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Wie wirkungsvoll ist Regenwaldpolitik?

Landwirtschaft

Studie zur Wirkung der EU-FLEGT-Politik

Mit 624 Millionen Hektar Wald befinden sich rund 15,6 Prozent der weltweiten Wälder auf dem afrikanischen Kontinent. Zwischen 1990 und 2015 sind 81,6 Millionen Hektar der afrikanischen Wälder verschwunden. Das entspricht rund 60 Prozent des globalen Waldverlustes. Die Erhaltung von Wälder ist nicht nur ein Thema der Entwicklungspolitik, sondern vor dem Hintergrund des Klimawandels von essentieller Bedeutung, weswegen die EU seit Jahren eine aktive Politik zur ressourcenschonenden Waldbewirtschaftung und gegen den illegalen Holzeinschlag fährt. Wie wirksam die Politik ist, zeigt eine aktuelle Studie des World Agroforestry Centers in Nairobi (ICRAF). Zusammen mit der ASB Partnership for The Tropical Forest Margins Kenya werteten Experten die Forstpolitik afrikanischer Länder inklusive eine Studienreise nach Kamerun aus [1]. Die Studie wurde am Montag im EU-Entwicklungsausschuss vom ICRAF-Politikberater Patrick Worms vorgestellt.

FLEGT, Holzverordnung und Waldentwicklung

Einer der wichtigsten Gründe für die Zerstörung des Regenwaldes ist der illegale Holzeinschlag. Dagegen hat die EU bereits 2003 den Aktionsplan „Forest Law Enforcement, Governance and Trade“ (FLEGT) aufgelegt. Kern sind „Voluntary Partnership Agreements“ (VPA) mit einzelnen Ländern. Im Jahr 2013 folgte die Holzverordnung, die den Handel mit illegalem Holz in die EU unterbinden will [2].

Die Autoren der Studie kommen zu dem Schluss, dass sowohl FLEGT als auch die Holzverordnung in den Bereichen Transparenz und Glaubwürdigkeit positive Effekte haben. Aber in den Bereichen der nachhaltigen Bewirtschaftung und Verbindungen zu REDD+ (Reducing Carbon Emissions from Deforestation and Forest Degradation) sowie Aufbau von Managementstrukturen zeigten die Politiken keine Wirkung. Und das in einer Zeit, in der Holz stärker denn je und vermehrt aus China nachgefragt wird.

Forstdaten Afrika

Hauptprobleme

Der illegale Holzeinschlag ist einer der größten Bedrohungen für die nachhaltige Bewirtschaftung von Wäldern und führt zu Einkommensverlusten der Staaten. Weltweit wird der Schaden jährlich auf 10 Milliarden US-Dollar geschätzt. Die Hälfte davon sind Verluste für die Staatskasse. Nach Patrick Worms werden illegale Holznutzungen durch die Masse einzelner oder kleiner Gruppen mit einfachen Kettensägen verursacht und nicht durch Einschlag im großen Stil. In Ghana wird der illegale Einschlag auf 30, in Kamerun auf 50 bis 60, in Gabun auf 70 und in Benin und Nigeria auf 80 bis 90 Prozent geschätzt. Alleine Kamerun gehen jährlich 4,5 Millionen Euro Holzeinnahmen verloren. In Gabun sind es 8,5 und in Ghana sogar 32 Millionen Euro.

Die zweitwichtigste Ursache für den Holzverlust sind Korruption bei der Vergabe von Einschlaglizenzen und mangelnder Transparenz über die Herkunft gehandelten Holzes. 95 Prozent der afrikanischen Wälder sind im Besitz der Regierungen und Kommunen. In Kamerun besitzt der Staat alle Wälder, während die Kommunen die Nutzungsrechte besitzen. In Ghana besitzen die Landeeigner die Bäume erst, wenn sie diese selbst gepflanzt haben.

Es gibt kaum Managementpläne für die Waldbewirtschaftung. Das liegt vor allem an der kaum vorhandenen Datenlage über den Zustand der Wälder. Waldnutzungsrechte indigener Völker werden kaum beachtet. In Kamerun hat sich gezeigt, dass die verschiedenen Politikressorts wie Wirtschaft, Soziales und Landwirtschaft ihre Politik nicht miteinander abstimmen. Gleichwohl sei ein Waldgesetz in Planung.

In der EU sei die Holzverordnung zu schwach ausgestaltet. Ausreichend Personal und die Verhängung von Sanktionen gegen illegalen Holzhandel spreche überwiegend die Niederlande aus.

Empfehlungen

Um die Rechte der indigenen Völker zu berücksichtigen sollte die Definition des „legalen Holzeinschlages und Handels“ breiter gefasst werden, heißt es in der Studie. Die EU solle mit FLEGT-Vereinbarungen China mit ins Boot holen, weil dort die Nachfrage nach Holz immer größer wird und sich ein Schlupfloch für die europäischen Bemühungen ergibt

Der Aufbau heimischer Holzmärkte könnte die nachhaltige Nutzung befördern und den illegalen Holzeinschlag erschweren. Dazu müssen jenseits von Monitoring, Rückverfolgbarkeit und Datenübersicht Verwaltungsbehörden mit ausreichend Personal aufgebaut werden.

Der EU wird eine Vorreiterrolle für den weltweiten Handel mit Holz zugesprochen. Im Rahmen der Sustainable Development Goals sollten die Zertifizierungen und sozialen Standards für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung verschärft werden.

Lesestoff:

[1] Transparent and Accountable Management of Natural Resources in Developing Countries:; The Case of Forests; DG for External Affairs, 2017, doi:10.2861/308781 (PDF). Will be published soon under http://www.europarl.europa.eu/thinktank/en/home.html

[2] www.flegt.efi.int

http://ec.europa.eu/environment/eutr2013/index_de.htm

Roland Krieg

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