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Wiegenland der Nachhaltigkeit

Landwirtschaft

BfN fordert mehr Nachhaltigkeit in der Landnutzung

Die „Nachhaltigkeit“ feiert in diesem Jahr ihren 300. Geburtstag. Der Begriff geht auf Hans Carl von Carlowitz zurück, der mit dem neuen Wort in seinem Werk „Sylvicultura oeconomica“ vor allem die Forstwirtschaft im Sinn hatte. Und da vor allem die Ökonomie. Heute wird der Begriff inflationär genutzt und längst nicht nur auf die Forstwirtschaft bezogen. Prof. Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) nahm das Jubiläum zum Anlass, den Begriff einmal unter die naturschutzfachliche Lupe zu nehmen. Einige Ideen von Carlowitz, wie das Anpflanzen schnellwachsender Bäume, werden heute kritisch hinterfragt.
Prof. Jessel wehrt sich vor allem gegen die eindimensionale Nutzung des Jubiläumsjahres. Es geht nicht nur um den Forst. Die Fortführung der 300-jährigen Betrachtung werde den gesellschaftlichen Herausforderungen nicht gerecht. Deutschland als „Wiegenland der Nachhaltigkeit“ müsse seiner Vorreiterrolle in der Welt gerecht werden. Carlowitz diene mit seiner Wortschöpfung noch heute als Impulsgeber für Technologie und Reform.

Forstwirtschaft

Im Zuge der Energiewende stehen Altersklassenwälder zur Intensivierung der Holzproduktion wieder auf der Agenda. Wesentliche Elemente einer Weiterentwicklung sei aber ein integrativ-naturverträglicher Waldbau mit standortheimischen Mischwäldern und dem Vorrang einer Naturverjüngung bei kahlschlagfreien Ernteverfahren. Im Zuge des Artenschutzes müssen fünf Prozent der Wälder ohne forstliche Nutzung neue Biotope schaffen.

Landwirtschaft

Vor dem Hintergrund der Reform der europäischen Agrarpolitik sei das Greening zu begrüßen. Die Bindung der Direktzahlungen an gesellschaftliche Leistungen legitimiere die Gelder: „Eine andere Rechtfertigung für derartige Subventionen gibt es nicht mehr“, so Jessel. Die Agrarpolitik sei das politische Instrument, dass sich am stärksten auf die biologische Vielfalt im ländlichen Raum auswirke.

Erneuerbare Energien

Die Forcierung der erneuerbaren Energien sei richtig gewesen, habe jedoch negative Auswirkungen hervorgebracht, die korrigiert werden müssen. Anlagen müssten künftig auf ihre Naturverträglichkeit hin überprüft werden. Das betrifft die Standortwahl für Windräder und Hochspannungsleitungen genauso wie die Eingrenzung des intensiven Biomasseanbaus. Auf den Prüfstand gehöre auch die Verbrennung von Holz in Kleinfeuerungsanlagen. Der wertvolle Rohstoff müsse zunächst stofflich genutzt werden. Jessel betonte, dass die Forderungen kein Widerspruch zur Ausweitung der erneuerbaren Energien sind.

Lösungspool

Ein Schlüssel für die moderne Interpretation des Begriffes „Nachhaltigkeit“ ist die „Inwertsetzung“ von gesellschaftlichen Leistungen. In fast jedem Sektor gibt es Produktionsweisen, die vorbildlich am Nachhaltigkeitsdreieck „Sozial, ökonomisch und ökologisch“ arbeiten. Dennoch bildet die Vielzahl der Einzelfälle noch keinen generellen Umschwung. Der Staatsforst ist verpflichtet, schwarze Zahlen zu schreiben und richte sich derzeit auf die Parameter Ertrag je Hektar aus. Pluspunkte für den Schutz von Trinkwasser würden eine forstliche Umkehr bedeuten. in Bremen und Rostock können die Bürger über die Gestaltung des Stadtwaldes bereits mitentscheiden.
Doch während es einen Pool an Lösungen gibt, fehlt es noch immer an einem Pool für die Umsetzung. Der Staatswald alleine wird die Nachhaltigkeit nicht erfüllen. Doch allmählich überdenken auch private Forstbetriebsgemeinschaften ihre Einschlags- und Aufwuchspolitik. Die Mittel für eine neue Berechnung sind da: Eine neue Überschwemmungsfläche an der Elbe besitzt die Filterkraft einer neuen Kläranlage. Den Kosten für die Hochwasserschutzanlage müssten die Einsparungen für den Bau der Kläranlage gegen gerechnet werden.

Lesestoff:

Das Projekt TEEB berechnet den Nutzen der Natur für die Menschen

Leitindikatoren für ein neues Wohlstandsmodell

Roland Krieg

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