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Unter Flößen gefangen

Landwirtschaft

Bilden Fischsammelgeräte ökologische Fallen?

>Ein Team des französischen Forschungsinstituts für Entwicklung (IRD) hat untersucht, ob Fischsammelgeräte (auf Englisch: Fish Aggregation Devices – FAD) ökologische Fallen für tropische Thunfischarten darstellen. Sie finden in der Praxis immer häufiger Verwendung. Das können neben Flößen auch Bojen oder Netze sein.

Ökologische Fallen
Biologen sprechen von „Ökologischen Fallen“, wenn ein Ort oder ein Lebensraum Tiere oder Pflanzen mit guten, auch von Menschen künstlich geschaffenen, Lebensbedingungen anlockt, die sich jedoch als ungeeignet für die Futtersuche oder Fortpflanzung herausstellen. Auf die Dauer stirbt die Art dann aus.
In den vergangenen zehn Jahren wurden mit mehr als 1,1 Millionen Tonnen über 30% der weltweiten Thunfischfänge mit Hilfe von Fischsammelgeräten durchgeführt. Die Methode beruht auf der Vorliebe der Fische, sich unter treibenden Objekten zu versammeln. Die Fischer setzen Flöße ein, um die schließlich Fangnetze ausgebreitet werden.

Leere Mägen unter dem Floss
Zur Prüfung, ob die FAD tatsächlich ökologische Fallen sind, haben Forscher des IRD verschiedene Parameter bei den Thunfischarten Katsuwonus pelamis und Thunnus albacares gesammelt. Die ökologischen Parameter Brustkorbumfang, Wachstumsrate und Mageninhalt wurden zusammen mit den ökologischen Parametern Richtung und Länge der Wanderung mit ihren Artgenossen in freitreibenden Schwärmen verglichen. Die Vergleiche fanden im Atlantik und Indischen Ozean statt.
Die Studie konnte zeigen, dass 74% (bzw. 49%) der unter FAD gefangenen Bonitos (bzw. Großaugen-Thunfisch) einen leeren Magen hatten, was auf nur 13% (bzw. 7%) der Vergleichsfische zutraf. Also konnten sich die Fische unter dem Fischsammelgerät nicht so gut ernähren wie ihre freitreibenden Artgenossen. Zudem waren die Fische unter en Flößen dünner. Das IRD schließt daraus, dass unter dem Floß die Bildung von Energievorräten bei den Thunfischen behindert ist. Die japanische Fischindustrie hat das schon länger bemängelt.

Bereits 1977 hat das Southwest Fisheries Center in Honolulu auf Hawaii die ersten FAD vor Oahu, Lanai und West Hawaii aufgebaut und von dort regelmäßig bis zu 15 Tonnen Thunfisch gefangen. Die erfolgreichen Fangquoten haben die Abteilung für Land & natürliche Ressourcen ermutigt, mit den FAD die niedergehende Fischindustrie einschließlich der Sportfischerei wieder zu beleben. 1980 hat die Abteilung für Aquatische Ressourcen insgesamt 26 FAD rund um die Hawaii-Inseln installiert. Sie befinden sich in 2,4 bis 25 Meilen Entfernung vom Ufer und sind in einer Tiefe bis zu 700 Meter Tiefe angebracht. Seit 1996 hat die Universität von Hawaii die Forschung über FAD übernommen. Demnach zeigt sich, dass junge Fische nur tagsüber am Treibgut verweilen und sich nachts bis zu fünf Seemeilen von dem Objekt entfernen.
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Beliebter Sammelpunkt
Im Vergleich zum Wanderungsverhalten wurde anhand von Markierungen festgestellt, dass die FAD Auswirkungen auf die Wanderungswege der Fische ausüben. Richtung als auch die am Tag zurückgelegte Strecke werden beeinflusst. Die Flöße wirken auf die Tiere wie Magneten, locken sie in eine Falle, weil sie die Tiere in Gebiete treiben, wo es wenig Nahrung gibt.
Trotz der zahlreichen Anzeichen lässt sich aus dieser Forschungsarbeit jedoch nicht mit Sicherheit schließen, dass schwimmende FAD einen negativen Einfluss auf den gesamten Lebenszyklus der tropischen Thunfischarten haben, und dass sie ökologische Fallen darstellen. Aufgrund der beobachteten biologischen Effekte scheint es jedoch vernünftig, von der Nutzung solcher Fischsammelgeräte in Küstennähe abzuraten. Vor allem, weil die Geräte in den Gebieten zum Einsatz kommen, in denen sich die jungen Fische für die nächste Generation aufhalten.

Lesestoff:
www.ird.fr/fr/actualites/fiches/2008/fas291.pdf
www.hawaii.edu

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