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Wölfe, Luchse und Gänse

Landwirtschaft

Badische Bauern wollen keine Luchse

Wölfe, Luchse, Wildgänse, Biber, Fischotter und Kormorane: Was einerseits eine wilde Natur mit zahlreichen Arten symbolisiert, die sich ihren Platz nach ihrer Beinaheausrottung wieder erkämpft haben, ist andererseits eine Aufzählung von Quälgeistern für Land- und Teichwirte. Nachdem der Badische Landwirtschaftliche Hauptverband (BLHV) Mitte September ein Positionspapier zu Wolf und Luchs veröffentlicht hat, bekam die Berufsvertretung mehr öffentliche Aufmerksamkeit als nach der schlechten Ernte 2016 und den Dauernierigpreisen seit eineinhalb Jahren, stöhnte Michael Nödl, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des BLHV in der vergangenen Woche. Dennoch will der BLHV an seinem Ziel festhalten, mit Aufklärung und Informationen seine Interessen darzustellen [1]. Das hat auch der Landesnaturschutzverband respektiert, wenngleich er die ablehnende Haltung der Landwirte bedauere. Aber auch manche Bedenken teile.

Wolf und Luchs

Wölfe und Luchse sind streng geschützte Arten, vertragen sich jedoch nicht mit der Weidetierhaltung. „Würde Baden-Württemberg ein Lebensraum für Wölfe, wäre dieses das Aus für die Weidehaltung“, sagte Bauernpräsident Werner Räpple. Wölfe im „Ländle“ scheinen derzeit nicht das Problem. Das in Donaueschingen am 15. Mai fotografierte Tier ist seitdem nicht mehr aufgetaucht. Die Weidetierhalter in den kleinstrukturierten Schwarzwaldlagen müssten gegen Wolf und Luchs Zäune ziehen, die mindestens 90 cm hoch und gegen Untergrabung gesichert sind. Da sei für die Betriebe technisch und wirtschaftlich nicht umsetzbar, argumentiert der BLHV. Zudem sei die Zahl von erforderlichen Herdenschutzhunden nicht realisierbar und nach der Hundehaltungsverordnung, wie die Pflicht eines Unterstandes, ebenfalls sehr aufwendig. Die Unterhaltskosten schmälern zudem die niedrigen Erlöse aus der Weidetierhaltung. Sobald die Betriebe aufgeben, wachsen die offenen Grünlandflächen zu und der Lebensraum für naturschutzrelevante Offenlandarten verschwinde.

Baden-Württemberg hinkt den „Wolfsländern“ wie Brandenburg, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern hinterher. Brandenburg fördert sogar die Anschaffung von Herdenschutzhunden und die Länder haben Entschädigungslösungen für Nutztierrisse geschaffen. Der BLHV muss erst noch eine „garantierte Entschädigung“ einfordern [2].

Dafür ist das Land bei den Luchsen weiter. Im Pfälzer Wald wurden im Rahmen eines Wiederansiedlungsprojektes drei Luchse freigelassen und ebenfalls drei Luchse aus der Schweiz haben sich im Donautal bei Immendingen, im oberen Wiesental und bei Prechtal heimisch eingerichtet. Der Erregungszustand gegenüber Luchsen ist ähnlich hoch wie beim Wolf. Bis auf vier Lämmer in Elzach hat die staatliche Forstwirtschaftliche Versuchsanstalt allerdings keine Luchsrisse nachgewiesen – obwohl die Vermutung schnell geäußert wird.

Waldbauern müssen beim Wegebau die artenschutzrechtliche Unschädlichkeit des Vorhabens auf den Luchs nachweisen. Sonst kann kein wirtschaftliches Vorhaben mehr umgesetzt werden. Die Kosten desNachweis über ein Gutachten muss er selbst tragen. „Problemluchse“, die sich auf Nutztiere spezialisiert haben, sollten, so der BLHV, trotz Artenschutz „der Natur entnommen werden“ können.

