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WASDE-Report August

Landwirtschaft

Weltweit gute Getreideernte trotz regionaler Defizite

Der am 12. August vom amerikanischen Landwirtschaftsministerium vorgestellte Bericht über die „World Agricultural Supply and Demand Estimates“ (WASDE) zeigt in der Summe weiterhin eine gute Weltgetreideernte, auch wenn es regional, wie vor allem in Frankreich, witterungsbedingt zu heftigen Einbrüchen kommt.

USA

Die amerikanische Weizenernte wird auch bei geringeren Importen durch einen erweiterten Anbau nochmals höher als im Vormonat ausfallen. Die geringere EU-Ernte werde die Exportmöglichkeiten des US-Weizens auf 950 Millionen bushel (1 bushel sind etwa 0,0272 kg) erhöhen. Die Preise werden pro bushel leicht von 3,35 auf 4,05 US-Dollar steigen.

Weltweit

Die Prognose für die weltweite Versorgung wird um 2,3 Millionen auf ein Plus von 4,9 Millionen Tonnen erhöht. Vor allem die außergewöhnlich guten Wachstumsbedingungen in Russland, aber auch in der Ukraine und Kasachstan weisen eine um sieben bzw. zwei Millionen Tonnen höhere Ernte aus. Ein Plus von einer Million Tonnen können Australien und Kanada vermelden, was insgesamt das prognostizierte Minus von neun Millionen Tonnen in der EU mehr als ausgleicht. Die Erträge in der EU werden so niedrig wie zuletzt 2012/2013 angesetzt. Die schlechten Witterungsbedingungen in Frankreich sorgen für die niedrigste Getreideernte seit über 30 Jahren.

Handel

Der weltweite Weizenhandel steigt um 2,3 Millionen Tonnen. Russland soll dabei erstmals wichtigster Weizenexporteur werden. Die Lagerbestände werden zwar um 0,9 Millionen Tonnen sinken, doch noch immer auf einem Rekordniveau bleiben.

Futtergetreide - Mais

Trotz höherer Nachfrage nach Futtergetreide wie Mais, Sorghum, Hafer und Gerste steigt der Versorgungsgrad. Der August-Bericht hat die US-Maisernte auf erste validen Daten geschätzt und die Prognose aus dem Juli abgelöst. Demnach belaufe sich der Ertrag auf 175,1 bushel pro acre und liegt um 7,1 bushel über der ersten Trendmeldung (1 bushel Mais sind etwa 0,025 kg; 1 acre sind 0,247 ha). Die Gesamternte wird mit 15,2 Milliarden Bushel und einem Plus von 613 Millionen bushel angegeben. Außer den Bundesstaaten Minnesota und Süd Dakota scheinen alle höhere Maisernten als im letzten Jahr einzufahren. Der Verbrauch an Futtergetreide soll weltweit um 8,9 Millionen Tonnen steigen, von denen die Hälfte in den USA konsumiert wird. Mexiko, die EU und Indien werden mehr Futtergetreide importieren. Die Lagerbestände sind hoch genug.

Reis und Ölsaaten

Die Ernteschätzung bei Reis liegt trotz leichter Verringerung dennoch auf Rekordniveau von 481,1 Millionen Tonnen. Die größte Steigerung wird aus dem Iran vermeldet, Afghanistan und Bolivien erzeugen weniger. Gegenüber der Juliprognose weist der August-Bericht bei Ölsaaten ein Plus von sieben Millionen auf weltweit 543,5 Millionen Tonnen aus. Für Soja wird eine Rekordmenge von 330,4 Millionen Tonnen angegeben.

Frankreich

Frankreich ist einer der wichtigsten Weizenproduzenten in der EU. Schon im Mai lagen die Niederschläge 200 Prozent über dem normalen Monatsdurchschnitt. Die Getreidepflanzen hätten sich bei Rückgang der Regenmengen in der Kornfüllungsphase erholen können. Doch im Juni lagen die Niederschlagsmengen auch zwischen 125 bis 150 Prozent über der Norm. Vor allem im Norden des Landes lagert das Getreide und haben sich Krankheiten ausgebreitet. Der Rückgang der Niederschläge im Juli kam zu spät. Der Schaden war bereits angerichtet.

In einem Interview mit der „agrarzeitung“ malt der französische Marktexperte Michel Portier die Erntesituation in den schwärzesten Farben aus. Seit dem Frühjahr habe es eine Kalamität nach der anderen gegeben. Die Weizenernte sei „mit das Schlimmste, was wir seit dem Zeiten Weltkrieg erlebt haben“. Mit 5,5 Tonnen Weizen pro Hektar liegen die Erträge fast ein Viertel unter dem Durchschnittswert. Da aber die Weltgetreideernte hoch ist und die Preise dadurch auf niedrigem Niveau festgelegt bleiben, fahren die französischen Weizenbauern hohe Verluste ein. Bei einem 120 Hektar großen Betrieb sollen Weizen und Raps einen durchschnittlichen Verlust in Höhe von 60.000 Euro einfahren.

Für Frankreich werden gegenüber Juli 8,5 Millionen Tonnen weniger Weizen erwartet, heißt es im WASDE. Deutschland erzielt mit 0,5 Millionen Tonnen den zweitgrößten Rückgang der EU. Mit Verlusten in Spanien, den Benelux-Ländern und Polen kommt die EU auf ein Minus von insgesamt neun Millionen Tonnen.

Auch in der Winterweizen-Region von der Ukraine über Russland bis Kasachstan lagen die Niederschläge zwischen Mai und Juni bis zu 200 Prozent über der Norm. Die Trockenheit im Juli erlaubte jedoch ein rechtzeitiges abtrocknen der Bestände. Mitte Juni lag der Gesundheitsindex der Vegetation schon bis zu 100 Prozent über dem Vormonat. Vergleichbares gilt für die südrussischen und kasachischen Sommerweizenbestände.

Lesestoff:

Zahlen und Tabellen finden Sie auf www.usda.gov/oce/commodity/wasde/

Roland Krieg: Grafiken: WASDE/USDA

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