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Vom Landfunk zur Sendepause?

Landwirtschaft

Medienthema Landwirtschaft

Pardon, so viel Eitelkeit muss sein: Der Anfang der „Wertschöpfungskette Essen und Trinken“ ist die landwirtschaftliche Produktion. Die Bereitstellung von Rohstoffen für Handel und die Küche. Für die guten und für die schlechten Nachrichten. Also ist Landwirtschaft ein Verbraucherthema.
Am Vorabend zur diesjährigen Hauptversammlung Verbandes Deutscher Agrarjournalisten (VDAJ) in Bonn waren Medienvertreter von Rundfunk, Fernsehen und Zeitung geladen, um die Frage zu diskutieren, ob „Landwirtschaft – ein Medienthema?“ sei. Die Antwort vorne weg: Na, klar.

Der Aufmerksamkeitswert zählt
Die meisten Agrarjournalisten schreiben für den landwirtschaftlichen Berufsstand in der ausgewiesenen Fachpresse. Sortenvergleiche und Düngemitteluntersuchungen sind jedoch nur wenig spektakuläre Themen für städtische Verbraucher. So waren Medienvertreter geladen, die außerhalb der Fachpresse über Landwirtschaft berichten.
Günter Hetzke vom Deutschlandfunk blickte zurück und berichtete, dass es nach dem Landfunk bald eine Sendepause für bäuerliche Nachrichten im Rundfunk gegeben hatte. In den letzten Jahren allerdings boomt das Thema wieder. Es findet sich aber nicht mehr in einer eigenständigen Rubrik wieder, sondern wird anderen Ressorts zugeordnet. Chefredakteur des Bonner General-Anzeigers, Joachim Westhoff, hatte vorher im Archiv seiner Tageszeitung gestöbert. Die Berichte über Landwirtschaft sind dichter, häufiger und vielfältiger geworden. Am Freitag stand der Beginn der Weinlese im Ahrtal auf der ersten Seite, weitere Nachrichten fanden sich im Wirtschafts- und Regionalteil wieder.
So hat zwar auch der Deutschlandfunk seine tägliche Radiosendung ausgeweitet, übertitelt sie aber mit Umwelt und Verbraucher. Hetzke: Der Fleischskandal gehört in die Politik, die Maschinentechnik in den Wirtschaftsteil und Berichte über Ferkelkrankheiten finden keinen Anklang mehr. Auch Westhoff hat die Großhandelspreise mittlerweile wieder aus der Tageszeitung entfernt: „Berichtet wird, was die Mehrheit der Leser interessiert.“
Versendet der Bauernverband die Nachricht, dass es den Bauern gut gehe und kommt gleichzeitig die Meldung über Pestizide in Paprika herein, entscheiden sich die Redaktionen für die Nachricht mit dem höheren Aufmerksamkeitswert. Die Mehrheit der Menschen rühre sich auch nur, wenn es Ärger gibt, hieß es am Freitag. Wenn man aber die lebhaften Preisdiskussionen in diesem Sommer verfolgt, dann hat das Einordnen der Preiserhöhung keinen Aufmerksamkeitswert mehr?

Starker Wettbewerb
Für Ingo Hülsmann, Redaktionsleiter der „Aktuellen Stunde“ im WDR ist Landwirtschaft ein Dauerthema. Im Vorabendprogramm muss er allerdings die Themen so interessant gestalten, dass die Zuschauer nicht umschalten. Über das Wetter ließen sich landwirtschaftliche Themen am besten verbreiten.
Der Wettbewerbsdruck ist groß. Wenn um 12:00 Uhr etwas im Internet steht, kann das Radio schnell reagieren, das Thema findet bewegte Bilder in den Abendnachrichten und die Tageszeitung will am nächsten Tag das Thema auch noch einmal aufbereiten. Bei dieser Hektik sind spezielle Fähigkeiten gefragt. Auf Kosten der Recherche, denn alle Medien haben ihre Fachredaktionen abgebaut.
Bernhard Rüb, Pressesprecher der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, konnte davon ein anekdotenreiches Lied singen: Journalisten auf der Suche nach dem Gerstenbrötchen, wollen im September Live-Bilder von der Getreideernte oder sind im Frühjahr auf den Spuren eines Maislabyrinths.
Die Journalisten haben keine Zeit mehr in langen Pressekonferenzen zu sitzen. Wenn der freie Kollege für eine Betriebsbesichtigung vier Stunden unterwegs ist und für seinen in der Schlussredaktion auf zehn Zeilen gekürzten Text nur noch 40 Euro erhielte, dann „lohne“ sich das Recherchieren nicht mehr, beklagte Rüb. Viele Journalisten brauchen Fotos und bewegte Bilder – und zwar sofort. Zeit für Hintergrundrecherche bleibt kaum.
Allerdings wollte Joachim Westhoff diese Kritik nicht nur für sein Blatt nicht gelten lassen: „Die Journalisten sind keine naiven Tröpfe.“

Sender und Empfänger
Landwirtschaft ist ein Medienthema und findet in vielfältigen Formen statt. Auch wenn es für Agrarjournalisten heute vielleicht nicht mehr so homogen wie einst beim Landfunk aufbereitet ist, so „senden“ viele Medien in pluralistischer Weise auf verschiedenen Frequenzen. Beim „Empfänger“, dem Verbraucher, bleiben nachhaltig oftmals nur die schlechten Nachrichten hängen. Und aus dem Puzzle muss er sich dann doch sein eigenes Bild zusammensetzen – so vollständig, wie er es haben möchte.

Roland Krieg

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