Menü

Weniger Antibiotika in der Tierhaltung

Landwirtschaft

Antibiotikamengen sinken auch in Tierhaltungsregionen

Die pharmazeutische Industrie muss seit 2011 ihre Abgaben an Tierarzneimittel beim Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation (DIMDI) in einem zentralen Register anzeigen. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) wertet diese Angaben, insbesondere für Antibiotika, einmal jährlich aus. Die aktuellen Zahlen für 2014 zeigen sinkende Antibiotikamengen. Die Menge an Antibiotika, die auch bei Menschen in der Therapie eingesetzt werden, bleibt hingegen konstant. Das sind die Antibiotikaklassen Flourchinolone und Cephalosporine der 3. und 4. Generation.

15 Prozent weniger

Insgesamt wurden im letzten Jahr 1.238 Tonnen (t) Antibiotika von pharmazeutischen Unternehmen und Großhändlern an Tierärzte in Deutschland abgegeben. Die Hauptabgabemengen bilden, wie in den vergangenen Jahren, Penicilline mit etwa 450 t und Tetrazykline mit etwa 342 t, gefolgt von Sulfonamiden mit 121 t, Makroliden mit 109 t und Polypeptidantibiotika (Colistin) mit 107 t. Von den von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) als Wirkstoffe mit besonderer Bedeutung für die Therapie beim Menschen eingestuften Antibiotikaklassen (Highest Priority Critically Important Antimicrobials) wurden im Vergleich zum Vorjahr weiterhin gleichbleibende Mengen abgegeben (rund 12 t Fluorchinolone und rund 4 t Cephalosporine der 3. und 4. Generation). Die Abgabe von Fluorchinolonen hat auf hohem Niveau weiter leicht zugenommen und zeigt gegenüber dem ersten Erfassungsjahr 2011 eine Steigerung von nunmehr 50 Prozent.

Die gemeldeten Wirkstoffmengen lassen sich nicht einzelnen Tierarten zuordnen, da die Mehrzahl der Wirkstoffe für die Anwendung bei verschiedenen Tierarten zugelassen ist.

Abnahme auch in den Veredelungsregionen

Von 2011 bis 2014 hat die Menge an abgegebenen Antibiotika in verschiedenen Regionen abgenommen. So wurde für die Postleitzahl-Region 49 eine Abnahme der Abgabemengen um ca. 197 t (von 703 t auf ca. 506 t) berechnet, auch wenn für die Region weiterhin die höchste Abgabemenge zu verzeichnen ist. Für die Postleizahl-Regionen 25, 26, 27, 29, 33, 39, 46, 48, 59 und 94 ergab sich im Erfassungszeitraum jeweils ein Minus von mehr als 10 t. Besonders stark ist hier die Abnahme in der Postleitzahl-Region 48 mit einem Minus von ca. 40 t. Eine Zunahme im zweistelligen Bereich wurde für die Postleitzahl-Region 16 mit einem Plus von ca. 15 t dokumentiert.

Sorgen bleiben

Der Einsatz von Tierarzneimitteln dient dem Ziel, kranke Tiere zu behandeln und damit die Tiergesundheit und den Tierschutz zu fördern. Der Einsatz ist gleichermaßen auf den Schutz des Verbrauchers ausgerichtet. Sorge bereitet jedoch, dass der Therapieerfolg sowohl in der Human- wie auch in der Tiermedizin zunehmend durch das Auftreten antibiotikaresistenter Bakterien gefährdet wird. Der Transfer von antibiotikaresistenten Bakterien oder der Transfer von Resistenzgenen zwischen Mensch und Tier sind wechselseitig möglich.

„Keine Reserveantibiotika im Stall mehr“

Friedrich Ostendorff, agrarpolitischer Sprecher, und Kordula Schulz-Asche, gesundheitspolitische Sprecherin bei Bündnis 90/Die Grünen nehmen die stagnierende und vereinzelt ansteigende Menge an Reserveantibiotika zum Anlass, diese nicht mehr in der Tierhaltung einzusetzen. Dieses Plus verschleiere das allgemeine Minus in der Antibiotikaabgabe an Nutztiere. Der Einsatz von Antibiotika solle „strukturelle und hygienische Mängel“ in den Ställen kompensieren. Der Antibiotikaverbrauch müsse im Stall als auch in der Arztpraxis reduziert werden.

Agrarwende

Reinhild Benning fordert für den BUND eine Agrarwende: „Die Tatenlosigkeit der Bundesregierung und der Preisdruck durch Discounter und exportfixierte Schlachthofkonzerne tragen dazu bei, dass der Antibiotikamissbrauch im Stall zum Alltag der Massentierhaltung gehört. Das widerspricht der Ankündigung der Staats- und Regierungschefs beim G7-Gipfel zum Schutz der „Einen Gesundheit von Mensch und Tier“.“ Um den Gebrauch von Antibiotika weiter zu reduzieren, müssten Bund und Länder mit strengeren regeln zusammenarbeiten. Mit Blick auf die Landkarte steht Brandenburg im Fokus. Dort ist die Verwendung von Antibiotika gestiegen, was durch die Neuanlagen großer Stallhaltungen begründet ist. Das dort gerade gestartete Volksbegehren gegen „Massentierhaltung“ komme zum richtigen Zeitpunkt.

Lesestoff:

Die Aufschlüsselung nach Postleitzahlen finden Sie unter www.bvl.bund.de

BVL; Roland Krieg; Tabelle. BVL

Zurück