Menü

US-Senat bestätigt Sonny Perdue

Landwirtschaft

USDA wieder mit Minister besetzt

Sonny Perdue
Sonny Perdue mit seiner Ehefrau Mary beim Amtseid gegenüber Richter Clarence Thomas

Er kam nahezu auf die letzte Minute. Sonny Perdue schien vom designierten US-Präsidenten kurz vor seiner Vereidigung vergessen worden zu sein. Viel mehr das Amt des amerikanischen Landwirtschaftsministers, für das gerade noch rechtzeitig Sonny Perdue nominiert wurde. Bis am Montag war das USDA verwaist, weil Perdue noch nicht bestätigt wurde. Jetzt aber steht Sonny Perdue dem einflussreichen Ministerium auch wirklich vor. Den neuen Agrarminister empfängt gleich eine neue USDA-Internetseite. Der erste ausländische Gast wird EU-Agrarkommissar Phil Hogan sein, der vom 27. bis zum 28. April zu Gesprächen in die USA reist.

Wer ist Perdue?

Die amerikanischen Landwirte sind derzeit mit der Aussaat und dem Wetter beschäftigt und werten die späte Nominierung und späte Bestätigung von Perdue als Geringschätzung des Agrarsektors durch die Trump-Administration. Perdue wird gleich ins kalte Wasser geworfen, denn er muss sich mit einer geplanten Ausgabenkürzung von 21 Prozent herumschlagen, die Trump in seinem Staatsbudget vorgesehen hat.

Dabei muss er belegen, wie weit seine Herkunft als Veterinär aus der familienbäuerlichen Landwirtschaft noch hält, während seine Kritiker ihm große Nähe zur Agrarindustrie vorwerfen. Erwartungen, dass Perdue in der amerikanischen Politik eigene Duftmarken setzen kann, werden von den Landwirten als „gleich Null“ eingeschätzt.

Was sind seine Aufgaben?

Dabei steht der Landwirtschaftssektor vor horrenden Herausforderungen. Die Farmeinkommen sinken und der Export ist lebenswichtig für die gesamte Industrie. Mexiko ist einer der größten Kunden. Trumps Handels- und Mexikopolitik gefährdet allerdings den Lebenszweig der kleinen und großen Agrarfirmen. Erzeuger sind auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen. Perdue steht als Agrarminister mit der exportorientierten US-Landwirtschaft gleich als erster im Kreuzfeuer, sobald ein anderes Land Sanktionen gegen US-Agrarprodukte verhängt. Er bekäme als erster die Auswirkungen seines Präsidenten zu spüren.

So hat am Montag Trump Strafzölle gegen kanadisches Bauholz in Höhe von 24 Prozent angekündigt. Kanada verkauft jährlich Holz in die USA im Wert von 5,8 Milliarden US-Dollar. Der Holzstreit geht tatsächlich auf die 1800er Jahre zurück und die laufende Auseinandersetzung auf das Jahr 1980. Schon unter der Obama-Präsidentschaft wurde eine neue Begutachtung angestoßen, nachdem George W. Bush einen Holzfrieden aushandelte.

Der aus Georgia stammende Perdue wurde mit 87 zu 11 Senatsstimmen unter Beteiligung demokratischer Stimmen bestätigt. Wichtig ist, dass der 70-jährige weder etwas mit dem amerikanischen Lebensmittelhersteller Perdue noch mit dem Geflügelproduzenten Perdue Farms etwas zu tun hat.

Dennoch kann Perdue sich in die Geschichtsbücher schreiben, denn im nächsten Jahr läuft die Farm Bill aus. Das ist in etwa das Gegenstück zur Gemeinsamen Agrarpolitik der EU (GAP). Die Farm Bill muss 2018 verlängert und geändert werden. Im Wesentlichen geht es um die Fortschreibung der Farmsubventionen und deren Höhe.

Kann Perdue sich durchsetzen?

Politikgefährten sehen in Perdue den richtigen Kopf. Der Farmer Matt Coley ist nach Jahren im politischen Capitol wieder auf seinen Betrieb in Georgia zurückgekehrt und berichtet gegenüber dem Albany Herald, dass Perdue die täglichen Sorgen der Farmer genau kenne. Als Governor habe er auf seinen Reisen durch die Welt Georgia und seine Landwirtschaftprodukte „zu verkaufen gewusst“, ergänzt Handelskammerpräsident Chris Clark. Allerdings bleibe offen, wie ein Praktiker aus dem „rural america“ im Weißen Haus gegen die Dominanz der Städter bestehen kann. Wenn es ums Geld gehe, steige Perdue in einen hart umkämpften Ring.

Skeptiker fürchten, dass Perdue Trump dem Abbau von Umweltprogrammen folgen wird und die Landwirtschaft ihnen gegenüber bevorzugen werde. Neill Herring ist Vorsitzender des Sierra Clubs in Georgia. Das ist die 1892 gegründete größte und älteste Umweltschutzorganisation der USA. Herring befürchtet Kürzungen selbst bei den Nahrungsmittelhilfen.

US-intern ist Perdue seit langem mal wieder ein Landwirtschaftsminister aus dem Süden. Hauptprodukte wie die Pekannuss und Reis würden bei Agrarprogrammen gegenüber Getreide und Sojabohnen aus dem Corn Belt benachteiligt. Daher verbindet die Agrarindustrie aus dem Süden mit Sonny Perdue eine stärkere Berücksichtigung ihrer Produkte.

Sonstiges

Ein Zitat aus Perdues Anhörung vor dem Senat: „Lebensmittel sind ein edles Handelsgut!“

Im Kabinett Trumps fehlen jetzt noch die Bestätigungen für den Arbeitsminister Alexander Acosta und den Handelsrepräsentanten Robert Lighthizer.

Roland Krieg; Foto: USDA

Zurück