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Umstellung braucht gute Planung

Landwirtschaft

Wie regionale Wertschöpfungsketten entstehen

Landwirt, Verarbeiter, Handel und Kunden. Im Ökobereich ziehen alle Beteiligten am gleichen Strang. Landwirte wissen vor der Aussaat, wer die Ware abnimmt, die Mühle weiß, welche Mehle sie herstellen muss, der Handel erklärt den Kunden den Grund für höhere Preise und der beißt zu Hause zufrieden in sein Roggenbrötchen.

Was im Kleinen in der Biobranche gut funktioniert, muss organisch wachsen. Sonst wird der Abstand zwischen den Akteuren größer und Vertrauen geht verloren. In der konventionellen Landwirtschaft sind die regionalen Wertschöpfungsketten schon lange weg. Landwirte haben sich spezialisiert und liefern ihre Ware beim Landhandel ab. Was danach passiert, bleibt in der Regel anonym.

In so genannten Öko-Modellregionen sollen Marktpartner auf allen Verarbeitungsstufen für den Erhalt von regionalen Wertschöpfungsketten gestärkt werden. Niedersachsen startet 2020 gleich mit drei erstmalig eingerichteten Öko-Modellregionen. Holzminden und Goslar sind zwei. Die dritte in Uelzen war auf der BioFach mit Volker Krause von der Bohlsener Mühle prominent vertreten.

Zuvor hatte Henrik Wendorff, Öko-Beauftragter im Deutschen Bauernverband (DBV,) die neuesten Zahlen zur Umstellungswilligkeit präsentiert. 2,4 Prozent der Landwirte wollen sicher umstellen, weitere 15,4 Prozent vielleicht. Das ist der höchste Wert, den der DBV zur BioFach jemals hat vorstellen können. Dahinter verbirgt sich ein Potenzial von 25 Prozent Ökofläche an der landwirtschaftlichen Nutzfläche in Deutschland. Das Umstellungsziel der Bundesregierung von 20 Prozent bis zum Jahr 2030 rückt in greifbare Nähe.

Dabei muss sich Niedersachsen vom Öko-Schlusslicht erst einmal nach oben arbeiten. Landkreise wie Lüchow-Dannenberg haben traditionell höhere Anteile von zwölf Prozent. In Uelzen aber sind die konventionellen Betriebe lange Zeit wirtschaftlich gesund gewesen und brauchten sich nach Volker Krause nicht nach einer alternative umzusehen. Daher liegt im Landkreis der Anteil der Ökofläche bei lediglich drei Prozent. Obwohl mit der Bohlsener Mühle drei Bio-Mühlen vorhanden sind.

In den letzten drei Jahren haben sich die Bedingungen radikal geändert. Selbst in Jahren mit schlechter Witterung wie im Dürrejahr 2018 sind die Preise für das Getreide kaum gestiegen. Schlechte Ernte und schlechte Preise hinterlassen tiefe Spuren in den Bilanzen. 2019 hat sich das regional wiederholt, bei anderen verdüstern kostenaufwendige Mehrbelastungen ohne Entschädigungszahlungen die Zukunft. Der ökologische Landbau rückt als Alternative immer stärker in den Vordergrund.

In Uelzen kamen bei einem Umstellungsseminar mehr als 120 Landwirte zusammen, berichtete Carolin Grieshop. Sie ist Geschäftsführerin des Kompetenzzentrums Ökolandbau Niedersachsen (KÖN). Zwar sind nur acht Landwirte in die Umstellung eingestiegen, sie repräsentieren aber eine Fläche von mehr als 2.000 Hektar.

Seit jeher raten Berater den Weg in die Umstellung erst, wenn die Vermarktung geklärt ist. Die Biobranche achtet darauf, dass die Ernte auch auf dem Markt untergebracht werden kann. Gelingt das nicht, müssen die Landwirte ihre nach Biokriterien erzeugte Ernte zu konventionellen Preisen vermarkten. Die Öko-Modellregion will genau das verhindern. Seit drei Jahren steigen immer mehr Ackerbauern in den Ökolandbau ein. Getreide, Leguminosen, Zuckerrüben und Kartoffeln stehen beim Anbau ganz vorne.

Die Landwirte gehen den neuen Weg als Umstellungscluster. Ziel ist nicht mehr nur die Umstellung einer Feldfrucht, sondern einer ganzen Fruchtfolge. So soll der Betrieb inklusive Zwischenfrucht langfristig Gewinn erzielen können.

Landwirte können mit diesem Prinzip Erfahrungen mit neuen Kulturen, wie Dinkel, Quinoa und Körnerleguminosen sammeln, können kleine Mengen auf dem Markt unterbringen und erreichen mit einer ganzen Fruchtfolge einen größeren Umwelteffekt, erklärt Krause. Falls etwas schief geht, ist nicht gleich der ganze Betrieb gefährdet.

Die Nachfrage nach diesen Produkten ist schon sehr groß. Der Markt ist nach Krause in Bewegung. Bei Zuckerrüben hingegen ist das schwieriger. Biozucker wird meist aus Zuckerrohr gewonnen, erklärt Thilo Hahnkemeyer von der Nordzucker AG. Die Zuckerrübe wird auf dem Biomarkt das Rohr nie ersetzen können. Nordzucker lockt dennoch die Rübenbauern mit langfristigen Abnahmeverträgen von bis zu drei Jahren.

Biomolkereien sichern den Markt. Sie nehmen nicht mehr Landwirte auf, als sie Milch vermarkten können. Das geht nicht überall. Die Bohlsener Mühle federt mit einem speziellen Berechnungsmodell (gemeinsam-fair) die Preisschwankungen ab.

Krause nutzte die BioFach, um auch auf die noch vorhandenen Lücken hinzuweisen. Oft fehlen Nachabnehmer, den Landwirten Lagermöglichkeiten für Getreide zur Risikoabsicherung und weitergehende dezentrale Strukturen, wie regionale Bäcker, Logistiker, in der Tierhaltung dezentrale Schlachtmöglichkeiten.

Die Landwirtschaft alleine kann das nicht umsetzen. Nach Carolin Grieshorn fehlt es an Kompetenzen und Ideen in den Ressorts für Finanzen und Wirtschaft.

Roland Krieg

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