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WWF und IVA gemeinsam auf der IGW

Landwirtschaft

Pflanzenschützer wollen mehr Öffentlichkeit wagen

In den letzten 30 Jahren ist die Biomasse von Insekten um 70 Prozent gesunken. Pflanzenarten und Feldvögel werden immer weniger. „Wir reden hier über große Rückgänge“, beklagte Jörg-Andreas Krüger vom WWF. Mittlerweile bekommen die Landwirte ein Imageproblem und Schuld sind, so die öffentliche Meinung „die Pestizide“. Für eine Trendwende hält Krüger die im vergangenen Jahr von der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) vorgestellten zehn Thesen für mehr Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft. Der Verkauf von Pflanzenschutzmitteln ist zwar in den letzten Jahren zurückgegangen, doch die „Toxical Load“ pro Hektar ist gestiegen.

Was auf den ersten Blick wie ein Termin vom Agrarbündnis wirkt, ist eine gemeinsame Pressekonferenz vom Industrieverband Agrar (IVA) mit dem WWF auf der Grünen Woche in Berlin. Pflanzenschutz und Mineraldünger bleiben die wichtigsten Themen für die Versorgung der Weltbevölkerung und stehen dennoch zumeist in der Kritik, sagte Dr. Helmut Schramm, IVA-Geschäftsführer. Im vierten Jahr in Folge sinkt der Verkauf von Pflanzenschutzmitteln. Was unternehmerisch ungünstig ist, soll aber der Integrierte Pflanzenschutz vorantreiben, den Schramm in Zusammenarbeit mit dem WWF proklamierte.

Klimawandel, steigende Weltbevölkerung und die immer knapper werdende Ressource Boden erfordern mehr Ertrag pro Fläche. Der Pflanzenschutz wird nach Schramm auch künftig unverzichtbar sein. Mit dem Integrierten Pflanzenschutz wird die Chemie nach Fruchtfolgen und Bodenbearbeitung sowie mechanischer Unkrautbekämpfung auch erst zuletzt nach dem Prinzip der Schadschwelle eingesetzt. Berater warben auf den DLG-Feldtagen im letzten Jahr für den IPS. Doch so richtig ist der Durchbruch noch nicht erreicht worden, sagte Krüger zu Herd-und-Hof.de, auch wenn das Prinzip der Schadschwelle den Landwirten gut bekannt ist und eingesetzt wird, ergänzte Schramm.

Der Handel unterstützt die Landwirte. Edeka beispielsweise führt zusammen mit dem WWF ein Zitrusprojekt in Spanien durch. Dort hat der Austausch von nicht-selektiven Pflanzenschutzmitteln durch selektive Präparate den Einsatz um 65 Prozent gesenkt. Kleinbauern in Ecuador und Kolumbien haben mit IPS und Bodenmanagement ebenfalls den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln beim Anbau von  Bananen ebenfalls gesenkt.

Die Branche hat in der Vergangenheit die Vorteile von Pflanzenschutzmittel zu wenig hervorgehoben. Politische Entscheidungen wurden nicht konsequent zu Ende gedacht, erläuterte Schramm. Die Schädlinge bleiben auch nach dem Verbot von Rapsbeizmitteln und müssen mit einem Mehraufwand an Pyrethroiden bekämpft werden. Krüger fordert einen sachlichen Diskussionsprozess zwischen Agrar- und Umweltministerium ein. 

Ob die Technik hilft? In den 1980er Jahren kamen neue Feldspritzen mit abstellbaren Düsen auf den Markt, ohne dass die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln geringer wurde. Das soll sich bei der Digitalisierung nicht wiederholen, so Schramm. Mit der feinen Steuerung der Algorithmen sind jetzt gezieltere Ausbringmengen möglich.

Lesestoff:

Pflanzenschutzmittel noch nachhaltiger einsetzen: https://herd-und-hof.de/landwirtschaft-/pflanzenschutzmittel-nachhaltiger-einsetzen.html

Die richtige Zeit für IPS: https://herd-und-hof.de/landwirtschaft-/die-zeit-schlaegt-fuer-den-integrierten-pflanzenschutz.html

Roland Krieg

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