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"Zusammengekrotzte" Beeren

Landwirtschaft

Winzer haben ihre eigene Sprache

Mitunter klingt es ziemlich derb. Wenn Winzer von „arschlosen“ Reben sprechen, dann sind diesen die unteren Wurzeln abgestorben. „Bettschisser“ sind eigentlich auch nichts verwerfliches, spielen aber für den heutigen Geschmack keine Rolle mehr: Gemeint ist eine saure einheimische Weinsorte.

Wörterbuch der Winzersprache
Sprachwissenschaftlerin Maria Besse und Arbeitsstellenleiterin an der Akademie der Wissenschaften in Mainz (www.adwmainz.de) trägt die nur mündlichen Überlieferungen der Fachsprache zwischen Luxemburg und Aserbaidschan für ein „Wörterbuch der Winzersprache“ zusammen, dessen erster Teil mittlerweile auf einer CD-Rom vorliegt. Die Wörtersammlung gibt aber nicht nur manche Frustration des Arbeitsalltages wieder oder den feinen Humor, den Winzer mit ihren Begriffen bewahren, sondern vielmehr soll hier ein jahrhundertealtes und sehr vielfältiges Erbe gerettet werden, dass angesichts der Technisierung verloren zu gehen droht.
Gesammelt werden die Begriffe seit den 1980er Jahren durch Interviews bei 60 bis 90jährigen Winzern an 500 Orten in 23 Ländern, die deutsche und ehemals deutsche Weinbaugebiete sind oder waren.
Da kommt einiges zusammen, denn der Weinbau in Deutschland hat seit den Römern eine fast 2.000-jährige Tradition. Die Datenbank ist nach verschiedenen Kategorien gegliedert. Sie umfassen die Rebe mit ihren Teilen und Rebsorten, den Weinberg, die Weinbergsarbeit, Traubenlese, das Pressen und die Mostzubereitung - wo sich überall eigene Worte gebildet haben, die sich auch im Verlauf der Jahre verändert haben.
Bis 2012 soll parallel zum Arbeitsfortschritt jährlich eine CD herausgegeben werden. Auszugsweise werden die Ergebnisse als Online-Wörterbuch unter www.winzersprache.de veröffentlicht.
Übrigens: „Zusammengekrotzte“ sind vertrocknete Beeren.

roRo

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