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Vom Pellet bis zum Holzstamm

Landwirtschaft

Eine Menge Holz auf der IGW

So viel Aufmerksamkeit hat der deutsche Wald seit den Märchentagen kaum erfahren. Die BerlinEnergy in Halle 4.2 mit der Sonderschau „Multitalent Holz“, zeigt die Vielfalt des natürlichen Bau- und Heizelementes. Es gibt nach Postleitzahlen geordnete Faltblätter, von wem Verbraucher Holz beziehen können (www.werliefertholz.de) bis zum großen Baumstamm, der von Künstlern und Handwerkern bearbeitet wird. Es gibt kleine atmungsaktive Aufbewahrungsbehälter aus Birkenrinde für Lebensmittel, teure Designtische und Sofas und das Landeforstamt Brandenburg stellt den Naturraum Wald als Erlebnisraum vor: Seit 1995 gehört die Waldpädagogik zur Dienstaufgabe der Förster. Rund 230 spezielle Einrichtungen bieten das ganze Jahr über Veranstaltungen: Alle Termine der Waldwerkstätten, Waldtheater oder Waldlehrgärten finden Sie unter www.waldpaedagogik.info.

Waldüberwachung per Kamera
Unglücklicherweise gehört Brandenburg zu den am meisten durch Waldbrand gefährdetsten Bundesländern. Für Christian Naffin, Pressesprecher des Landeforstamtes Brandenburg sieht darin aber keine Gefahr für die Trumpfkarte Holz. Mit rechnergesteuerten Kameras bemerken die Förster bereits Qualmwolken, bevor der Brand entstanden ist. Trotz der Hitze des letzten Jahres, gab es keine großen Brände in der Mark. „Zumal“, so Naffin, „die meisten Brände durch Menschen verursacht werden.“
Gefährdet sind vor allem die sandigen Kieferstandorte, dem Brotbaum Brandenburgs und Baum des Jahres 2007. Das Land ist jedoch dabei, die Kiefernwälder umzubauen. Bis 2045 sollen Laubbäume, die unter anderem nicht so waldbrandgefährdet sind, wieder einen Anteil von 17 Prozent am Wald haben. Ein Viertel der Fläche würde natürlicherweise die Trauben-Eiche besiedeln, wird aber nur auf fünf Prozent der Fläche angetroffen. Daher ist ihr ein besonderes Anbauprogramm gewidmet.

Energieholzflächen verpachten
Vor 100 Jahren haben die Bauern aus Knicks und Hecken ihr Energieholz bereits gewonnen. Neu ist die aktuelle Entwicklung also nicht. Zur Zeit ist es mitunter so, dass Bauern Fläche haben, jedoch nicht nutzen. Möglicherweise ist der Arbeitsaufwand zu hoch oder es fehlt komplett die Zeit. Die P&P Dienstleistungs GmbH bietet auf der Grünen Woche erstmals das Aufforsten, oder besser gesagt, die Bestockung mit schnellwachsenden Hölzern für andere an. Dr. Andreas Winkelmann, zuständig für das CO2-Management, sieht Vorteile für die Bauern, die ihre Flächen angesichts des Booms an erneuerbaren Energien für diesen Mehrwert nutzen wollen. P&P pachtet die Fläche und übernimmt die Vermarktung, was möglicherweise bei großen Flächen nicht so einfach ist. Die komplette Aufforstung wird von der Gruppe übernommen.
Die Kulturlandschaft wird sich ändern. Man könne, so P&P, „Flächen auch hübsch und abwechslungsreich gestalten.“ Zwei Vorteile hätten die Bauern: Die Bodenverbessernden Maßnahmen, vor allem bei der Wasserversorgung bleibt ihm nach Ablauf der Pacht erhalten und der Status der landwirtschaftlichen Fläche bei der Prämienregelung.
Wie sich das Modell durchsetzen wird, zeigt die Zukunft, die offensichtlich mit den neuen Kulturlandschaften auch neue Dienstleistungsprojekte hervorbringt. Dr. Winkelmann ist jedoch mit der Resonanz auf der Grünen Woche bisher zufrieden, sagte er Herd-und-Hof.de.

