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Weltbodentag

Landwirtschaft

Deutschland hat eine Bodeninventur gemacht

UN-Weltbodentag

Das Motto des UN-Weltbodentages am 05. Dezember ist die Beendigung der Bodenverschmutzung. Siedlungsabfälle, Schwermetalle und Degradierung durch Wind, Wasser und Versalzung setzen dem fruchtbaren Boden zu. Mit dem jährlichen Weltbodentag will die UN die Aufmerksamkeit auf den Ackerboden wenden, auf dem zusammen mit Grünland 95 Prozent der Lebensmittel produziert werden.

„Der Boden ist die Basis unseres Lebens“, sagte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner am Mittwoch in Berlin. Die Gesellschaft hat eine Verantwortung im Umgang mit Ressourcen. Doch fruchtbare Böden werden immer knapper, während die Weltbevölkerung stetig wächst.

Die britische Umweltministerin Thérése Coffey sprach vergleichbares: „Jeder hat seine Aufgabe die Böden zu schützen.“ Großbritannien will nach dem Brexit mehr Geld für öffentliche Leistungen ausgeben. Wissenschaftler haben für die Förster eine Bodenklassifizierung für Wälder vorgenommen, damit Förster die ökologisch besten Bäume an ihren Standorten Pflanzen können.

BMEL

Die Bedeutung des Bodens ist in Deutschland angekommen. Der Weltbodentag 2018 allerdings zeigt, dass es viele Köche gibt. Die vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft angestrengte Studie beim Thünen-Institut hat Inventur beim Kohlenstoff gemacht. Das erste überraschende Ergebnis: Die Böden haben mehr 25 Prozent mehr in Form von Humus als gedacht gespeichert. Es sind 2,5 Milliarden Tonnen Kohlenstoff. Der Speicher ist so groß, wie Deutschland innerhalb von 23 Jahren an Kohlendioxid emittiert, erklärt Klöckner. Damit versorgt ein Hektar Boden im Durchschnitt 15 Tonnen Lebewesen in der Erde.

Die beachtlichen Zahlen will sie als Grundlage für die Grünland- und Ackerbaustrategie verwenden, die sie im Herbst 2019 vorstellen wird. So ordentlich eine Inventur auch ist, so wurde die Kohlenstoffzählung doch zu sehr als neue Basis für den „repräsentativen, wissenschaftlich fundierten Ausgang“, so Thünen-Professor Heinz Flessa, veredelt. Die bisherigen Erkenntnisse aus den Bodenwissenschaften werden ja nicht auf null gesetzt. Bodenkundler haben Böden im Rahmen des Ackerschätzrahmens den Ackertyp unter Berücksichtigung des Klimas als Ackerzahl für eine Qualitätsbewertung auf Basis der Reichsbodenschätzung in den 1930er Jahren bewertet. Landwirte ziehen in der Regel seit vielen Jahren Bodenproben zur Ermittlung des Humus- und Nährstoffgehaltes und können die Veränderungen schlagspezifisch seit langem kontrollieren.

Bodeninventur 2018
Prof. Heinz Flessa, Julia Klöckner, Thünen-Präsident Folkhard Isermeyer (v.l.)

Nur wurden die Daten bislang nicht einheitlich gesammelt. Das Thünen-Institut hat mehr als 120.000 Bodenproben im 8-Kilometer-Raster erhoben und stieß auf eine sehr große Bereitschaft der Landwirte mitzumachen. Nach Flessa hat das Institut in den nächsten Jahren  genug Daten für weitere Einzelergebnisse. Zudem will das Institut jetzt alle zehn Jahre die Untersuchung  wiederholen, um Veränderungen zu beobachten.

Erkenntnisse werden kaum revolutionär neu sein. So ist bekannt, dass trockene Jahre wie 2018 aber auch einzelne Feldfrüchte Humus abbauen und blattreiche Früchte die organische Substanz im Boden anreichern. Die Franzosen haben in langjährigen Versuchen die Humusbewegung im Verhältnis zur Bodenbearbeitung gesetzt [1].

