Wer produziert was?

Landwirtschaft

Landwirtschaftszählung 2010

Das Statistische Bundesamt (Destatis) hat erstmals seit zehn Jahren im ersten Halbjahr 2010 wieder eine landwirtschaftliche Zählung durchgeführt und dier ersten Ergebnisse von Direktorin Hannelore Pöschel auf der Grünen Woche vorgestellt. Mehr als 300.000 Bauern waren aufgerufen, angaben über ihren Betrieb und die Produktion zu machen.

Trend zur Größe

Knapp 301.000 Betriebe gibt es noch in Deutschland. Die Zahl liegt 21.000 unter der von 2007, während die genutzte Fläche mit 24.000 Hektar auf 16,8 Millionen Hektar nur geringfügig abnahm. Frei gewordene Flächen werden von den verbleibenden aufgenommen. Möglich macht das der technische Fortschritt, durch den eine Arbeitskraft immer mehr Fläche und größere Herden betreuen kann. Die betriebliche Durchschnittsgröße stieg in den letzten drei Jahren von 52 auf 56 Hektar. Während die Zahl der Betriebe mit weniger als 100 Hektar abgenommen hat, sind es mehr Betrieb geworden, die über 100 Hektar bewirtschaften. Regional gibt es aber historische Unterschiede. In Süddeutschland hat die Realteilung in der Erbfolge die Betriebe kleiner gemacht, während in Norddeutschland das Anerbenrecht die Betrieb groß hält. Im Osten halten sich die großen Genossenschaften. So sind die Betriebe in Baden-Württemberg im Durchschnitt 32 Hektar groß, in Schleswig-Holstein 71 und im Osten 226 Hektar.


Tierproduktion

Die Tierproduktion ist mit einem erheblichen Anteil in der Landwirtschaft vertreten. 72 Prozent aller Betriebe halten Vieh. In Ställen und auf Weiden hat das Amt 12,6 Millionen Rinder, 27,3 Millionen Schweine, 131,2 Millionen Stück Geflügel, 460.000 Pferde und Esel sowie 2,1 Millionen Schafe und 124.000 Ziegen gezählt. Die Zahl der tierhaltenden Betriebe ging aber um 21.000 zurück. In den alten Bundesländern gaben neun Prozent der Betriebe ihre Tier ab, in den neuen Bundesländern nur zwei. Am deutlichsten traf es die Schweinehalter. Seit 2007 haben 18 Prozent der Schweine haltenden Betriebe die Tierhaltung aufgegeben. Die Betriebe spezialisieren sich. Hühner auf dem Hof, Schweine im Stall und Rinder auf der Weide: das ist nahezu passé. 57 Prozent der tierhaltenden Betriebe haben sich auf eine einzige Tierart spezialisiert. Mehr als die Hälfte der Schweine werden in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen gehalten. 45 Prozent des Geflügelbestandes ist in Niedersachsen und jedes vierte Rind steht in Bayern.

Sonderform Ökolandbau

Im Jahr 2010 haben 16.000 Betriebe nach ökologischer Wirtschaftsform produziert. Das sind zwar nur fünf Prozent aller Betriebe, aber das Wachstum bleibt rasant. Seit 2007 haben 2.000 Betriebe die neue Produktion übernommen. Ein Anstieg um 17 Prozent. Rund 979.000 Hektar werden ökologisch bewirtschaftet. Vor zehn Jahren war es nur die Hälfte. das meiste Flächenwachstum gab es Rheinland-Pflanz, Bayern und dem Saarland. Wachstumstreiber ist Grünland.

Landwirtschaft alleine reicht nicht

Die klassische landwirtschaftliche Produktion reicht den Bauern nicht mehr. Sie suchen und finden Alternativen. Die häufigsten Zusatzeinnahmen stammen aus dem Bereich der erneuerbaren Energien (42 %), gefolgt von vertraglichen Arbeiten wie der Landschaftspflege (28 %) oder aus der Forstwirtschaft (24 %).

Höfe ohne Nachfolger

Gerade für Familienbetriebe ist es wichtig, dass die Höfe auch von den Söhnen und Töchtern weitergeführt werden. Wirtschaftlich ist es auch bedeutend, denn 187.000 Betriebe werden von Einzelinhabern im Alter von über 45 Jahren geführt. Dort steht eine Hofnachfolge an. Diese Betriebe bewirtschaften eine Fläche von 7,5 Millionen Hektar. Aber nur für ein Drittel der Betriebe ist die Nachfolge bereits geregelt. Betriebe im Nebenerwerb haben größere Schwierigkeiten einen Nachfolger zu finden, als Haupterwerbsbetriebe. Kleinere Betriebe werden voraussichtlich weiterhin ohne Nachfolger vom Markt verschwinden.

roRo; Grafik: Destatis

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