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Was blüht denn da?

Landwirtschaft

Brauchen Bienen ein Volksbegehren?

Hinter dem bayerischen Volksbegehren für mehr Artenschutz verbirgt sich nichts anderes als das Kulturlandschaftsprogramm KULAP. Vergleichbare Programme für mehr Biodiversität heißen in Baden-Württemberg FAKT, in Hessen HALM. Blühstreifen oder Bienenweiden und nachhaltigen Ackerbau gibt es im ganzen Land. Sie werden über die Agrarpolitik gefördert.

Volksbegehren sind on vogue

Dennoch sind weitere Volksbegehren in Planung. In Brandenburg sind aktuell sogar zwei Begehren unterwegs, eines vom Landesbauernverband und ein Zweites von Naturschutzverbänden. Der Pflanzenschutzspezialist ADAMA aus Köln hat bei Landwirten im Juli 2019 in einer Online-Umfrage über die Agentur agriExperts des Deutschen Landwirtschaftsverlages nachgefragt, in welchem Umfang Landwirte in diesem Jahr Programme für den Artenschutz einsetzen. Das Ergebnis unter den 154 Teilnehmern ist eindeutig: Auf und rund um die Felder blüht es flächendeckend nahezu im ganzen Land.
 
Landwirte sorgen für mehr Fauna und Flora

Selbst die Antworten sind reich an Abwechslung. 47 Landwirte haben Blühstreifen und 56 Bienenweiden angelegt. Das allein sind schon 78 Prozent der Antworten, bei denen Landwirte mit speziellen Saatmischungen Insekten und Pflanzen Raum zum Leben anbieten. Darüber hinaus haben 14 Landwirte mit umfangreichen Fruchtfolgen sowie Zwischenfrüchten und Untersaaten mehrjährige Systeme aufgebaut.

Zwei Landwirte arbeiten in einem Pilotsystem für mehr Artenschutz. Der eine hat zusätzlich zum Greening (Zwischenfrüchte) und Halm (Grünlandextensivierung und mehrjährige Blühstreifen), weitere zehn Maßnahmen mit Blühstreifen, Saumentwicklung, Böschungsentwicklung und Lerchenfenster angelegt. Ein anderer Betrieb hat auf einem Hektar Getreide Feldvogelinseln geschaffen, und auf 1,5 Hektar ökologische Vorrangfläche „Honigbrache“ angelegt. Zudem nimmt er als „Bienenfreundlicher Landwirt“ an einem Extra-Programm seines Landesbauernverbandes teil.

Weitere zehn Landwirte lassen rund um den Stall oder im Garten Wildwuchs zu und schaffen Arteninseln auf Flächen zwischen den Feldern. Selbst die Grünlandwirte nutzen wieder mehr Heu und lassen die Wiesen zur Blüte für die Insekten stehen. Insgesamt sorgen fast 90 Prozent der teilnehmenden Landwirte für mehr Fauna und Flora auf den Feldern.

Es gibt auch Widerstände

Lediglich zehn Prozent der Landwirte haben auf die Teilnahme an Artenschutzprogrammen verzichtet. Zwei davon haben ausdrücklich hervorgehoben, dass sie aus Protest verzichten. Das stimmt nachdenklich. Geht hier der öffentliche Druck nach hinten los? Das ist nicht von der Hand zu weisen. Ein Landwirt schreibt, dass er seit Jahren Biodiversitätsprogramme nutzt. Zusammen mit einem Zwischenfruchtanbau hat er gute Erfahrungen gemacht und ist „von der Sinnhaftigkeit der Maßnahmen überzeugt“. Er müsse nicht einem „Volksbegehren hinterher rennen“. Ein Berufskollege arbeitet ebenfalls seit Jahren vor dem Volksbegehren mit Blühstreifen und beklagt: „Dies wurde von den Verbrauchern nicht aktiv gesehen.“

Roland Krieg

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