeln, die den Ausbildungsstand erhöhen und alternative Arbeitsplätze auf dem Land bieten, gehört zu den Herausforderungen, welche die Türkei in den nächsten Jahren als Vor-Beitritts-Strategien entwickeln sollte, so die Studie.

roRo

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