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Zweiter Erntebericht des DBV

Landwirtschaft

Erntebericht

„Unsere Bauern können allenfalls bei großen Schwankungen der Erträge insgesamt noch mit einer durchschnittlichen Ernte rechnen“, sagte der bayrische Agrarminister Josef Miller in der letzten Woche in Fürstenfeldbruck. Je nach Bodenqualität und Niederschlagsmenge variieren die Erträge aber auch nach oben. Das heiße und trockene Wetter hat vor allem die spätreifenden Getreidesorten erwischt. Die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen sieht bei Gerste Ertragsschwankungen zwischen 7,5 und zehn Tonnen je ha.

Zweiter Bericht des DBV
Heute Nachmittag konnte auch der Deutsche Bauernverband (DBV) in seinem zweiten Erntebericht nur den „ungewöhnlich schnellen Ernteverlauf“ feststellen. In manchen Regionen ist das Getreide so schnell abgereift, dass für Wachstum und Korneinlagerungen kaum mehr Zeit blieben.
Trotzdem sind die aktuellen Niederschläge willkommen, da sie die Situation in den Futterbaubetrieben entschärfen kann. Manche Wiesen seien allerdings durch die Hitze so geschädigt, dass nicht mehr mit einem Aufwuchs gerechnet werden kann.
Der in den Medien so bezeichnete Sahara-Sommer hat auch den Futtermais geschädigt. Für ihn kommt der Regen zu spät und entgegen des üblichen Erntetermins September und Oktober müssen die Felder mit dem bereits vertrockneten Mais schon jetzt abgeerntet werden. Betriebe werden gezwungen sein, zusätzliches Futtergetreide zu erwerben.
Der DBV sieht auch Probleme für Biogasbetreiber, die ihre Anlagen mit Silomais und Grassilage befüllen – es ist nicht genug Material vorhanden.
Die Frühkartoffelernte war wegen der Trockenheit zum Erliegen gekommen, kann aber jetzt wieder aufgenommen werden. Auch den Zuckerrüben bringt der Regen einen neuen Wachstumsschub – ob die Früchte aber die verlorene Zeit wieder aufholen, bleibt fraglich.

Ausgleich durch Flächenausdehnung bei Gerste
8,8 Millionen Tonnen Wintergerste sind nach Angaben des DBV ein vergleichbares Ergebnis zum Vorjahr. Das liege vor allem daran, dass die Anbaufläche insgesamt um 10,3 Prozent ausgedehnt wurde. Nur im Norden und Osten wurden schlechtere Qualitäten geerntet. Die Erzeugerpreise für Futtergerste liegen zwischen 8,50 und 9,50 Euro je Dezitonne, wobei in Veredlungsregionen auch 10 Euro erzielt werden. Das ist ein Euro mehr als im Vorjahr.
Sommergerste, die im wesentlichen als Braugerste angebaut wird, hat am meisten gelitten und der DBV kann noch nicht sagen, wie viel Sommergerste überhaupt die notwendige Brauqualität erzielt. Insgesamt wurde mit 2,2 Millionen Tonnen über eine halbe Million weniger geerntet als im Vorjahr. Damit ist das Preisniveau gestiegen. Jede Tonne Braugerste erzielt frei Mälzerei 110 bis 120 Euro, der Spitzenpreis liegt bei 125 Euro/t.

Winterweizen zwei Mio. t weniger
Mit fast der Hälfte der Anbaufläche stellt Winterweizen das wichtigste Getreide in Deutschland dar. Gegenüber dem Vorjahr mit 23,3 Mio t werden in diesem Jahr wohl nur 21 Mio t geerntet. In Bayern, Schleswig-Holstein und Niedersachsen steht aber noch die Hälfte der Ernte auf dem Halm. Thüringen und Sachsen melden Ernterückgänge zwischen 35 und 40 Prozent. Aus Nord- und Ostdeutschland werden hohe Schmachtkornanteile und ein geringes Hektolitergewicht gemeldet, was zu einem Abschlag bei den Preisen führt.
Roggen ist ebenfalls ein wichtiges Brotgetreide und typisch für trockene Böden. Daher hat Roggen den Sommer recht gut überstanden, weist kaum Schmachtkörner und Mutterkorn auf.

Gute Marktaussichten
Geringe Ernte und wenig gute Qualitäten lassen die Preise steigen. Josef Miller wagte auch bereits einen Blick auf die internationalen Märkte: Die Schwarzmeerregion dürfte in diesem Jahr nicht so stark wie in der Vergangenheit auf den Markt drängen. Das bietet Absatzchancen für heimisches Getreide. Da eine bereits durchschnittliche Getreiderente den bayrischen Eigenbedarf an Verfütterung und Verarbeitung übersteigt, muss der Freistaat wohl rund 1,2 Millionen Tonnen Getreide außerhalb der Landesgrenzen absetzen.

roRo

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