Menü

Wider der Monopolisierung

Landwirtschaft

„Bayer tät es gut, wenn sie Monasanto nicht hätten“

Olaf Tschimpke (NABU) bei der Verleihung des "Dinosauriers 2016"

„Zwischen den Jahren“ hat der Naturschutzbund Deutschland (NABU) den „Dinosaurier des Jahres 2016“ an die Bayer AG vergeben. Für 59 Milliarden Euro ist der Chemiekonzern auf dem Weg, die amerikanische Monsanto zu übernehmen. Nachdem Mitte Dezember die Aktionäre des US-Konzerns der Fusion zugestimmt haben, liegt es jetzt an über zwei Dutzend Kartellbehörden weltweit, die Unternehmensverschmelzung zu genehmigen. Evetuell wird Bayer gezwungen sein, Firmenanteile zu verkaufen. Eine Prognose über die amtlichen Prozesse wagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke aber nicht abzugeben.

Während Getreidebauern in Deutschland  derzeit aktuell gerade einmal 150 Euro je Tonne Weizen bekommen und Milchbauern ihre Vollkosten auch bei leichtem Preisanstieg nicht decken können, erscheinen 59 Milliarden Euro Investitionsversprechen als unseriös. Es ist die Größe, die verdächtig macht. Und das schlechte Image von Monsanto. Als Begründung für den negativen Umweltpreis führt der NABU die Monopolisierung an. Gemeinsam beherrschen Bayer und Monsanto ein Viertel des weltweiten Marktes für Pflanzenschutzmittel, bei Saatgut sind es 30 Prozent. In dieser Größenordnung macht die Geschäftsidee skeptisch. Saatgut und Pflanzenschutzmittel werden im Paket verkauft. Dieses Modell wirke negativ auf die Landnutzung, die Bio-Ökonomie, die landwirtschaftlichen Erzeugung und die bäuerlichen Selbstbestimmung. Bayer und Monsanto bestimmten, was die Landwirte anbauen und verengten auch die Forschung.

Bayer gehe einen sehr schweren Weg, sagte Tschimpke. Die beiden Unternehmenskulturen seien nicht vereinbar und das weltweit schlechte Image des US-Konzerns ein Klotz: „Bayer täte es gut, wenn sie Monsanto nicht hätten!“

Beide Firmen konzentrierten zudem die Sammlung von Daten aus dem Farming 4.0 und steigerten damit die Abhängigkeit der Landwirte. In den Entwicklungsländern könne sich eine ökologische Landwirtschaft kaum mehr entwickeln. Saatgut und Pflanzenschutzmittel auf Flächen bis zu zwei Hektar eingesetzt, kontaminierten auch die Nachbarflächen.

Die Begründung für den „Dinosaurier 2016“ liegt auf dem Schwerpunkt des Geschäftsmodells. Die neuen Züchtungsmethoden sind noch gar nicht als  „Gentechnik“ eingestuft und könnten von Kleinen und Mittleren Züchtern in Entwicklungsländern für eine eigenständige und unabhängige Sortenverbesserung eingesetzt werden. Gegenüber Herd-und-Hof.de weicht Tschimpke aus. Die Fusion von Bayer und Monsanto folge der allgemeinen Logik der Monopolisierung, wie bei Tengelmann [1].

Lesestoff:

[1] Der lange Schatten der Gentechnikdiskussion: https://herd-und-hof.de/landwirtschaft-/welche-chancen-hat-genom-editing.html

Auf dem Düngemarkt fusioniert gerade die US-Firma Mosaic mit dem brasilianischen Bergbauunternehmen Vale, die deutsche K+S steigt bei den Saudis Al-Biariq ein, die Düngemittel über Bewässerungsanlagen verteilen (Fertigation), und im Chemiemarkt fusionieren auch DuPont und Dow Chemical sowie Chemchina und Syngenta.

Roland Krieg; Foto: roRo

Zurück