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Züchtung, Boden, Humus gegen den Klimawandel

Landwirtschaft

Es gibt kein Ende des Ackerbaus

Die Landwirtschaftskammer Österreich hat in einem Übersichtsartikel die „Schreckensmeldung“ einer Tageszeitung beleuchtet, in der angesichts eines wiederholten Jahres mit Wetterextremen „der Ackerbau vor dem Ende steht“.

Für die Pflanzenbauexperten ist das nichts „Neues“, denn eine Anpassung an sich ändernde Witterungsbedingungen ist ein evolutionärer Prozess, der Landwirte schon immer herausgefordert hat. Dabei können Landwirte auf die Hilfe vorgelagerter Bereiche bauen. Die Landwirtschaftskammer bezeichnet die „Pflanzenzüchtung als eine unabdingbare Säule zur Bewältigung des Klimawandels“. Erfolg habe, wer die besten Methoden findet, der „Evolution auf die Sprünge zu helfen“. Daher sei es verwunderlich, wie kritisch Umweltverbände auf moderne Züchtungen reagierten.

Für Wachstum und Ertrag brauchen die Pflanzen Wasser. Dessen Verbrauch wird im Verhältnis zur gebildeten Trockenmasse als Transpirationskoeffizient gemessen. Hirse braucht beispielsweise mit 200 – 300 mm Wasser pro Kilo Trockenmasse (kg TM) nur sehr wenig. Mais verbraucht rund 100 mm mehr, während anderes Getreide wie Gerste, Durum-Weizen oder Roggen schon 400 bis 500 mm brauchen. Bei Raps und der Ackerbohne liegt der Transpirationskoeffizient schon bei 600 bis 700 mm und Luzerne, Soja und Lein brauchen sogar noch mehr. Einschränkend bei Mais ist aber die Summe des Gesamtertrages. Allein die oberirdische Biomasse umfasst zur Erntezeit mehr als 20 Tonnen pro Hektar und das meiste Wasser wird in der Trockenzeit gebraucht.

Auch die beste Züchtung wird an diesen Transpirationskoeffizienten nur wenig ändern können. Sortenunterschiede sind marginal. Winterungen sind alleine deshalb von Vorteil, weil sie in der vegetationslosen Zeit die Wasservorräte am besten nutzen.

Die Bodenbearbeitung werde in der Zukunft eine noch größere Rolle spielen. Das Wasserhaltevermögen ist abhängig vom Porenvolumen, Humusgehalt und der biologischen Aktivität, die von den Landwirten über die Bodenbearbeitung verbessert wird. Der Humus ist sicherlich einer der wichtigsten Parameter. Aber: „Das Halten oder sogar steigern des Humusgehaltes im Boden wird in Zeiten steigender Temperaturen immer schwieriger.“ Mit der Höhe der Temperaturen nehmen die biologische Aktivität und damit der Humusabbau im Boden zu. Daher sollte so viel Stroh wie möglich auf dem Feld bleiben und nicht zur Gewinnung von Treibstoffen der 3. Generation abgefahren werden.

Der Klimawandel stellt eine komplexe Herausforderung, die nicht allein von den Landwirten gelöst werden kann. Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die keine „Schreckensmeldung“ brauche.

Roland Krieg

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