Am Ende muss die Veränderung des Humusgehaltes mit der Bearbeitungsform des Bodens in Verbindung gesetzt werden. Sonst sind keine Schlüsse zwischen Landnutzung und Humusgehalt möglich. Bis zu einem Meter Tiefe bestimmt im Wesentlichen noch immer das geologische Ausgangsmaterial die Bodeneigenschaften. Bis zu 30 cm Tiefe nimmt der Einfluss des Landwirts durch seine Landnutzung zu und das Klima wirkt in kleinerem Umfang auf die meist nur ersten 15 Zentimeter. Dass der Ackerbau im langjährigen Mittel mehr Humus aufbraucht als Grünland ist schon bekannt. Und die in der Inventur notierte Erkenntnis, dass die Wiedervernässung einen positiven Einfluss auf die Humusbalance hat, würde den ehemaligen Landwirtschaftsminister Christian Meyer in Niedersachsen sehr erfreuen. Doch die Wiedervernässung der norddeutschen Ebene ist hoch umstritten. Denn unter der Prämisse des Klimaschutzes, müssten viele Standorte vom Ackerbau wieder in die Grünlandwirtschaft zurückgeführt werden.

Unter diesem Blickwinkel ist die Grünland- und Ackerbaustrategie des BMEL ein spannendes Projekt, wie tief sie in die landwirtschaftliche Praxis eingreifen will. Die Strategie wird Zielkonflikte ausbalancieren müssen, sagte Klöckner zu Herd-und-Hof.de. Vorher wird die Branche auf Basis der Inventur ihren Beitrag im Klimaschutzgesetz umsetzen müssen.

BMU

Das Bundesministerium für Umwelt (BMU) hat sich zum Weltbodentag genau diesen Punkt ausgesucht. Vor allem in den 1960er und 1970er Jahren wurden Moore entwässert, um Torf zu stechen oder Ackerbau zu betreiben. Der trockenfallende Torf hat große Mengen Klimagase freigesetzt. Torf speichert weltweit mehr Kohlenstoff als der Wald. So wurde Umweltministerin Svenja Schulze im Rahmen der „Global Peatland Initiative“ zum Weltbodentag konkret: „Der Schutz der Moore ist ein unverzichtbares Fundament des Klimaschutzes in weiten Teilen der Welt. Gleichzeitig kommt es darauf an, trocken gelegte Moorböden so wiederzuvernässen, dass die Emissionen gestoppt werden und trotzdem landwirtschaftlich nutzbar sind. Wir wollen das Klimaschutzpotenzial der Moorböden in Deutschland nutzen und arbeiten daher an einer Nationalen Moorschutzstrategie.“ Vor dem Hintergrund der Klimakonferenz in Polen hat sie das richtige Thema gewählt.

Boden des Jahres

Mittlerweile ohne Prominenz und Presseeinladung beschäftigt sich die Deutsche Bodenkundliche Gesellschaft (DBG) sich mit der Auswahl eines Bodens des Jahres auf einer Fachtagung nur noch mit sich selbst. Für 2019 hat sie den Kippenboden ausgesucht. Fachlich heißt er „Kipp-Regosol“ und entsteht aus verkipptem Abraum. Der Mensch legt sie überall dort an, wo er Rohstoffe aus der Erde gewinnt. So wie beim Braunkohleabbau. Nach der Verfüllung in Gruben wird der Boden nivelliert und mit Pflanzen besetzt. Damit beginnt erst wieder eine Bodenbildung. Tiefer als 30 Zentimeter sind die Kipp-Regosole kaum. Darunter befindet sich das unveränderte Kippmaterial. Der Boden zeichnet sich durch Nährstoffarmut, Trockenheit und niedrigem pH-Wert aus. Am Niederrhein gibt es spezielle Rekultivierungsfruchtfolgen auf Kipp-Lehmsanden, die eine bessere Nährstoffverfügbarkeit besitzen. Aber erst in vielen Jahren reichert sich bei ihnen Humus an. So entstehen zwar neue Böden, aber der Mensch braucht dazu „einen langen Atem“, den er möglicherweise nicht mehr hat.

Lesestoff:

Humus in landwirtschaftlich genutzten Böden Deutschlands: www.bmel.de

www.globalpeatlands.org

[1] INRA-Forschung in Frankreich: https://herd-und-hof.de/landwirtschaft-/pfluegen-hat-kaum-einfluss-auf-carbon-sequestrierung.html

Roland Krieg; Fotos: UN; roRo

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