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Wenn die Wetter-Welle stehen bleibt

Landwirtschaft

Stockende Riesenwellen im Jetstream bringen Dürre und Fluten

Der Jetstream ist ein starker Wind, der sich in etwa 10 Kilometern Höhe bewegt und große Wettersysteme von West nach Ost transportiert. Diese Luftströmung kann große Schlängelungen entwickeln, die so genannte Rossby-Wellen. Diese Wellen können aber auch eine Zeitlang an einem Ort verharren. Die internationalen Wetterfrösche haben das im letzten Jahr als Ursache für die Trockenheit ausgemacht. Regenwolken hatten einfach keine Chance Europa zu erreichen. Umgekehrt verweilte die Monsunwolke wochenlang über Indien. Zwei Beispiele, wie sich das Wetter durch „stockende Riesenwellen“ ausprägt. Solche Wetterextreme gab es bereits in den Jahren 2003, 2006 und 2015, wie die Analyse des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung aufzeigt. Der Wellenstau verursachte besonders in den Monaten Juni und Juli extreme Wetterereignisse auf der gesamten Nordhalbkugel der Erde.  

Bleibt die Luftströmung stehen, werden aus wenigen warmen Tagen Hitzewellen und Dürren. „Unsere Studie zeigt, dass die spezifischen Orte und der Zeitpunkt der Wetterextreme im Sommer 2018 nicht zufällig waren, sondern direkt mit dem Entstehen eines sich wiederholenden Musters im Jetstream verbunden waren, der sich über die gesamte Nordhalbkugel erstreckt", sagt Leitautor Kai Kornhuber von der Universität Oxford und dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK).

Dieses spezielle Muster häuft sich: „In den zwei Jahrzehnten vor 1999 gab es keine Sommer, in denen wir dieses Muster der stockenden Wellen über eine Dauer von zwei Wochen oder noch länger hatten, aber seitdem haben wir bereits sieben solcher Sommer erlebt", ergänzt Ko-Autor Dim Cournouvon der Vrije Universiteit Amsterdam.

Die Forscher befürchten, dass es so weitergeht. Die Physik dahinter: Landmassen neigen dazu, sich schneller zu erwärmen als Meeresgebiete. Das wiederum führt zu einem größeren Temperaturunterschied zwischen Landmassen und Ozean. „Das Entstehen des Wellenmusters könnte durch diesen erhöhten Temperaturkontrast zwischen Landmassen und Ozean begünstigt werden. Ein weiterer relevanter Faktor könnte sein, dass der Nordatlantik kühler ist, als er sein müsste, wahrscheinlich als Folge der Verlangsamung der Atlantischen Meridionalen Umwälzzirkulation, besser bekannt als Golfstrom. Dies bedarf jedoch noch weiterer Untersuchungen“, sagt Stefan Rahmstorf, Erdsystemanalytiker am PIK.

Gerade die Nordhalbkugel beinhaltet eine Vielzahl an Regionen mit günstigen Klimaverhältnissen für die Agrarproduktion. Die stockenden Wellen treffen damit auf wichtige Kornkammer der Welternährung.

Lesestoff:

Kai Kornhuber et al.(2019): Extreme weather events in early summer 2018 connected by a recurrent hemispheric wave-7 pattern. Environmental Research Letters, Volume 14, Number 5. [DOI: 10.1088/1748-9326/ab13bf] https://iopscience.iop.org/article/10.1088/1748-9326/ab13bf

roRo

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