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Wald als Kohlendioxidsenke

Landwirtschaft

Behm vermisst CO2 - Speicheraktivitäten der Regierung

Mecklenburg-Vorpommern verfolgt das Projekt, einen zweiwöchigen Urlaub mit einem freiwilligem Obolus von zehn Euro zu verbinden, die in die Wiederaufforstung gesteckt werden – für den klimaneutralen Urlaub. Die Antwort der Bundesregierung auf die Anfrage der Bündnisgrünen zum „Wald als Kohlendioxid-Senke“ zeigt, dass solche Ideen konkreter sind, als ihre eigenen Pläne. Cornelia Behm, agrarpolitische Sprecherin der Grünen sagte diesen Montag: „Die Bundesregierung lässt nicht nur jegliche Initiative zur Erhöhung der Kohlendioxidspeicherleistung deutscher und europäischer Wälder vermissen. Auch hat sie kein Programm, wie die internationalen Regelungen zur Berücksichtigung der CO2-Speicherfunktion von Wäldern weiterentwickelt werden sollen.

Honorierung der Waldbesitzer
Bei der Wiederaufforstung und dem Heranwachsen junger Wälder wird Kohlendioxid der Atmosphäre entnommen und als Senkenleistung, Sequestrierung, berechnet. Ausgewachsene Bestände übernehmen die Speicherfunktion.
Daher fordern Waldbesitzer für den Aufbau einer Kohlendioxidsenke eine finanzielle Vergütung. In ihrer Antwort weist die Bundesregierung auf diese Möglichkeit hin, sofern Senkengutschriften generiert werden und nach Finanzierung des Monitoraufwands für die Kohlendioxidbilanz etwas übrig bleibt: „Bei darüber hinausgehenden Erlösen ist ein substantieller Beitrag für die Förderung des Waldes in Deutschland vorgesehen. Ein entsprechendes Konzept wird derzeit innerhalb der Bundesregierung erarbeitet.“

Forstbetriebsgemeinschaft
Große Aufgaben für den Wald brauchen gemeinschaftliche Arbeit. Um kleine Privatwälder in das große Gefüge einzubinden, liegen Forstbetriebsgemeinschaften im Trend. Die größte in Brandenburg umfasst 7.000 ha. Vorstand Sandra Hahn: „Wir sind am Markt, verkaufen im Namen des Besitzers das Holz, der dann den Erlös erhält.“ Der Gesamtwald wird sachgerecht bewirtschaftet und die Waldbesitzer bis fünf Hektar können durch die kostengünstige Bewirtschaftung bessere Erlöse erwirtschaften. Die Forstgemeinschaft Waidmannsruh-Wallhaus will den kleinen Privatbesitz für die Bewirtschaftung aktivieren.
Bauernzeitung Brandenburg 5/08

Senkenzertifikate sind jedoch derzeit ausgeschlossen. Was den aktuellen internationalen Verhandlungen über die bestehenden Kyoto-Regelungen hinaus ab 2012 zu erwarten ist, wartet die Bundesregierung ab. Cornelia Behm ist das zu wenig ambitioniert: „Wer etwas erreichen will, muss klare Forderungen stellen.“
Eine Ausdehnung der Waldflächen durch Erstaufforstungen in Europa hält die Bundesregierung zwar für sinnvoll, aber angesichts der derzeitigen Markt- und Ertragslage in der Land- und Forstwirtschaft nur in begrenztem Umfang für möglich.

Senkenkorrektur I
Mehr Grün und eine gesteigerte Photosyntheserate durch die Klimaerwärmung könnte im Frühling und Winter die Kohlendioxidaufnahme der Pflanzen ansteigen lassen. Offensichtlich existiert dieses selbstregulierende System jedoch nicht, stellte ein internationales Wissenschaftlerteam fest, dem auch Mitarbeiter des Max-Planck-Instituts aus Jena angehörten. In den letzten 20 Jahren ist der CO2–Gehalt in der nördlichen Hemisphäre angestiegen, so dass die Nettoaufnahme der Pflanzen zurück gegangen sein muss. Während des wärmeren Herbstes steigt zwar die CO2–Aufnahme der Pflanzen, aber auch die Atmung, bei der Kohlendioxid wieder freigesetzt wird. Und zwar in höherem Ausmaß. Ein wärmerer Herbst kann 90 Prozent des zuvor im wärmeren Frühling zusätzlich aufgenommenen CO2 wieder frei setzen.
Net carbon dioxide losses of northern ecosystems in response to autumn warming; Nature 451, 49-52 (3 January 2008); doi:10.1038/nature06444

Schnellerer Umtrieb erwartet
Jede Holznutzung gibt das gespeicherte Kohlendioxid wieder frei. Die energetische Nutzung sofort, Vollholzprodukte nach 30 Jahren, Zellstoff und Papier bereits nach drei Jahren. Für Deutschland wird der Zeitraum der CO2 – Freisetzung für Außentüren aus Holz mit 70 Jahren angegeben. Allerdings rechnet die Regierung, dass die steigende Nachfrage nach Holz als erneuerbarer Rohstoff die Nutzungsdauer von „in Holz und Holz gespeicherten Kohlenstoff“ verkürzen wird. Wie sich der Gesamtkohlenstoffspeicher dabei entwickelt bleibe unklar, „da vielmehr auch die Verbrauchs- und Produktionsmengen das Gesamtergebnis beeinflussen.“ Holzprodukte dürfen jedoch gegenwärtig nicht als Speicherort für Kohlenstoff in die Treibhausbilanz einberechnet werden.

Senkenkorrektur II
Mit Hilfe des Sonnenlichtes basteln die Photosysteme in den grünen Blättern aus Wasser und atmosphärischem Kohlendioxid Zucker für das Pflanzenwachstum. Allerdings geht ein Teil davon auch direkt in die Wurzeln und wird dort von Mikroben gleich wieder veratmet. Und das CO2 verlässt wieder den Speicher. Das haben Peter Young und Philippe Vandenkoornhuyse von den Universitäten York und Rennes herausgefunden. Professor Young: „Unsere Forschung hat Mikroben identifiziert, die im Kohlendioxidkreislauf einen Kurzschluss verursachen.“ Seine Ergebnisse seien für die aktuelle Diskussion um Emissionsminderung und CO2–Handel von Interesse.
Vandenkoornhuyse et al.: Active root-inhabiting microbes identified by rapid incorporation of plant-derived carbon into RNA; PNAS 2007 104: 16970 - 16975

Behm weist auch darauf hin, dass Energieholz zum klimaneutralen Verbrennen nicht vorher als Senke aufgeführt werden darf: „Es ist nicht legitim, allein aus der Nutzung von Holzenergie eine Senkenfunktion der Wälder abzuleiten, wenn gleichzeitig die Holzenergie als CO2–neutral gilt. Ansonsten hätte man diese CO2–Mengen doppelt angerechnet.“

Roland Krieg

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