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Wie viel Rundholz exportiert die Ukraine in die EU?

Landwirtschaft

Unterschiedliche Mengenangaben zwischen der EU und der Ukraine

Die Karpaten. Schwer zugängliches Gebiet, wenig Besiedlung und ausgedehnte Wälder. Braunbären, Wölfe und Luchse, vereinzelt sogar Vampire, sind in dem europäischen Mittelgebirge beheimatet. Das albanische „Karpe“ (Fels) steht genauso Pate für den Namen wie das gleichnamige Volk im zweiten Jahrhundert nach Christus. Neben den Alpen bilden die Karpaten mit ihrem Bogen von Tschechien über die Ukraine bis nach Serbien eins der bestimmenden Gebirge Europas.

Die niedrigeren Höhen bis 2000 Meter sind bewaldet. Noch. Seit 2016 mehren sich Regionalberichte über eine zunehmende Entwaldung der Karpaten. Ganze Züge illegal geschlagenen Holzes fahren Rundhölzer ins Ausland. Vor allem in die EU. Vergleiche in der Ukraine zeigen 2013 noch bewaldete Kuppen im Gebiet von Iwano-Frankwisk. Jetzt ist die Kuppe kahl. Der Holzeinschlag im Kreis Meschhirja lag zu diesem Zeitpunkt bei etwa 40.000 Kubikmeter Holz im Jahr. Drei Jahre später waren es bereits 100.000 Kubikmeter, sagen lokale Abgeordnete. Umweltorganisationen warnen vor Erdrutschen, Überflutungen und Austrocknen der Böden.

Neben Tschechien ist die Ukraine der größte Rundholzversorger Europas. Doch schon 2015 hatte der ukrainische Präsident Petro Poroschenko einen Ausfuhrstopp gegen den Kahlschlag erlassen, von dem lediglich Kiefernholz ein Jahr lang ausgenommen war. Das meiste ukrainische Holz geht nach Österreich.

Auf den ersten Blick hat das gewirkt. Die ukrainische Statistik weist für 2016 noch Rundholzexporte von 840.000 Tonnen in die EU aus, im letzten Jahr waren es nur noch 2.000 Tonnen. Oder besser: Sollen es gewesen sein. Das Statistische Amt der EU kommt zu ganz anderen Zahlen. 2016 sollen es 1,315 Millionen Tonnen Rundholz gewesen sein und im letzten Jahr noch immer 477.000 Tonnen.

Nach Meldungen des Deutsch-Ukrainischen Agrarpolitischen Dialogs (APD) will die EU-Kommission Klarheit über die Herkünfte des Holzes und hat Hilfe bei der Überwachung gegen illegalen Holzeinschlag angeboten. Der EU gehe es um die Aufhebung des zehnjährigen Moratoriums, weil es dem Assoziierungsabkommen mit der Ukraine widerspreche. Dafür müsste aber bewiesen werden, dass es keine übermäßigen Holzeinschläge gibt. Seitens der Ukraine gibt es kaum Anzeichen für ein Auslaufen des Exportstopps.

Roland Krieg

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