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Welternährungstag 2006

Landwirtschaft

Dicke, Dünne und Kritik

Am 16. Oktober 1945 wurde die Food and Agriculture Organisation (FAO) bei den Vereinten Nationen aus der Taufe gehoben. So wird alljährlich der 16. Oktober als Welternährungstag festgelegt.

WHO denkt an die Kinder zuerst
Das Millenniumsziel, die Zahl der Hungernden bis 2015 zu halbieren, hält der Exekutiv-Direktor des Welternährungsprogramms James Morris immer noch für machbar. „Dazu bedarf es aber einer enormen Anstrengung.“
Mit 80 US-Dollar im Jahr kann die Situation in einer Familie entscheidend verbessert werden. Kinder, die ausreichend zu essen haben, sind „produktiv, lässt sie zu Konsumenten werden, verringert die Gesundheitskosten und lässt die Staatseinnahmen auf längere Sicht steigen.“
Die Entwicklungspolitik müsse sich nach Angaben der Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul wieder mehr auf den ländlichen Raum konzentrieren. Die Länder, die in den letzten 30 Jahren in ihre Landwirtschaft investiert hätten, leiden weniger an Unterernährung, sagte sie gestern. Der Trend allerdings geht in die andere Richtung. „Die internationalen Geber verwenden heute mehr Geld für Nahrungsmittelhilfe als für Investitionen auf dem Land. Dieses Verhältnis müssen wir umkehren“, forderte die Ministerin.

Sieben Prozent der weltweit 850 Millionen Hungernden leben in ländlichen Gebieten. Daher hat die FAO den heutigen Tag unter das Motto gestellt: „Investiert in die Landwirtschaft für die Ernährungssicherung – Die ganze Welt wird davon profitieren“. Das forderte auch Gerd Müller, Staatssekretär aus dem Bundeslandwirtschaftsministerium: „Wenn wir den Hunger erfolgreich bekämpfen wollen, müssen weltweit mehr Investitionen in die Landwirtschaft fließen.“
Wurden in den 1980er Jahren noch neun Milliarden US-Dollar in den ländlichen Raum investiert, so sind es Ende der 1990er Jahre nur noch fünf Milliarden gewesen.

Zukunft Ökolandbau
Die ökologische Landwirtschaft in der Dominikanischen Republik ist zu einem Exportgeschäft geworden, heißt es in der FAO-Schrift zum Welternährungstag 2006. An dem Jahresumsatz von mittlerweile rund 20 Millionen US-Dollar haben die Kleinerzeuger einen hohen Anteil. Seit den 1990er Jahren steigt die Nachfrage nach ökologischen Bananen, Kakaopflanzen und Gemüse. Der Karibikstaat hat damals begonnen, die lange Versorgungskette unter die Lupe zu nehmen. Vom landwirtschaftlichen Betriebsmittel, der technischen Hilfe bis über die Bewässerung, Kreditvergabe und dem Importeur wurde alles beachtet. So hat die Vereinigung der Kakaoproduzenten (CONACADO), eine halbstaatliche Einrichtung 8.500 Erzeuger zusammen geführt und die Kakaokette ökologisiert.
So hatten die Kakaobauern ihre ersten Liefermengen um 200 Tonnen übertroffen und angefangen ihre Handelsbeziehungen auszubauen. Heute arbeiten Frauen beim Trocknungsprozess der Bohnen mit, wodurch die Beschäftigtenquote um 25 Prozent anstieg. Mittlerweile haben die ärmsten Bauern in einer Region ihren Kakaoanbau auf Ökolandbau umgestellt.

Ernährungswüste Europa
Den heutigen Welternährungstag nimmt die Weltgesundheitsorganisation WHO auch zum Anlass, auf die Fettleibigkeit in Europa hinzuweisen. Die Ernährungsgewohnheiten hätten sich dramatisch verändert und die Qualität des Essens abgenommen. In der Europaregion der WHO, zu der auch Russland und die zentralasiatischen Staaten gehören, sind 145 Millionen Menschen fettleibig. In den wenigsten Staaten seien alle Menschen ausreichend it Obst und Gemüse versorgt. Dabei spielen soziale und kulturelle Aspekte eine wesentliche Rolle.

Woche der Welthungerhilfe
Noch bis zum 20. Oktober läuft die „Woche der Welthungerhilfe“ unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten. Der Deutsche Bauernverband (DBV) und die Deutsche Welthungerhilfe werden verschiedene Benefizveranstaltungen durchführen. Damit sollen Projekte der Welthungerhilfe vorgestellt und Geld gesammelt werden. Der DBV will die Notwendigkeit einer nachhaltigen Landwirtschaft hervorheben und den Wert der Lebensmittel aus ethischer Sicht unterstreichen, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung.
Innerhalb der Woche der Welthungerhilfe werden Radsportler von München nach Magdeburg radeln und auf den Zwischenstationen Spenden für Projekte in Indien, Mosambik und Nicaragua sammeln.

Verfehlte Agrarpolitik der Industrieländer
Die Menschenrechtsorganisation FIAN hingegen begrüßt zwar die Forderung nach höheren Investitionen, kritisiert aber die einseitige Ausrichtung er FAO auf Exportprodukte und Agrarindustrie. „Wachstum und technischer Fortschritt reichen zur Umsetzung des Menschenrechts auf Nahrung nicht aus“. Kommentiert Armin Paasch, Agrarreferent der FIAN Deutschland. „Solange Agrarkonzerne und Supermärkte keine fairen Preise für Agrarprodukte zahlen, bleibt der Welthandel für Kleinbauern ein Verlustgeschäft.“
So seien nach Angaben der FAO in der Schnittblumenindustrie Ugandas nach Angaben der FAO über 6.000 Arbeitsplätze entstanden, doch FIAN zeigt in einer Studie, dass die Arbeit kein Ausweg aus Armut und Hunger ist. Arbeiterinnen verdienen nur 30 Dollar im Monat, müssen unbezahlte Überstunden leisten und wer krank ist oder sich gewerkschaftlich betätigt, verliert schnell seinen Arbeitsplatz.
Am 30. Oktober wird die FAO eine Halbzeitbilanz des Welternährungsgipfels von 1996 ziehen. Die Anzahl der Hungernden soll sich bis 2015 halbieren – „Stattdessen ist die Zahl seither von 840 auf 854 Millionen angestiegen“, heißt es von FIAN. Ein Schlüssel zur Sicherung der eigenen Ernährung ist eine Landreform. Diese Initiative bei der FAO werde aber durch die EU, USA und Japan blockiert. FIAN fordert daher am Welternährungstag die Bundesregierung auf, sich innerhalb der EU deutlich gegen diese Blockadehaltung auszusprechen.

FAO zum Welternährungstag: www.fao.org/wfd/2006/index.asp?lamg=en
FIAN zu Blumen in Uganda: www.fian.de/fian/index.php?option=content&task=view&id=111&ltemid=146
Zusammenfassung der FAO Broschüre auf deutsch unter www.bmelv.de

VLE

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