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Welthungerhilfe mit Rekordbudget

Landwirtschaft

Bärbel Dieckmann kritisiert Untätigkeit der Weltpolitik

Mit 263,9 Millionen Euro im Kampf gegen Hunger stand der Welthungerhilfe im letzten Jahr eine Rekordsumme zur Verfügung. Das ist das höchste Budget seit Gründung im Jahr 1962. Präsidentin Bärbel Dieckmann sieht darin eine hohe Bereitschaft zur Spende, aber auch die Sorge vieler Menschen um den Zustand der Welt.

Die Situation bei Hunger und Armut gehe auseinander. Fortschritte gebe es in den Ländern, die sich einigermaßen friedlich entwickeln können. Dort, wo Krisenherde und vor allem Krieg herrschen, verschärfe sich die Ernährungssituation und erreicht wie beispielsweise am Horn von Afrika mit bedrohten 22 Millionen Menschen unverantwortliche Ausmaße. Alleine Syrien und Jemen gefährden mit ihrer politischen Instabilität eine ganze Region. Das Engagement für die Menschen vor Ort werde noch viele Jahre dauern.

Mehr Engagement der Weltgemeinschaft

Die in Berlin vorgezogene Präsentation des Jahresberichtes findet in Zeiten vieler Afrikagipfel statt. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) müsse nach dem Marshallplan mit Afrika die gute Umsetzung folgen lassen. Zudem kommen die G20-Länder im Juni zu ihrem Gipfel in Hamburg zusammen und haben Afrika als Schwerpunktthema auf der Agenda. Dieckmann fordert die Politik und insbesondere Deutschland mit seiner Präsidentschaft des G20-Jahres zu deutlich mehr Engagement auf. Auch die Länder Afrikas sind gefragt, rund 10 Prozent ihrer nationalen Budgets in die Entwicklung von Landwirtschaft und der ländlichen Raum zu investieren. Es zeige sich in der Projektarbeit immer wieder, dass dort die Schlüssel für die Gesamtentwicklung liegen. Sozial- und Versicherungssysteme gegen Wetterrisiken müssten ausgebaut werden, Bildung ist die Grundlage für die benötigten Millionen an neuen Arbeitsplätzen für die Jugend. Landrechte und der Klimawandel stellen Afrikas Länder vor gewaltigen Herausforderungen. Dieckmann bezeichnete die derzeitige Debatte der US-Politik, den Klimawandel in Zweifel zu ziehen, als „gespenstisch“. Sie hofft, dass der nächste Klimagipfel, COP 23 in Bonn, weitere starke Signale an die Politik aussende.

Die hohe Spendenbereitschaft sei zudem ein Ausdruck, dass die Menschen mittlerweile die Zusammenhänge zwischen Migration und Ausgangslage vor Ort erkennen. Sie lehnen die Migration nicht ab, sondern wollten die Gesamtsituation der Menschen so verbessern, dass sie keinen Grund mehr haben, wegzuziehen.

„Early warning – early action“

Die Hungersituation am Horn von Afrika war vorhersehbar. Die funktionierenden Frühwarnsysteme und Berechnungen über die Lagerbestände haben genau aufgezeigt, wann die Nahrungsmittel zu Ende sind. Doch folge die Weltgemeinschaft dem Motto „Early warnung – no action“ kritisierte Dr. Till Wahnbaeck, Vorstandsvorsitzender der Welthungerhilfe. In Somaliland sind alle Regenzeiten ausgefallen, so dass es auch keine Erholungsphasen für die Landwirtschaft und die Menschen gebe. 70 bis 80 Prozent des Viehbestandes sind verloren gegangen, die Menschen sind bis zu 400 Kilometer weiter gezogen; dorthin wo es noch ein bisschen Wasser gibt. „Viele Krisen sind vorhersehbar“, beklagte Wahnbaeck. Doch reagiere die Weltpolitik mit Geberkonferenzen erst, wenn die Krise bereits eingetroffen ist. „Wir brauchen andere Mechanismen“, forderte er. Versicherungsfonds gegen Trockenheit und Ertragsausfälle seien immer eine bessere Lösung: „Early warning – early action“. Dann werde Geld ausbezahlt, wenn es noch etwas zu retten gebe. Jeder vor der Krise investierte Euro spare „Reparaturkosten“ von vier bis fünf Euro in und nach der Krise. Auch Wahnbaeck fordert die Politik auf, mehr Vorsorgewillen, mehr Geld und Mut zu neuen Präventionsinstrumenten zu zeigen. Der G20-Gipfel in Hamburg biete dazu eine große Chance.

Haiti

Der Fokus der Entwicklungszusammenarbeit liegt derzeit auf Afrika. Doch hat Herd-und-Hof.de den Blick noch einmal auf Haiti gelenkt. Die Karibikinsel wurde 2008 gleich von vier aufeinander folgenden Wirbelstürmen getroffen. Zwei Jahre später zerstörte ein schweres Erdbeben Land und Wiederaufbau. Noch heute leben Menschen in Notunterkünften. Im Land kaum hat sich kaum etwas verbessert. Diese Krise nach der Krise ist ein Warnsignal an die Politik, erläuterte Bärbel Dieckmann. Nicht nur dort, wo die Welthungerhilfe Projektarbeit geleistet hat, wurden resiliente Strukturen geschaffen. Nach dem Erdbeben neu gebaute Häuser widerstehen den Wirbelstürmen. Das Haiti heute noch Hilfe benötigt, liege vor allem an der instabilen Regierung, die Infrastrukturmaßnahmen und den Aufbau widerstandsfähiger Versorgungssysteme nicht leisten kann oder will.

Lesestoff:

Die wichtigsten Zahlen zum Jahresbericht finden Sie unter www.welthungerhilfe.de

Roland Krieg

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