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"Wir wollen zu Hause bleiben!"

Landwirtschaft

Jubiläum am Seddiner See für Brandenburger Landfrauen

Am vergangenen Freitag hat der Landfrauenverband Brandenburg mit viel Prominenz sein 15jähriges Dienstjubiläum gefeiert.

Mut zum Aufbruch
Landesvorsitzende Jutta Groß erinnerte sich an die Zeit vor 15 Jahren, als kurz nach der Wende noch 179.000 Menschen in der Brandenburger Landwirtschaft beschäftigt waren. 145.000 haben danach ihre Arbeit verloren und 40 Prozent davon waren Frauen. Auch Agrarminister Dr. Dietmar Woidke erinnerte sich an seine Zeit im Amt Forst. Als innerhalb von zwei Jahren die gesamte Tuchindustrie verschwand und die Bundesrepublik drauf und dran gewesen ist alle großen Agrarbetriebe im Osten zu schließen und Familienbetriebe zu errichten.
Aus einem Arbeitskreis heraus hatte sich zwei Jahre nach der Wende mit 329 Frauen der Landesverband gegründet, der bis heute über 1.200 Frauen vereint. Flächendeckend in 11 Kreisen und 60 Ortsverbänden. Jutta Groß nennt das nächste Ziel: 1.500 Mitglieder in 85 Ortsverbänden.

„Nebenher sich für andere engagieren“
Die Zeiten sind heute nicht leichter geworden, die Probleme nur anders, sagte Woidke. Die Landfrauen haben eine märkische Identität geschaffen, würdigt er deren Arbeit. Die Probleme des ländlichen Raumes könne man nur gemeinsam lösen und die neue Förderperiode bis 2013 müsse zeigen, wo das Bundesland vorwärts komme. Es müssen Arbeitsplätze vor allem für junge Menschen geschaffen werden, damit sie wieder eine Perspektive haben, auf dem Land zu bleiben. Ein Schulweg von eineinhalb Stunden Weglänge sei daher jedoch nicht akzeptabel.
Demzufolge sind auch die Aufgaben der Landfrauen sehr vielfältig. Meist sind ihre Ergebnisse fleißiger Arbeit im Erntekronenwettbewerb oder als Botschafterin für märkische Produkte nur auf der Sonnenseite zu sehen. Neben der Brauchtumspflege gehören jedoch Beratungen für die ländliche Entwicklung oder die Organisation von Fahrdiensten im Grenzgebiet zu Polen zu den Diensten, die leicht übersehen werden. Doch genau dieses macht die Lebensqualität auf dem Lande aus.
So sind die Brandenburger Frauen nicht nur in der Familie und noch auf dem Hof tätig, sondern engagieren sich im größten Frauenverband des Landes in ihrer Freizeit zusätzlich – für andere. Daher sei es enttäuschend, so Jutta Groß, dass es für die Entlohnung des Engagements nur einen kleinen Freibetrag und keine Übungsleiterpauschale gebe. Zumindest gebe eine Sachkostenentschädigung aus dem Agrarministerium.

Das Land lebt
Man brauche keine Expertisen, dass Umzugsprämien für Regionen mit wenig Bevölkerung, wirtschaftlich besser seien, gab Groß die Hauptaufgabe der nächsten Jahre vor: „Wir wollen zu Hause bleiben!“.
Dagmar Ziegler, Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Familie ist noch deutlicher. Solche Studien seien „für den Papierkorb“ und „ein kontraproduktives Machwerk“.
Gemeint ist die von der Landesregierung in Auftrag gegebene Studie des Berliner Instituts für Bevölkerung aus Berlin über die demografische Entwicklung und des Auslaufens des Solidarpakts im Jahr 2019.

Die „Umzugsprämie“ im Wortlaut:
„Um Aufwendungen für die verbleibenden Schwundstandorte so gering wie möglich zu halten, muss das Land versuchen, die Menschen dort, wo kein anderer Impuls möglich ist, zum Abwandern motivieren. Dies könnten etwa Prämien für das Verlassen einer sich entleerenden Region sein, die einen bestimmten Anteil des dort pro Einwohner und Lebenszeit im Schnitt eingesetzten Unterhaltungsbeitrages entsprechen. ... Solche Maßnahmen werden jedoch wenig populär sein und möglicherweise sogar Widerstand in der Bevölkerung hervorrufen.“
aus dem Gutachten, S. 30

Dagmar Ziegler mahnte aber auch, dass das Land Zuwanderung brauche und appellierte, Zugezogene in die Gestaltung der Region einzubeziehen. Man sei auf andere Lebensphilosophien angewiesen. Die Studie „Das soziale und aktive Dorf“ in Mecklenburg-Vorpommern hatte bereits gezeigt, dass die Integration der neuen Dorfbewohner ein wichtiger Bestandteil des dörflichen Erfolgs ist und die Landwirtschaft nicht unbedingt dazu gehören muss.
Das Arbeitsministerium will zusammen mit dem Agrarministerium demnächst in einem Workshop Ideen für „Altern im ländlichen Raum“ sammeln, kündigte Woidke an. Wesentlicher Bestandteil werden die Landfrauen sein.

Lesestoff:
Die Landfrauen im Internet finden Sie unter: www.brandenburger-landfrauen.de.
Das „Gutachten zum demografischen Wandel in Brandenburg“ wurde vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung vorgelegt: www.berlin-institut.org

Roland Krieg

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