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Versicherung gegen Dürre und Hurrikan

Landwirtschaft

Startschuss für Klimarisikoversicherungs-Fonds

„In den letzten Wochen sprach das Thema für sich“, sagte Dr. Joachim Nagel, Generalbevollmächtigter der KfW am Mittwoch in Berlin. Hurrikane zogen wie auf einer Perlenschnur über die Karibik bis in die USA. Durch wiederholte Dürren in Ostafrika rutschen ganze Gesellschaften in die Armut. Die Folgekosten von Wetterextremen bis 2050 werden auf 30 Billionen US-Dollar geschätzt. Warum sollen sich Kleinbauern in der Welt nicht ähnlich wie Landwirte in Deutschland beispielsweise gegen Hagel versichern?

Seit dem G7-Gipfel in Elmau ist das Thema Klimarisikoversicherung auf die politische Agenda gerückt. Die Weltgemeinschaft will bis 2020 rund 400 Millionen Menschen Zugang zu Versicherungslösungen bieten, um sie aus der Armut zu holen.

Das Thema ist schon weit gediehen. Zuletzt hat die Weltbank auf dem Petersburger Dialog 2017 in einer Studie die Klimarisikoversicherung als weiteren Baustein zur traditionellen Entwicklungshilfe herausgearbeitet. Dabei geht es weniger um einen Einzelvertrag der Landwirte, als mehr um regionale Lösungen. Davon gibt es weltweit bereits mehrere, wie die Africa Risk Capacity (ARC) oder der Caribbean Catastrophy Risk Insurance Facility (CCRIF) [1].

Der ARC hat beispielsweise seit seiner Gründung 2014 mehr als 34 Millionen US-Dollar Dürreausgleich für Mauretanien, Niger, dem Senegal und Malawi ausgegeben. Der ARC bietet in seiner vor allem westafrikanischen Region Index-Versicherungen gegen Dürre an. Die Regierungen zahlen die Prämien in einen Risikofonds ein. Die teilnehmenden Regerungen müssen die Auszahlungen im Versicherungsfall geregelt haben und über ein Frühwarnsystem verfügen. Die Hilfe kommt schneller als Katastrophengelder an die Bedürftigen. Der ARC arbeitet Erweiterungen für Überflutungen und Hurrikane aus.

Die Versicherungslösung wird in dem Maße interessanter, in der Humanitäre Hilfe durch die Weltgemeinschaft weniger wird. Sie ist aber auch ein Baustein im Trend der Hilfe und Entwicklung durch den Privatsektor.

Aus diesem Grund haben die KfW und das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) am Mittwoch den Startschuss für einen neuen Fonds gegeben. Der „InsuResilience Solutions Funds“ bekommt eine öffentliche Ausstattung von 15 Millionen Euro, die von privaten Versicheren verdoppelt wird. Für Dr. Nagel ist das ein Weg der Produktpartnerschaft. Die Versicherungswirtschaft solle sich in der Entwicklungshilfe stärker engagieren.

Für Staatsekretär Thomas Silberhorn aus dem BMZ soll der Fonds „ein Fenster für das Modell der Klimarisikoversicherung in der Breite sein“. Privatwirtschaft, Wissenschaft und Entwicklungsländer können passgenaue Finanzierungslösungen erarbeiten.

Vor Ort bestehe aber hoher Erklärungsbedarf, ergänzte Silberhorn gegenüber Herd-und-Hof.de. Solche finanztechnischen Lösungen sind  neu. Die positiven Beispiele der schnellen Auszahlung aber seien vorbildhaft und leisteten Aufklärungshilfe. Dr. Nagel schließlich verweist auf die jahrzehntelange Erfahrung der privaten Versicherer in einem komplexen System. Derzeit liegt der Anteil von Versicherer bei den Fonds bei weniger als fünf Prozent.

Die Zurückhaltung ergibt sich aus der Versicherungsmathematik. Die Höhe des Schadens im Vergleich zu seiner Eintrittswahrscheinlichkeit ergibt die Höhe der Versicherungsprämie. Alleine die hohen Schadenssummen sind gewaltig. Und da Extremwetter häufiger und anhaltender auftritt sind „realistische Prämien“ für Kleinbauern unerschwinglich. Im Vorfeld darf nach Silberhorn die gute nachhaltige Praxis in der Landwirtschaft nicht vernachlässigt werden.

Lesestoff:

[1] https://www.insuresilience.org/

Roland Krieg

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