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Wohin mit dem Holz?

Landwirtschaft

Wirtschaftliche Folgen der Waldschäden

Baum von unten

Die Sturmereignisse der beiden letzten Jahre und die Trockenheit 2018 hat massive Waldschäden hervorgebracht. Anfang April hat die Situation sogar zu einem Waldgespräch im Bundeskanzleramt geführt [1]. Der Wald als Ganzes ist gefährdet und die Waldbesitzer fürchten um seine Stabilität. Viele Aufforstungen im letzten Jahr sind vor dem Winter vertrocknet und müssen wiederholt werden.

Doch seit 2017 häufen sich auch die wirtschaftlichen Sorgen. Nadel- und Laubbäume, die vom Sturm umgeworfen wurden, die ausgetrocknet gefällt werden müssen oder vom Borkenkäfer befallen sind, müssen aus dem Wald entfernt werden. Dieses so genannte Kalamitätenholz kommt zusätzlich auf den Markt und setzt die Preise unter Druck. Was sich im Wald angesammelt hat ist von Bedeutung.

Millionen Kubikmeter Kalamitätsholz

2018 gilt als das viertschwerste Schadereignis der deutschen Forstwirtschaft, schreibt das Bundeslandwirtschaftsministerium auf eine Anfrage von der FDP nach der Situation im Wald. Ein Drittel resultiert auf Sturmwürfe, zwei Drittel sind auf den Borkenkäfer zurückzuführen, dessen Tätigkeit durch die Trockenheit verstärkt wird. Allein 2018 sind 32,4 Millionen Kubikmeter Kalamitätsholz angefallen. Seit Jahresbeginn wurden weitere 13 Millionen Kubikmeter gezählt. Prognosen für das laufende Jahr erwarten ein Schadholzaufkommen auf Niveau von 2018.

Schon im Oktober 2018 meldeten die bayerischen Sägewerke eine Überversorgung mit Nadelstammholz. Tschechien hat viel Sturm- und Käferholzmengen auf den Markt geschickt. Nicht nur das Überangebot ist ein Problem. Für Käferholz gibt es Abschläge. Die Abfuhren aus den Sägewerken verzögerten sich bis zu 12 Wochen, meldete das bayerische Forstministerium. Lange Liegezeiten verschlechtern die Qualität. Um den Markt nicht zusätzlich zu belasten hatten die bayerischen Säger schon im Sommer 2018 ihren Frischholzeinschlag reduziert und Hölzer zusätzlich in Nasslager transportiert [2].

Im ersten Quartal 2019 hat der österreichische Holzmarkt schlapp gemacht. Mit Ausnahme von Lärche und starker Tanne war der Markt nicht mehr aufnahmefähig. Der Anlieferungsdruck von Sturm- und Käferholz aus dem Ausland ist in Österreich groß. Die Holzpreise haben auch außerhalb der Kalamitätsgebiete um zehn Euro pro Kubikmeter nachgegeben. Das Überangebot von Nadelholz hat sogar den Pappelabsatz zum Teil verdrängt und dessen Preise gesenkt. Nur bei Eiche, Buche und Esche zeigte sich eine Nachfragebelebung. Ungeplante Holzmengen werden von den Sägern kaum mehr angenommen, weil die Lagerplätze erschöpft sind.

Nadeln

Holz sucht Markt

Grundsätzlich ist auch die Situation auf dem deutschen Holzmarkt angespannt. Im vergangenen Jahr sind die Holzpreise deutlich nach unten gegangen, teilt Larissa Schulz-Trieglaff vom Verband AGDW – Die Waldeigentümer gegenüber Herd-und-Hof.de mit. Regional und nach Baumart sortiert gestalten sich die Preise im Detail unterschiedlich. Im östlichen Niedersachsen beispielsweise sind die Fichtenpreise auf Grund des Käferbefalls um 70 Prozent gesunken. Die Kiefer dort wiederum ist sehr gefragt. In Süddeutschland resultiert der Preisrückgang zusätzlich durch Schneebruch.

Die Firmen, die das Holz aus den Wäldern holen muss, sind mehr als ausgelastet. Weil sie es zum Teil nicht schaffen, rückt Schadholz über einen längeren Zeitraum nach. „Für die Waldbesitzer bedeutet diese katastrophale Situation, dass sie in mehrfacher Hinsicht Verlust machen.“

Holzlagerplätze sind auch in Deutschland knapp. Der AGDW fordert seit längerem den Aufbau eines Systems an Trocken- als auch Nasslager über alle Eigentumsformen (staatlich, kommunal und privat) hinweg. Hinderlich ist derzeit das Sonntagsfahrverbot für den Transport von Kalamitätsholz. „Und wir brauchen die Erhöhung des zulässigen Transportgewichtes von Holzabfuhr-Lkw von 40 auf 44 Tonnen“, erläutert Verbandssprecherin Schulz-Trieglaff.

