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Wohin mit der Milch?

Landwirtschaft

Ungewisse Zukunft des Milchmarktes

Das Ende der Milchquote macht nervös [1]. Die Quote hat weder für einen stabilen Preis gesorgt, noch den Verlust von rund 300.000 Milchviehbetrieben in den letzten 30 Jahren verhindert. Wenn ab dem 01. April die Kühe bis zum letzten Tropfen ausgemolken werden, sind die Perspektiven der Milchviehhalter alles andere als gewiss. Deshalb hat der Bundesverband deutscher Milchviehhalter (BDM) auf der Grünen Woche noch einmal sein Marktverantwortungsprogramm vorgestellt, das temporär bei einer Milchkrise mehrstufig für Preisstabilität sorgen soll. Die Mengen, um die es in den letzten Jahren ging sind klein. Nach Romuald Schaber vom BDM reichen ein bis zwei Prozent Milchvolumen bei einem freiwilligen Lieferstopp aus, um den Markt zu stabilisieren. Dieses und vergleichbare Entwürfe sind zuletzt im Agrarausschuss des Bundestages aber gescheitert [2].

Was passiert?

Was wirklich diesen Sommer passiert bleibt unklar. BDM-Sprecher Hans Foldenauer konnte gegenüber Herd-und-Hof.de noch nicht einmal eine Aussage treffen, ob die Milch nicht sogar von den teuren deutschen Kraftfutterstandorten nach Irland wandert, wo die Tiere rund um das Jahr auf der Weide stehen. Die Vorhersagegenauigkeit ist vergleichbar mit der des Deutschen Bauernverbandes. Nur in einem sind sich die Experten einig: Weil schon seit einem Jahr zu viel Milch auf dem Weltmarkt ist, sinken rund um den Globus die Milchpreise und werden sich nicht vor dem dritten Quartal 2015 erholen.

Hoffnung Export?

Vor diesem Hintergrund war die Stimmung auf dem traditionellen Milchabend der Grünen Woche vergleichbar mit der des Pfeifens im Wald. Hoffnung Export: Staatsekretär Peter Bleser aus dem Bundeslandwirtschaftsministerium zeigte sich optimistisch, dass die Nachfrage nach Milch und Molkereiprodukten langfristig in den Schwellenländern steigt. Der globale Milchmarkt gelte derzeit sogar als der dynamischste Wachstumsmarkt. „Der Milchmarkt ist durch und durch international und insofern wie andere Märkte auch durch Höhen und Tiefen gekennzeichnet“, sagte Bleser. Das Ende der Quote werde das Milchaufkommen in der EU zunächst einmal erhöhen.

Bauernpräsident Joachim Rukwied sieht das genauso: „Das Ende der Milchquote und damit der staatlichen Mengenregulierung Ende März dieses Jahres heißt für Milchbauern und Molkereien gleichermaßen, international neue Absatzmärkte zu etablieren.“ Dafür müssen sich die Betriebe allerdings weiter entwickeln und mit Eigeninitiativen wie QM-Milch ihren Wettbewerb stärken [3].

Veränderungen

Einer der sich eine detaillierte Prognose zutraute, war Johannes Thomsen von der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein auf der DLG-Wintertagung. Mit dem Wegfall der Quote gebe eine „Wachstumsbremse“ weniger. In Norddeutschland soll das Milchaufkommen um vier, später um zwei Prozent jährlich steigen. Das Wachstum der Milchviehbetriebe werde mit Familienarbeitskräften alleine nicht mehr zu bewältigen sein und die Bauern brauchen zusätzliche Arbeitskräfte.

Die Fachtagung zeigte auch das Schwanken des Milchpreises der letzten zehn Jahre auf. Der bewegte sich zwischen über 42 Cent („Gier“) und unter 25 Cent („Angst“). Neu sind die künftigen volatilen Preise also nicht. Der BDM allerdings glaubt, dass vermehrt Milchbauern nicht aus Gründen der Wirtschaftlichkeit aussteigen, sondern weil sie mit den Volatilitäten nicht mehr zurechtkommen wollen. Ob die Bleibenden „mutig“ genannt werden dürfen, bleibt abzuwarten.

Sie müssen ihre Milchpreise an der Börse absichern. Grundlage ist die individuelle Kalkulation und die Absicherung über Butter- und Magermilchpulver-Futures. Damit das funktioniert, muss mit den Kontrakten spekuliert werden. Aber nur in dem Maße, dass die Spekulanten die Preise nicht irrational in die Höhe treiben und den nächsten Crash produzieren.

Das Warentermingeschäft erfordert neue Fähigkeiten. Kühe melken, füttern, Futterbau betreiben, Remonte planen oder eigene Züchtung aufbauen werden nur noch Teilmengen der Arbeitsplatzbeschreibung Milchviehhalter sein. Wer gerade an der Börse einen Verlust einfährt, kann den möglicherweise mit dem Bezug von günstigem Futtermais wieder ausgleichen. Dazu aber braucht der Landwirt starke Nerven, wenn sein Kontoauszug den Börsenverlust vermeldet. Angst vor weiter steigenden Milchpreisen dürfe nicht zu einer frühzeitigen Glattstellung des Kontraktes führen. Das bedeutet aber auch: Wer an der Börse den Milchpreis absichern kann, muss nicht der beste Milchbauer mit den gesündesten und langlebigsten Kühen sein.

Lesestoff:

[1] Marktverantwortungsprogramm des Milch Boards

[2] Nichts Neues von der Milchpolitik

[3] Seit 2011 haben der Bauernverband, der Raiffeisenverband und der Milchindustrie-Verband die „Qualitätsmanagement Milch“ (QM-Milch) gegründet. www.qm-milch.de

Roland Krieg

[Sie können sich alle Artikel über die diesjährige Grüne Woche mit dem Suchbegriff „IGW-15“ anzeigen lassen]

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