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„Wir alle sind Grüne Woche“

Landwirtschaft

Agrar- und Ernährungsindustrie vor der IGW

Kroatien ist Partnerland der IGW 2020

Am kommenden Freitag öffnet die 85. Internationale Grüne Woche seit ihrer Erstausgabe vor 92 Jahren wieder die Messetore unter dem Berliner Funkturm. Vom 17. bis zum 26. Januar wartet die größte Verbrauchermesse für Landwirtschaft und Ernährung mit neuen Rekorden auf. Erstmals kommen mehr als 1.800 Aussteller nach Berlin, sind mehr als 70 Länder vertreten und haben 36 davon Länderbeteiligungen für ihre Aussteller organisiert.

Erneut kommen wie zu keiner anderen Veranstaltung mehr als 70 Agrarminister für den Erfahrungsaustausch auf kurzem Wege nach Berlin und in der Halle 1.b sind erstmals 14 afrikanischen Staaten mit ihren Exportmöglichkeiten versammelt.

Neben dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft sowie dem für Umwelt und Naturschutz hat vor einigen Jahren auch das Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit seine Ausstellungsmöglichkeiten genutzt. Jetzt kommt mit dem Forschungsministerium das vierte Ministerium aus Berlin auf das Messegelände.

Die Grüne Woche ist längst mehr als nur Erlebnisbauernhof mit regionalen Schmankerln aus den Bundesländern. Im vergangenen Jahr war Finnland Partnerland der Grünen Woche und hat seine Exporte nach Deutschland in den fünf Monaten danach um 48 Prozent steigern können. Von welchen Mengen Kroatien träumt, wird noch berichtet. Das Land auf dem Balkan startete mit der Ratspräsidentschaft in das Jahr 2020 und präsentiert sich als Partnerland in der Halle 10.2. Eine große Chance, denn welche kroatischen Lebensmittel außer Wein sind im deutschen Lebensmitteleinzelhandel vertreten?

IGW 2020

Das lassen sich auch die Russen nicht nehmen und finden mit rund 5.000 Quadratmeter zurück zu alter Stärke. Im Rahmen der politischen Spannungen durch die Annexion der Krim hatte Russland einige Jahre seine Präsenz auf der IGW zurückgezogen. Benin, Mali, Togo, Uganda sowie die Demokratische Republik Kongo sind erstmals auf der IGW dabei. In der Berlin-Halle hat die Bewegung „Fridays for Future“ einen Stand aufgebaut.

Es geht also auch um die Verbraucherpolitik. „Wir sind alle Grüne Woche“, sagte Christoph Minhoff von der Bundesvereinigung der deutschen Ernährungsindustrie (BVE). Die Prognose von 183,6 Milliarden Euro Jahresumsatz in 2019 liegt um zwei Prozent über der des Vorjahres. Zurück sind die Umsätze beim Export. 61,4 Milliarden Euro wurden bei grenzüberschreitendem Handel erwirtschaftet. Das Plus resultiert aus Asiengeschäften, aber nicht alleine aus der verstärkten Nachfrage der Chinesen nach Schweinefleisch.

Der Ernährungsindustrie bildet die Berliner Politik zu viele Runde Tische und vermisst die Aktivität der Regierung. Die Zielkonflikte sind bekannt – So stehen sich Lebensmittelsicherheit und Lebensmittelverpackung gegenüber, die Prozesse für faire Lieferketten vergehen zu langsam, der europäische Green Deal stelle auch die Ernährungsindustrie vor finanziellen Herausforderungen und die Forschung sei für den Ernährungsbereich unterdurchschnittlich ausgestattet.

Brexit und Mercosur bedrohen die Exportindustrie. Gegen das Freihandelsabkommen mit den USA (TTIP) demonstriere heute niemand mehr, aber die Unsicherheit auf den Weltmärkten wachse. Minhoff sprach auch über die von nahezu allen Akteuren geforderten höheren Preise im Handel. Dieser biete den Verbrauchern mit  170.000 ständig verfügbaren Produkten in allen Preisklassen genug Auswahl für die Realisierung jeglichen Lebensstiles.  Eine generelle Preiserhöhung dürfe die 1,6 Millionen Menschen mit Transferzahlungen nicht alleine lassen. Der Preis bilde sich am Markt.

Ganz so positiv sieht das Bauernpräsident Joachim Rukwied jedoch nicht. Wer in den Stallbau investiert, tilgt die Investition erst nach 20 bis 25 Jahren. Die Unsicherheit über gesellschaftliche Anforderungen lassen die Landwirte zögen. Nur noch jeder Dritte ist bereit in den nächsten sechs Monaten Geld in die Hand zunehmen. Und selbst auf dem Markt für Schlachtschweine sind die 2,00 Euro pro Kilo Schlachtgewicht vom Vorrücken der Afrikanischen Schweinepest bedroht.

Im Vorfeld der Grünen Woche wiederholte Rukwied seine Aussagen vom Bauerntag in Leipzig: „Die GAP muss grüner werden.“ Wie ist aber angesichts der Vielfalt an Demonstrationen noch immer nicht geklärt. Das wichtigste Fazit für Rukwied ist, dass Ergebnisse nur gemeinsam erzielt werden können. Der Deutsche Bauernverband stehe für vertiefende Gespräche bereit, sagte der Präsident.

Roland Krieg, Fotos: roRo

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