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Wie viel Cadmium soll in Dünger erlaubt sein?

Landwirtschaft

Bei Cadmium in Düngemitteln gehen die Ansichten auseinander

Europaparlament in Bruessel

Im Rahmen der Kreislaufwirtschaft wird in Brüssel an einer Verordnung gefeilt, die Dünger mit einem CE-Kennzeichen für den Binnenmarkt bereitstellt. Der Düngemittelmarkt ist groß. Der jährliche Umsatz wird auf 20 bis 25 Milliarden Euro geschätzt und die Unternehmen beschäftigen rund 100.000 Angestellte. 90 Prozent der Firmen gehören dem so genannten Mittelstand an.

Düngemittel mit einer CE-Kennzeichnung sind für den gemeinsamen Markt zu gelassen und gehen auf die Verordnung 2003/2003 EG zurück. Es werden bislang nur mineralische Düngemittel aus Primärrohstoffen gekennzeichnet. Im letzten Jahr hat die Kommission einen Legislativvorschlag im Rahmen der Kreislaufwirtschaft vorgelegt, der auch Düngemittel aus Sekundärrohstoffen, also organische Dünger und Kompost umfassen soll. Außerdem sollen Grenzwerte für Schwermetalle und Schadstoffe festgelegt werden.

Am Montag diskutierte der EU-Umweltausschuss über die Verordnung. Die italienische Berichterstatterin Elisabetta Gardini von der EPP berichtet über eine allgemein positive Haltung zu dem Entwurf, wenngleich mit mehreren Hundert Änderungsanträgen, das Ziel noch weit entfernt ist. Kompromisse liegen beispielsweise bei den pathogenen Erregern für bestimmte Grenzwerte vor, die allerdings bei importierten Düngemitteln an der Grenze zu wenig kontrolliert würden. Für die Verwendung von Biokohle und Asche als Dünger sei ebenfalls eine Bereitschaft aller Mitgliedsstaaten vorhanden, zumal einige Länder schon in der nationalen Gesetzgebung sind.

Weit auseinander gehen allerdings die Meinungen zu Cadmium (Cd) in Düngemitteln. Dieser krebserregende Stoff ist vor allem in Phosphathaltigen Mineraldüngern in einer Spannbreite von 10 bis 200 mg Cd je Kilo Phosphor (P2O5) enthalten. Die Höhe hängt vom Standort ab, wo der Rohstoff gewonnen wird [1].Die Kommission will den Höchstgehalt auf 60 mg/kg begrenzen und innerhalb von drei Jahren aus 40 mg senken. Damit läge die EU unter den Grenzwerten in Japan, Kalifornien, Australien und Neuseeland.  Schweden und Finnland haben bereits vor 30 Jahren den Grenzwert auf 40 mg festgesetzt. Hingegen unterstützt Julie Girling von den britischen Konservativen den Kommissionsvorschlag.

Wie und ab welcher Zufuhr in den Boden Cadmium akkumuliert, ist wissenschaftlich offen. Dennoch hat die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA 2012 Lebensmittel als wichtigste Cadmiumquelle für die menschliche Aufnahme ausgemacht. Vor allem über Getreide und Wurzelgemüse nehmen die Konsumenten den Stoff auf [2]. Die Empfehlung: Trotz nicht ermittelter negativer Effekte sollte die Exposition Cadmium weitestgehend reduziert werden.

Die Kommission hat aber noch andere Sorgen. Änderungsanträge, die sich auf die Kreislaufwirtschaft beziehen, finden ihre Unterstützung. Aber die Verordnung solle kein Hintertürchen für Stoffe werden, die als Pflanzenschutzmittel abgelehnt oder in der Chemikalienverordnung nicht zugelassen werden. Dabei geht es um beispielsweise pflanzliche Extrakte, die doppelt Verwendung finden könnten“. Als Pflanzenschutz- oder als Düngemittel.

Lesestoff:

[1] Wirtschaftsdünger haben Vorteile beim Uran-Gehalt: https://herd-und-hof.de/ernaehrung-/uran-wiso-waermt-auf.html

Grenzwert für Uran in der Trinkwasserverordnung: https://herd-und-hof.de/ernaehrung-/neue-trinkwasserverordnung.html

[2] EFSA Journal Vol 10, Issue 1 18, Jan 2012 http://onlinelibrary.wiley.com/journal/10.1002/(ISSN)1831-4732

Roland Krieg

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