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„Wir müssen die Welt ernähren“

Landwirtschaft

Künftiger Konsum eine Lobbyfrage?

Die Biobranche ist mit der Grünen Woche zufrieden. Die Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg sieht in der Grünen Woche eine „unverzichtbare Plattform“ für Bioprodukte. „Slow Baking“ und Heumilch sind Publikumsrenner und laufen den konventionellen Produkten in Sachen Attraktivität den Rang ab. Gerade die Brandenburghalle versteht es, dem Besucher mittels regionaler Produkte, die Aufgaben des ländlichen Raums näher zu bringen.

Lernen was man braucht
Im letzten Jahr summierten sich Welternährungsgipfel und Klimagipfel zu einem Horrorszenarium, aus dem scheinbar nur der Weg in die Intensivierung der Landwirtschaft herausführt. Nach Bioland-Präsident Thomas Dosch ist das „eine plumpe Alternative“. Konventioneller und ökologischer Landbau seine keine Fußballspieler, die gegeneinander antreten.
Prof. Dr. Theo Rathmann vom Johann Heinrich-von-Thünen Institut stellte klar: „Landwirtschaft ist grundsätzlich klimaschädlich!“. Um die Dinge näher zu betrachten müssen komplexe „Hoftor-Bilanzen“ erstellt werden, die Wechselwirkungen zwischen Boden, Tier, Pflanze und Management. „Maul bis zum Hintern“-Modelle reichen für eine ganzheitliche Betrachtung nicht aus. Derzeit werden 40 ökologische und 40 konventionelle Betriebe auf „Klimakiller“ hin untersucht, um standortspezifisch die beste Wirtschaft herauszufinden.
Die Verdoppelung der Getreideproduktion zwischen 1960 und 2000 habe den Kunstdüngereinsatz erhöht. Und zwar um den Faktor acht, so Prof. Dr. Hans Herren, Mitautor des Weltagrarberichtes. Der Einsatz von Bewässerung und Pflanzenschutzmittel stieg jeweils um das Vierfache. Daher werde auch eine zweite grüne Revolution nicht zum Ziel führen, da sie auf einen hohen Energieeinsatz basiere.

Konsumdebatte erforderlich
Bioland hatte im vergangenen Oktober einen Hintergrundbericht herausgebracht, der in Abhängigkeit von verschiedenen Strategien, wie dem Verzicht auf Fleisch, das Vermeiden, Lebensmittel wegzuwerfen oder dem Ausstieg aus der Biomasseproduktion, große Flächen für den Ökolandbau frei gibt. Aber, so grenzt Prof. Rahmann ein: „Abgesehen vom Konsum, hat die Landwirtschaft nur beschränkte Chancen klimafreundlich zu produzieren.“
Vor der Grünen Woche äußerte sich Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner kritisch gegenüber dem hohen Fleischkonsum. Ein Jahr vorher wäre Dr. Andreas Troge, damals noch Präsident des Bundesamt für Naturschutz, für die gleiche Aussage „fast gelyncht“ worden, so Dosch. Das zeige, dass die Frage des Konsums und der Landbewirtschaftung eine „Machtfrage“ sei. Da die bayrische Ministerin einen Posten auf Bundesebene besetze, fallen die Kritiken zu ihrer Aussage verhalten aus.
Aber offenbar ist die Konsumdebatte bereits im Gang. Subkutan in der Gesellschaft. Die Frugalisten, die Dr. Eike Wenzel vom Zukunftsinstitut Kelkheim ausgemacht hat, nutzen schon die „neue Armut“, sich ökomodern zu etablieren.
So hat die Grüne Woche auch ein Wort hervorgebracht, welches die Alternative zum „garstigen“ Verzicht werden kann: „Lernen, was man braucht.“

Roland Krieg

[Sie können sich alle Artikel über die diesjährige Grüne Woche mit dem Suchbegriff „IGW-10“ anzeigen lassen]

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