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Wie schwer ist der Isofluran-Sachkundelehrgang?

Landwirtschaft

IGS argwöhnt, Veterinäre setzen Schwierigkeitsgrad rauf

Jetzt führt am Ende der betäubungslosen Kastration kein Weg mehr vorbei. Konventionelle und ökologische Betriebe bekamen noch einmal eine Galgenfrist von zwei Jahren, um sich auf einen der vier möglichen Wege vorzubereiten. Eine Lösung ist die Betäubung vor der Kastration mit Isofluran. Damit Landwirte das auch ohne Tierarzt nutzen können, müssen sie einen Sachkundelehrgang absolvieren [1].

Lehrinhalte

In den Lehrgänge lernen die Landwirte alles über rechtliche Vorschriften, die Anatomie, Grundlagen über das Verhalten des Schweins, sowie speziell Grundlagen und Kenntnisse über die Schmerzausschaltung Entsorgung von Medikamenten, das Erkennen von Narkosezwischenfällen und schließlich die Praxis der Inhalations-Narkose an den mittlerweile zertifizierten Geräten erlernen. Die Anschaffung der Geräte wurde bis Ende September gefördert. 

Zu dieser Zeit absolvierten Thüringer Schweinehalter den lang ersehnten ersten Sachkundelehrgang. Für den Abschluss musste eine Multiple-Choice-Prüfung bestanden werden. Von 48 Fragen waren 40 richtig zu beantwortet. Pro Sachblock durfte nur eine Frage falsch beantwortet werden.

Das Ergebnis

Die Vorgaben entsprachen mit einer Fehlerquote von maximal 17 Prozent deutlich unter dem üblichen Rahmen vergleichbarer Lehrgänge, doch die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Thüringen (IGS) hat sich bitter beklagt. Von 17 Teilnehmern hat nur einer bestanden. Alle anderen müssen die Prüfung wiederholen. Als Grund führt die ISG die auffallend hohe Diskrepanz zwischen Lehr- und Prüfinhalt an, sowie Antwortvorgaben, die „fachlich nicht ganz korrekt waren“ waren. Zumindest gebe es Antworten, die Veterinäre und Landwirte unterschiedlich beantworten, teilte eine Sprecherin der IGS mit.

Am 15. Oktober findet die Nachprüfung statt. Zur Prüfungsvorbereitung werden der überarbeitete Fragenkatalog ausgeteilt und wieder 48 Fragen für die Prüfung zusammengestellt. Wer besteht, hat noch ausreichend Zeit, seinen Betrieb bis zum Jahresende auf die neue Zeit für die Ferkelkastration vorzubereiten.

Der für die Prüfung zuständige Veterinär beim Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt in Erfurt, antwortete per E-Mail, dass „das Gesamtergebnis der theoretischen Prüfung zur Erlangung der Sachkunde nach Ferkelbetäubungssachkundeverordnung unerwartet schlecht ausgefallen ist. Über die Gesamtgruppe der Geprüften waren die Defizite der Kenntnisse in den verschiedenen Themenkomplexen so erheblich, dass von ausreichenden Kenntnissen im Sinne der Verordnung nicht die Rede sein konnte.“

Amtsleiter Dr. Ulrich Kreis bestätigte aber auch, dass Antworten bei einzelnen Fragen „auch missverstanden werden“ konnten. Das habe sich auf das Gesamtergebnis direkt ausgewirkt. Die Prüfung vom 01. Oktober wurde nicht gewertet und findet „unter den erleichterten Bedingungen“ am 15. Oktober statt. Dr. Kreis glaubt aber nicht, dass die Erfolgsquote bei 100 Prozent liegen werde.

Lesestoff:

[1] Praxis Agrar der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)  hat die Ansprechpartner für die Sachkundelehrgänge als auch die erlaubten zertifizierten Isofluran-Geräte aufgelistet: https://www.praxis-agrar.de/tier/schweine/alternativen-zur-betaeubungslosen-ferkelkastration/informationsveranstaltungen-und-sachkundelehrgaenge/

Roland Krieg

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