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Vorbereitung für den Seuchenfall

Landwirtschaft

Mehr Maßnahmen im Seuchenfall ASP

Am Freitag wurde der Koalitionsantrag zur Änderung des Tiergesundheitsgesetzes und Bundesjagdgesetzes wegen der Afrikanischen Schweinepest (ASP) vom Bundestag in den Agrarausschuss überwiesen. „Es besteht die Gefahr einer Einschleppung“, stellt der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundeslandwirtschaftsministerium Hans-Joachim Fuchtel klar. Obwohl in den letzen Jahren jeweils 600.000 Wildschweine erlegt wurden, ist die Populationsdichte in Deutschland noch immer sehr hoch. Lokal breitet das Wildschwein die auch für Hausschweine tödliche, aber für Menschen ungefährliche, Viruserkrankung aus. Über weitere Strecken wird es durch unbelebte Vektoren, wie Wurstbrote und Transportfahrzeuge verbracht.

Im Seuchenfall soll das Befallsgebiet abgesperrt werden, Fahrzeuge und Personen dürfen nicht mehr hinein, Die Ernte muss auf den Feldern bleiben, damit die Wildschweine in der Region bleiben und die Fallwildsuche soll intensiviert werden. Im Bundesjagdgesetz sollen die Brut- und Setzzeiten im Seuchenfall außer Kraft gesetzt werden können.

Vergleichbare Maßnahmen haben in Tschechien den Seuchenfall schnell eingegrenzt. Die Tschechen haben „einen verdammt guten Job“ gemacht, lobte Katrin Budde von der SPD und ist optimistisch, dass das auch den Deutschen gelingt. Budde schlägt ob der restriktiven Maßnahmen eine Kofinanzierung der Entschädigungen durch den Bund vor, die im Eigentlichen Ländersache sind.

Der FDP geht der Gesetzentwurf zu weit, weil die „Anforderungsbefugnis zur stärkeren Bejagung “ des Bundes nicht dem guten Verhältnis zwischen Staat und Jäger entspreche. Friedrich Ostendorff von Bündnis 90/Die Grünen bezweifelt, ob die Jagdorganisationen für den Gesetzesentwurf ausreichend eingebunden wurden. Offen seien die Fragen, wer die weitreichenden Befugnisse festlegt, wer außer den Jägern noch zur Jagd aufgerufen sei und ob es nicht zu unterschiedlichen Umsetzungen zwischen den Landkreisen komme.

Sowohl Ostendorff als auch Amira Mohammed Ali (Die Linke) sehen in der Krankheit eine Folge der „internationalen Handelsströme“ und „industriellen Agrarproduktion“. Der zuletzt in Ostpolen betroffene Betrieb habe ein hohes Maß an Biosicherheit gehabt. Doch sind es meist die Hinterhofhaltungen, die zuerst vom Virus eingeholt werden. Darauf hat Hermann Färber von der CDU hingewiesen: „Welche Haltung ist hochrisikoreich?“. Er weiß aber auch: „Wir haben bisher Glück gehabt, weil die ASP in Deutschland noch nicht aufgetreten ist.“

Für Ostendorff sind die Gesetzesänderungen zur sehr auf das Wildschwein fokussiert. Auch die reichhaltige Speisekarte in der Landwirtschaft müsse für die Prävention gegen die ASP beachtet werden. Zudem gibt es Irritationen über die Wildschweinjagd. Die AfD-Abgeordnete Verena Hartmann kritisierte, dass für die Ansitzjagd durchschnittlich acht Ansitze mit jeweils fünf Stunden Zeitaufwand für ein einzelnes Wildschwein notwendig sind. Der Koalitionsantrag selbst gibt diese Zahl aus dem Modellvorhaben „Schwarzwildbewirtschaftung in der Agrarlandschaft – Probleme und Maßnahmen“ vor. Die FDP bezweifelte diese Angaben mit einer Zwischenfrage während der eigenen Parteirede und auch Hermann Färber wollte diese Zahl nicht akzeptieren.

Allerdings wird es bei der stärkeren Bejagung nicht um eine Ansitzjagd gehen. Der Jäger nimmt auf dem Hochsitz rund eineinhalb Stunden vor der eigentlichen Jagd in den Abend- und Morgenstunden Platz, bei ausreichendem Mondschlicht auch in der Nacht. Die verstärkte Jagd wird sich auf die Drückjagd beziehen. Im Gegensatz zur Treibjagd auf der Feldflur, findet diese im Wald statt. Dabei beziehen Jäger an vorher definierten Positionen Stellung. Treiber „drücken“ das Wild aus seinen Deckungen. Wie viele Wildschweine im Rahmen einer Drückjagd bei stärkerer Bejagung erlegt werden sollen, ist nach Ansicht des Thünen-Instituts gemäß Koalitionsantrag offen. Das wird sich im dreistelligen Wildtierbereich bewegen. Für jedes zusätzlich zur normalen Jagd erlegte Wildschwein fallen Kosten von 800 Euro an. Für die zusätzliche Fallwildsuche Kosten in Höhe von 250 Euro pro Woche.

Lesestoff:

Deutscher Jagdschutzverband und Deutscher Bauernverband: Schwarzwaldbewirtschaftung in der Agrarlandschaft  Probleme und Maßnahmen; März 2012 https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Broschueren/Schwarzwildbewirtschaftung.pdf?__blob=publicationFile

Roland Krieg

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