Tipps händeringend gesucht
Zu Jahresbeginn hatte die Schornsteinfegerinnung Tipps für die richtige Holzheizung herausgebracht. Die Nachfrage nach Holzöfen steigt, aber alles gleich richtig zu machen, kommt nicht von alleine. Das macht sich der neue Verein Eberswalder Informations-Centrum Holz-Energie (E.I.C.H.E.) zu nutze. Projektleiter Jens Lemme plant, ein Informationszentrum für Verbraucher, Installateure und Anlagenbauer in Eberswalde. Er sieht einen großen Aufklärungsbedarf und will für Verbraucher den Überblick behalten. Was ist für meine Wohnung am besten: Stückholz, Holzhackschnitzel oder Pellets?

Königinnentreffen
In der "Energiehalle" stellt das Land Brandenburg auf insgesamt 250 Quadratmeter Fläche alles über die zukünftigen Energieformen vor. So arbeiten zur Zeit in Brandenburg 45 Biogasanlagen mit einer Leistung von 23 Megawatt. Über 100 weitere Anlagen sind in Bau oder Planung. Grund genug in diesem Jahr eine Energiepflanzenkönigin zu wählen, die sich heute Nachmittag in der Halle vorstellt und gleich als nachbarschaftlichen Partner die Thüringer Strohkönigin begrüßen konnte. Die Brandenburger Majestät Veronika Baumann ist besonders für diese Aufgabe geeignet, weil sie seit 37 Jahren in diesem Bereich arbeitet und aktuell im Umweltministerium für die Genehmigungen der Biogasanlagen zuständig ist. Zudem hat sie zu Hause einen großen Öko-Garten.
Staatssekretär Dietmar Schulze aus dem Brandenburger Agrarministerium betonte, dass sein Bundesland schon seit Jahren erneuerbare Energien als wichtiges Thema ansieht. Das sei nicht nur aus umweltbedingten Gründen so, sondern auch ein wirtschaftliches Thema.
Tanja Kenkmann ist Leiterin der Energie Technologie Initiative (ETI) und konnte bei dieser Gelegenheit die 3. Auflage des“ Leitfaden für Landwirte und Investoren im Land Brandenburg“ vorstellen. Darin geht es nicht nur um die Zielstellung des Bundeslandes, sondern um die verschiedenen möglichen Energiepflanzen, die technische Nutzung von Biogas, den Eigenschaften der Gärreste und die Förderung von Biogasanlagen. Selbst die neueste Forschung aus Potsdam Barnim, die Feststofffermentation, ist mit berücksichtigt.
Die Broschüre soll sogar so gut und allgemeinverständlich sein, dass andere Projekte immer wieder in Brandenburg nachfragen, ein Probeexemplar zu bekommen, sagte Tanja Kenkmann. Die Broschüre ist eine Zusammenfassung aus wissenschaftlichen Erkenntnissen und praktischen Anwendungstipps.
Herausgeber der Broschüre ist das Landwirtschaftsministerium in Potsdam: www.mluv.brandenburg.de
Die Böden in der Mark sind aber relativ arm und mit geringen Bodenpunkten versehen. Zudem sind die Niederschläge wenig reichlich vorhanden. Herd-und-Hof.de wollte wissen, inwieweit diese Rahmenbedingungen, die Ertragchancen für erneuerbare Energien mindern. Für Tanja Kenkmann ist das nicht von großer Bedeutung, da es überwiegend auf die Auswahl an geeigneten Früchten ankommt. Für die Brandenburger Verhältnisse eignet sich natürlich der Roggen. Aber auch Zuckerhirse und Sudangras könnten in Frage kommen. Da laufen zur Zeit noch verschiedene Projekte, dass herauszufinden.

roRo

[Sie können sich alle Artikel über die diesjährige Grüne Woche mit dem Suchbegriff „IGW-07“ im Archiv anzeigen lassen]

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