Vom Rieselfeld zum Naturrefugium
Landwirtschaft
Halboffene beweidete Standorte auf dem Barnim
Barnim. Nordöstlich grenzt der Landkreis direkt an Berlin. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts waren die nährstoffarmen, sandigen Böden hauptsächlich von Wald- und in den feuchteren Niederungsbereichen auch von Wiesennutzung geprägt. Das war auch die Zeit, als Berlin viele Menschen anzog. So stieg 1910 Karl Siebrecht am Anhalter Bahnhof aus und trifft später Rieke Busch. So will es Hans Fallada in seinem Roman „Ein Mann will nach oben". In dieser Zeit waren die hygienischen Bedingungen prekär und die städtischen Abwässer wurden auf so genannten Rieselfeldern versickert.
Nährstoffe über die Rieselfelder
Das Dorf Hobrechtsfelde auf dem Barnim verdankt seine Existenz den städtischen Rieselfeldern und steht heute unter Denkmalschutz. Die Verrieselung hat dem Boden Nährstoffe zugeführt und die Felder wurden intensiv landwirtschaftlich genutzt.
In den 1960er Jahren wurde die Rieselnutzung geändert, weil die Kapazitäten nicht mehr ausreichten und durch vermehrten Zufluss industrieller Abwässer nahm die Konzentration der Schadstoffe zu. Eine landwirtschaftliche Nutzung war auf Grund der Überstauung nicht mehr möglich und vor allem die Cadmiumbelastung ist noch heute zu spüren.
Das Klärwerk im benachbarten Schönerlinde stoppte die Berieselung, die Becken wurden eingeebnet, die Dämme nivelliert. Zur 750-Jahr-Feier Berlins wurden 1.300 Hektar Wald mit mehr als 50 Baumarten aufgeforstet. Doch nur die unerwünschten Hybridpappeln und der Eschenblättrige Ahorn erwiesen sich als tauglich für die Region. Das Ende der Verrieselung brachte den Feldern Hobrechtsfelde Trockenheit und eine stark gestörte Bodenstruktur, was mehrere Aufforstungsversuche fehl schlagen ließ. Seit 2006 werden im Rahmen eines EU-Umweltprogramms gereinigte Abwässer in das Gebiet eingeleitet.
Fördergeld für neues Projekt
Heute bekommt der Naturpark Barnim einen Fördermittelbescheid in Höhe von 150.000 Euro aus Bundesmitteln, um auf mehr als tausend Hektar Verfahren und Maßnahmen zur Entwicklung dieser Ausnahmelandschaft zu erproben. Als Ziel gibt das Agrarministerium in Potsdam die Stärkung der Biodiversität durch die Schaffung nachhaltiger halboffener beweideter Waldstandorte an. Damit soll ein stadtnaher Erholungsraum mit dynamischen Landschafts- und Waldbildern entstehen. Die Beweidung der Flächen soll unter wirtschaftlichen Aspekten als Baustein für die Entwicklung des Sonderstandortes Wald untersucht werden.
Dabei geht es vor allem um die Reduzierung des Wasserabflusses zur Verbesserung des Landeswasserhaushaltes. So sollen die Sohle des Lietzengrabens angehoben und Moorstandorte renaturiert werden. Eingearbeiteter Mergel auf Teilflächen soll die Schadstoffe binden.
Eine der Aufgaben wird es sein, die komplexe Zielsetzung des Beweidungskonzeptes mit seinen ökologischen, erholungswirksamen und wirtschaftlichen Entwicklungsperspektiven zu vermitteln. Das Projekt startet heute morgen mit der Übergabe des Förderbescheids.
roRo