Der Ruf der Wildgänse

Baden-Württemberg steht bei Wolf und Luchs in der Diskussion noch am Anfang. Wildgänse sind rund um den Schwarzwald kein Problem. Dafür aber in Rheinland-Pfalz [3]. Im Rhein-Pfalz-Kreis ist die Population an Wildgänsen im letzten Jahr erheblich angestiegen und schädigt die Grünlandnarbe. Graugans, Kanadagans und Nilgans verursachen aber auch Schäden im Gemüsebau, weswegen der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd die Ausweitung der Jagdzeiten fordert. Im Rhein-Pfalz-Kreis hat Landrat Clemens Körner jetzt einen Runden Tisch Wildgänse eingerichtet, um mit Bauern und Naturschützern über verschiedene Maßnahmen zu diskutieren. Als erste Maßnahme wurde an den Wochenenden eine Rufbereitschaft eingerichtet, die in Ausnahmefällen mündlich eine Vergrämungsjagd anordnen kann. Wegen der Langfristigkeit des Themas wird der Runde Tisch jährlich tagen.

Biberjagd in Niederösterreich

Der Biber ist ein anderes streng geschütztes Tier. Die Brandenburger Landwirte im Oderbruch fürchten ihn, weil seine Dämme und Deichunterhöhlungen ein eigenes Wassermanagement herbeiführen, das die ausgesäten Kulturen überschwemmt und das Oderhochwasser ins Binnenland lässt. Wegen des Artenschutzes sind die Landwirte derzeit hilflos.

Der Biber fühlt sich ebenfalls in den Donauauen Niederösterreichs wohl. Zwischen Tulln, Kramptal und Krems sollen rund 4.000 Biber leben. Nach ihrer Ausrottung in den1860er Jahren wurden sie gut 120 Jahre später wieder angesiedelt und wandern aus Bayern, Tschechien und der Slowakei ein. Seit 2002 arbeitet Niederösterreich zusammen mit der Universität Wien an Lösungen und Maßnahmen für Naturschutz und Landwirtschaft sowie Weinbau. Im Mai dieses Jahres wurden in einer Biberverordnung für Niederösterreich konkrete Anlässe in einer Eingriffshierarchie definiert, die Population zu begrenzen. Dazu gehört eine erforderliche Beurteilung im Vorfeld sowie Melde- und Dokumentationspflichten [4].

In Brandenburg und Bayern gebe es zwar allgemeine Ausnahmeverordnungen „sofern Gefahr für Leib und Leben bestehen“, aber sie gelten nicht in bestimmten Schutzgebieten sowie nicht ganzjährig. Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus in Mecklenburg-Vorpommern, wo rund 2.300 Biber an der Peene und der Warnow sowie rund um Usedom leben, forderte im April eine bundesweite Evaluierung des Biberschutzes und eine Anpassung in den Bundesländern. Gefahren und Schäden könnten abgewandt werden, „ohne den Bestand des Bibers aufs Spiel zu setzen“.

Fazit

Ohne Kommunikation und gegenseitiges Verständnis sind keine Lösungen zu finden. Vor allem sind es keine Einzelfälle mehr. Bei gutem Willen aber finden sich Kompromisse. Dabei sollten die Wildtiere und das Verständnis von Wildnis gemeinsam überprüft werden.

Lesestoff:

[1] Das Positionspapier Wolf und Luchs des BLHV erhalten Sie über die Seite www.blhv.de

[2] Norwegen schützt den Wolf in einem definierten Bereich und außerhalb die Nutztiere: Wolfsmanagement in Norwegen https://herd-und-hof.de/landwirtschaft-/wie-wild-ist-noch-der-norwegische-wolf.html

[3] Wildschweine und Gänse auf dem Acker https://herd-und-hof.de/landwirtschaft-/wildschweine-und-gaense-auf-dem-acker.html

Wildgänse als Schadtier https://herd-und-hof.de/landwirtschaft-/gaenseintegration-oder-entschaedigung.html

[4] Biber-Verordnung in Niederösterreich https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=LrNO&Gesetzesnummer=20001116

Roland Krieg

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