Auch der chinesische Markt ist eng

Weil die Situation auch die Wälder in den Nachbarstaaten betrifft, gibt es überall vergleichbare Marktprobleme. „Folglich muss man jetzt versuchen, Märkte außerhalb der Europäischen Union zu erschließen.“ Aber dem sind Grenzen gesetzt. Polen und Deutschland konnten im letzten Jahr mehr Nadelrundholz nach China verkaufen. Die Chinesen decken sich aber vermehrt aus Neuseeland und Australien ein. Selbst Russland hat einen von 36 auf 18 Prozent gesunkenen Marktanteil im Reich der Mitte hinnehmen müssen.

Ob sich der Holzmarkt stabilisiert, hängt vor allem von der Witterung ab. Wird der Sommer 2019 ähnlich trocken wie im letzten Jahr, dann sehen die Waldbesitzer kein Ende des Preisverfalls. Verläuft die Witterung hingegen normal, könnte sich der Holzmarkt 2020 „langsam wieder entspannen.“

Hilfe für den Wald

Hilfsmaßnahmen aber gibt es nur für den Wald an sich. Der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, Michael Stübgen, sagte diesen Montag bei einer Waldbegehung der Arbeitsgemeinschaft Naturnahe Waldwirtschaft, dass der Bund „weder Wald noch die Forst- und Holzwirtschaft im Stich“ lasse. Für die nächsten fünf Jahre stehen 25 Millionen Euro zur Verfügung. Damit sollen Schadflächen geräumt, Waldschutzmaßnahmen wie ein Monitoring von Schaderregern und die Bekämpfung von Waldbränden finanziert werden. Stübgen hat auch die Anlage von Holzlagerplätzen im Blick. Geld gibt es vor allem für die Wiederaufforstung. Für besonders betroffene Waldeigentümer habe das BMEL steuerliche Erleichterungen beim Finanzministerium erreicht.

Christian Haase will noch mehr. Der CDU-Politiker und Hauptberichterstatter für den Landwirtschaftsetat beim Bund fordert mit Aussicht auf einen weiteren Dürresommer die Aufstockung der Finanzhilfen. Sonst seien die 25 Millionen Euro „nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.“

Andere Gehölze werden knapp

Hochwertige Gehölze finden in Deutschland immer mehr Liebhaber für das Abrunden des heimischen Gartens. Die steigende Nachfrage hat durch den Strukturwandel der letzten 20 Jahre bei den deutschen Baumschulen schon zu Engpässen bei einigen Sortimenten geführt. Hitze und Trockenheit haben Gehölze aus dem Freiland nicht mehr zu den gewünschten Größen geführt, warnte jetzt der Bund deutscher Baumschulen (BdB). „In diesem Jahr werden die Baumschulen die meisten Pflanzen noch liefern können, doch sogar Standardpflanzen wie Hainbuche und Feldahorn werden rar“, sagt Baumschul-Geschäftsführer Bernhard von Ehren. Zusätzlich fragen die europäischen Nachbarländer nach deutschen Gehölzen. Insgesamt könnten Baumschulen die Nachfrage „nicht mehr vollends bedienen“. Andreas Huben vom BdB ist optimistisch: „Zwar besteht momentan eine schwierige Kalkulationsstabilität, doch schon im nächsten Jahr wird man wieder genauer kalkulieren können.“ Für die Baumschulen sind hohe Preise durch die Knappheit gut, denn in den letzten Jahren „waren viele Preise nicht auskömmlich“, ergänzt BdB-Präsident Helmut Selders.

Lesestoff:

[1] Stabilität der Wälder ist gefährdet: https://herd-und-hof.de/landwirtschaft-/waldgespraech-im-kanzleramt.html

[2] Bei einem Nasslager wird das eingeschlagene Nutzholz bis zur Verarbeitung im Sägewerk künstlich beregnet. Nadelholz kann so mehrere Jahre lang gelagert werden. Das Wasser dringt in die Poren ein und verhindert das Eindringen der Außenluft. Dadurch finden Schädlinge im Holz keine Lebensgrundlage mehr. Die Feuchtigkeit verhindert zudem so genannte Trockenrisse.

Roland Krieg; Fotos: roRo

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